(David Berger) Es gibt Politiker, die hinterlassen Denkmäler. Andere Straßen. Manche wenigstens einen halbwegs ausgeglichenen Haushalt. Und dann gibt es Kai Wegner. Der kann sich kaum mehr irgendwo sehen lassen ohne dem Ort oder der Institution zu schaden, wo er auftritt. Sein letztes Refugium scheint da der Berliner CSD zwischen kopulierenden Nackten und Männern, die mit Hundemasken an der Leine ihres Herrchens vor dem Brandenburger Tor herumkrabbeln. Ob er deswegen als Schwulenikone in die Geschichte eingeht?
Diesmal ist er nicht auf dem Tennisplatz und ob er mit dem Kanzler telefoniert hat, ist noch ungewiss. Dafür rollt der Regierende Bürgermeister lieber über den Berliner CSD. Nicht mit irgendeinem Truck, sondern einem, der den Berliner Steuerzahler nach Angaben der Senatskanzlei und von Berlin Partner rund 375.000 Euro kostete – obwohl die eigentliche Teilnahmegebühr des CSD lediglich 6.250 Euro beträgt. Fast eine Viertelmillion Euro Sachleistungen, dazu rund 140.000 Euro aus der Senatskanzlei: So teuer war in Berlin selten der Versuch, sich wenigstens von einigen betrunkenen Schwulen vom Land ein freundliches Winken vom Straßenrand zu erkaufen.
Eigentor-Experte
Das Bittere daran: Selbst die anvisierte Zielgruppe zeigte sich nur begrenzt beeindruckt. Vor der CDU-Zentrale hingen ausgerechnet von queeren Aktivisten mit bissigen Botschaften versehene Prideflaggen. Wer 375.000 Euro für ein Regenbogen-Image ausgibt und trotzdem erbitterten Protest erntet, hat das politische Äquivalent eines Eigentors geschossen.
„Es wird nicht mein letzter CSD sein“, kündigte Wegner mit Heldenmiene gegenüber dem queergeschalteten Tagesspiegel an. Das glaubt man ihm sofort. Tatsächlich drängt sich der Eindruck auf, dass es kaum einen Ort gibt, an dem sich der Regierende inzwischen wohler fühlt als zwischen den schrillsten Inszenierungen des Berliner CSD.
Während Familien mit ihren Kindern am Straßenrand stehen, gehören zu den bekannten Bildern der Veranstaltung seit Jahren auch Teilnehmer in Fetischkleidung, nahezu unbekleidete Demonstranten oder Menschen, die sich in Puppy-Play-Outfits an Leinen durch die Menge bewegen. Genau dort möchte Kai Wegner künftig offenbar dauerhaft Flagge zeigen. Dass er sich dort besonders wohl fühlt, ist dabei vermutlich nur die halbe Wahrheit, vermutlich kann er sich nirgend mehr sonst sehen lassen, ohne den Ruf der Gastgeber zu schädigen. Aber zwischen nackten Übergewichtigen und queeren Familien gilt: Ist der Ruf schon ruiniert …
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