Katholischer Bischof startet Initiative zur Evangelisierung von Muslimen

(David Berger) Der norditalienische Bischof Antonio Suetta aus dem Bistum Ventimiglia-San Remo hat angekündigt, die Evangelisierung von Muslimen künftig stärker in den Mittelpunkt der pastoralen Arbeit seiner Diözese zu stellen. In seinem Pfingsthirtenbrief betont Suetta, dass christliche Nächstenliebe und die Verkündigung des Evangeliums untrennbar zusammengehörten. Das berichtet die katholische Wochenzeitung „Tagespost“.

Anlass für die Initiative ist unter anderem das vom Papst ausgerufene Franziskusjahr zum 800. Todestag des heiligen Franziskus von Assisi, das von Januar 2026 bis Januar 2027 begangen wird. Suetta erinnert dabei an die historische Begegnung des Heiligen mit Sultan Malik al-Kāmil während der Kreuzzugszeit im Jahr 1219. Franziskus habe damals den Dialog mit Muslimen gesucht – „ohne Waffen, allein getragen von Glauben und Nächstenliebe“, schreibt der Bischof.

Zugleich verweist Suetta auf die Konzilserklärung „Nostra Aetate“, in der das Zweite Vatikanische Konzil zu einem respektvollen Verhältnis gegenüber anderen Religionen aufruft. Besonders Muslime seien wie Christen auch Monotheisten und verdienten daher Achtung und einen ehrlichen Dialog. Daraus erwachse eine gemeinsame Verantwortung für die Würde jedes Menschen. Und das Recht der Muslime darauf, den christlichen Glauben kennenzulernen.

Der Bischof macht jedoch deutlich, dass Offenheit gegenüber anderen Religionen nicht bedeute, die eigene christliche und daher auch missionarische Identität aufzugeben. Die Kirche sei weiterhin dazu berufen, Jesus Christus zu verkünden. Wörtlich schreibt Suetta: „Die Aufnahme des Fremden, die Nächstenliebe und das Zeugnis eines glaubwürdigen christlichen Lebens gehören untrennbar zur Evangelisierung.“

Ein Akt der Nächstenliebe

Ab dem Pastoraljahr 2026/2027 sollen deshalb konkrete Projekte entstehen. Das Katecheseamt und die Caritas der Diözese wollen Bildungsangebote und Begegnungen organisieren, um sowohl den Islam besser kennenzulernen als auch den missionarischen Auftrag der Kirche neu zu stärken.

In einem Interview mit der italienischen Zeitung „La Nuova Bussola Quotidiana“ erklärte Suetta, dass Muslime in seiner an Frankreich grenzenden Diözese bereits seit den 1980er-Jahren stark präsent seien. Die Kirche habe sich stets um Hilfe und Integration bemüht. Der Anstoß zur jetzigen Initiative sei aus der praktischen Caritasarbeit entstanden. Ein ehrenamtlicher Mitarbeiter habe die Frage gestellt, warum man Menschen neben materieller Hilfe nicht auch den christlichen Glauben anbieten solle.

Für Suetta ist Evangelisierung deshalb ein Akt der Nächstenliebe. Christen seien nicht nur zur sozialen Hilfe verpflichtet, sondern auch dazu, Zeugnis für ihren Glauben abzulegen und den Menschen die Botschaft des Evangeliums anzubieten.

Unterstützung erhält die Initiative auch aus dem Vatikan: Kardinal George Jacob Koovakad, Präfekt des Dikasteriums für den interreligiösen Dialog, wird im Oktober in Sanremo erwartet, um dort über die Bedeutung des interreligiösen Dialogs im gesellschaftlichen und kulturellen Kontext der Region zu sprechen.


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David Berger
David Bergerhttps://philosophia-perennis.com/
David Berger (Jg. 1968) war nach Promotion (Dr. phil.) und Habilitation (Dr. theol.) viele Jahre Professor im Vatikan. 2010 Outing: Es erscheint das zum Bestseller werdende Buch "Der heilige Schein". Anschließend zwei Jahre Chefredakteur eines Gay-Magazins, Rauswurf wegen zu offener Islamkritik. Seit 2016 Blogger (philosophia-perennis) und freier Journalist (u.a. für die Die Zeit, Junge Freiheit, The European).

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