(David Berger) Wenn US-Außenminister Marco Rubio morgen im Vatikan eintrifft, geschieht dies unter ungewöhnlich frostigen Vorzeichen. Der Besuch beim amerikanischstämmigen Papst Papst Leo XIV. ist weit mehr als ein routinemäßiger diplomatischer Austausch – er ist ein Treffen nach einem offenen Schlagabtausch zwischen dem Heiligen Stuhl und dem Weißen Haus, der unnötig viel Porzellan zerschlagen hat in einem Haushalt, der im Sinne des katholischen Menschenbildes den „deep state“ erfolgreich bekämpfen könnte.
Noch vor wenigen Wochen hatte US-Präsident Donald Trump den Papst scharf attackiert. Hintergrund war dessen Kritik am Krieg, in den Medien als Kritik am Krieg der USA und Israels gegen den Iran gerahmt, den Leo XIV. in seiner Osterbotschaft als „sinnlose und unmenschliche Gewalt“ bezeichnet hatte. Trump reagierte mit persönlichen Vorwürfen und unterstellte dem Pontifex sogar, er halte eine iranische Atombombe für akzeptabel – eine nachweislich falsche Behauptung. Der Papst selbst blieb gelassen und verwies auf die konstante Haltung der Kirche gegen jede Form von Atomwaffen.
Tatsächlich verurteilt auch der von Linkskatholiken als „altmodisch“ angesehene Katechismus der Katholischen Kirche indirekt den Einsatz von Atomwaffen, wenn er lehrt: „Handlungen, die auf die wahllose Zerstörung ganzer Städte oder großer Gebiete abzielen, sind ein „Verbrechen gegen Gott und den Menschen“.“ Ein „gerechter Krieg“ lässt sich damit de facto nicht führen. Weder von der USA oder Israel noch dem Iran aus. Der Papst wird keinen dieser Kriege segnen.
Trumpphobie des Papstes und Lügen Trumps
Die Eskalation wirft auf beiden Seiten Fragen auf. Der Papst hat mit seinen Äußerungen zwar konsequent die Friedenslehre der Kirche vertreten, wirkte dabei jedoch nicht immer diplomatisch geschickt. Viele seiner politischen Stellungnahmen, besonders die spontanen Antworten auf provokative Fragen von Journalisten, zeigen eine gewisse Einseitigkeit, ja sogar eine Art „Trumpphobie“ – besonders wenn es um migrationspolitische Fragen geht, bei denen er wiederholt eine Linie vertreten hat, die im deutlichen Gegensatz zur Politik der Trump-Regierung steht, obwohl diese von ihren Befürwortern durchaus mit dem Prinzip christlicher Nächstenliebe begründet werden kann (siehe mein Mottobild l.).
Auf der anderen Seite hat Trump mit seinen Angriffen eine Grenze überschritten. Wer dem Oberhaupt von über einer Milliarde Katholiken öffentlich Unwahrheiten unterstellt, riskiert nicht nur außenpolitischen Schaden, sondern auch innenpolitische Spannungen. Gerade unter konservativen Katholiken in den USA, die Trump lange als Verbündete sah und umgekehrt, sorgen solche Angriffe für Irritationen. Auf einmal sah sich Trump der Situation ausgesetzt, dass sich liberale und konservative Katholiken auf einmal einig waren, dass ihnen der Papst näher steht als ihr Präsident. Etwas, was er aus der Geschichte hätte wissen müssen.
Soll der Papst die Kuba-Pläne Trumps abnicken?
Rubio selbst betont, seine Reise ziele nicht darauf ab, die Spannungen zu entschärfen. Dennoch wird sie genau so gelesen: nicht unbedingt als ein neuer Bußgang nach Canossa, aber als Versuch, die Wogen zu glätten, die der Präsident äußerst ungeschickt aufgewühlt hat. Neben der Audienz beim Papst ist auch ein Treffen mit Kardinal Pietro Parolin geplant, der selber gerne Papst geworden wäre und als Nummer zwei im Vatikan eine Schlüsselrolle in der Diplomatie des Heiligen Stuhls spielt.
Offiziell stehen Themen wie Religionsfreiheit, die Lage in der Golfregion und gemeinsame Interessen in der westlichen Hemisphäre auf der Agenda. Doch Beobachter vermuten, dass auch strategisch heikle Fragen – etwa die Haltung des Vatikans zu möglichen neuen Konflikten, etwa in Kuba – zumindest indirekt eine Rolle spielen könnten. US-Medien legen nahe, dass letzteres sogar die primäre Intention des Besuchs sein könnte, dass man den Papst auf den nächsten militärischen Brandherd, Kuba, vorbereiten möchte. Wie USA-Today berichtet, steht Kuba ganz oben auf Rubios Agenda für das Treffen mit dem Papst am morgigen Donnerstag. Rubio will im Vatikan etwas erreichen, das fast schon dreist ist: Er sucht nach moralischer Rückendeckung für mögliche US-Militäraktionen gegen Havanna. Die Logik dahinter ist simpel: Wenn der Papst schweigt oder gar nickt, lässt sich eine Eskalation international leichter verkaufen.
In Europa hat der Papst Rückendeckung erhalten. Italiens Außenminister Antonio Tajani stellte sich heute angesichts des bevorstehenden Besuchs Rubios demonstrativ hinter Leo XIV.: „Die Angriffe gegen den Heiligen Vater […] sind weder nachvollziehbar noch dienlich für die Sache des Friedens.“ Auch Ministerpräsidentin Giorgia Meloni hatte die Kritik aus Washington zuvor als „inakzeptabel“ bezeichnet. Der Konflikt drohte sogar, auf die militärische Ebene überzugreifen, als Trump mit einem Teilabzug von US-Soldaten aus Italien spielte.
Rom wird keinen ungerechten Krieg segnen
Für Rubio dürfte der Besuch damit zu einem diplomatischen Balanceakt werden. Als praktizierender Katholik trifft er auf ein Kirchenoberhaupt, das moralische Autorität beansprucht und sich nicht scheut, politische Entscheidungen offen zu kritisieren. Gleichzeitig repräsentiert er eine Regierung, die den Papst öffentlich angegriffen und damit einen Fehler gemacht hat, der sich tragisch auf das Abschneiden der Republikaner bei den Midterm Elections auswirken könnte.
Am Ende steht mehr auf dem Spiel als ein einzelnes Treffen: Es geht um Krieg oder Frieden, das Verhältnis zwischen politischer Macht und moralischer Autorität – und um die Frage, ob beide Seiten wieder zu einem respektvolleren Ton finden, der einem gemeinsamen Anliegen-Nenner, der Rettung der Würde der menschlichen Person als Ebenbild ihres Schöpfers, entspricht. Eines scheint jetzt schon klar zu sein: In Rom wird man genau hinhören, aber sich kaum vereinnahmen lassen.
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