„Männerhass breitet sich wie ein Gift aus“

(David Berger) Während der Mann immer häufiger zum gesellschaftlichen Sündenbock erklärt wird, schlägt der renommierte Psychologe Prof. Dr. Michael Klein Alarm. Im Interview mit dem Online-Magazin Corrigenda warnt er vor einer ideologisch befeuerten Männerfeindlichkeit, deren Folgen längst in Schulen, Familien und der gesamten Gesellschaft sichtbar seien.

Kaum vergeht eine Woche, in der der Öffentlichkeit nicht erneut erklärt wird, Männer seien das eigentliche Problem unserer Gesellschaft. Nach den jüngsten Debatten um „toxische Männlichkeit“, Demonstrationen gegen angebliche „Männergewalt“, immer neuen Kampagnen gegen den „alten weißen Mann“ und pauschalen Verdächtigungen gegenüber dem männlichen Geschlecht scheint sich eine ideologische Grundannahme festgesetzt zu haben: Männlichkeit gilt vielen nicht mehr als schützenswert, sondern als mindestens therapiebedürftig, wenn nicht gar als ganz zu eliminierende Eigenschaft.

Dass dieser gesellschaftliche Trend inzwischen auch von Wissenschaftlern offen kritisiert wird, ist selten. Umso erfreulicher ein Interview des Kölner Psychologen und Männerforschers Prof. Dr. Michael Klein, das das Magazin Corrigenda veröffentlicht hat. Seine Diagnose fällt vernichtend aus: „Männerhass breitet sich wie ein Gift aus.“

Der Mann als gesellschaftlicher Sündenbock

Klein beschreibt eine Entwicklung, die viele Menschen längst intuitiv wahrnehmen: Das öffentliche Bild des Mannes werde seit Jahren systematisch negativ gezeichnet. Statt den einzelnen Menschen zu beurteilen, werde das männliche Geschlecht immer häufiger als moralisch verdächtige Gruppe behandelt. Begriffe wie „toxische Männlichkeit“ hätten sich von wissenschaftlichen Beschreibungen längst zu politischen Kampfbegriffen entwickelt.

Dabei erinnert der Psychologe an eine schlichte Tatsache, die heute fast schon provozierend wirkt: „Die meisten Männer sind nicht toxisch.“ Eigentlich eine Selbstverständlichkeit. Doch in einer Debattenkultur, in der Männer vielfach nur noch als potenzielle Täter oder Unterdrücker erscheinen, besitzt dieser Satz beinahe revolutionären Charakter.

Besonders scharf kritisiert Klein die Art, wie öffentliche Debatten geführt werden. „Gerade in den Medienkampagnen der letzten Zeit wurde viel zu viel über Männer und zu wenig von Männern gesprochen.“ Noch deutlicher wird seine Analyse, wenn er beschreibt, wer das Bild des Mannes heute prägt: „Die entsprechenden Artikulationen sind … oft wenig respektvoll und in den letzten Jahren zunehmend extrem und verallgemeinernd.“ Mit anderen Worten: Männer werden häufig nicht mehr als Gesprächspartner wahrgenommen, sondern als Gegenstand moralischer Belehrung.

„Boy Crisis“

Besonders alarmiert zeigt sich Klein über die Folgen für die nächste Generation. Schon Jungen erhielten heute vielfach die Botschaft, mit ihnen stimme grundsätzlich etwas nicht. Positive männliche Vorbilder verschwänden zunehmend aus Schulen, Medien und Erziehung. Stattdessen dominierten Problematisierungen männlichen Verhaltens.

Seit Jahren spricht die Psychologie deshalb von einer „Boy Crisis“. Jungen schneiden schulisch schlechter ab, entwickeln häufiger Suchterkrankungen, zeigen mehr psychische Auffälligkeiten und begehen wesentlich häufiger Suizid als Frauen. Diese Entwicklung werde politisch jedoch kaum wahrgenommen.

Klein kritisiert indirekt auch eine ideologisch verengte Wahrnehmung gesellschaftlicher Gewalt. Während nahezu jede Gewalttat eines Mannes sofort in größere Theorien über das „Patriarchat“ eingeordnet werde, fehle häufig dieselbe Bereitschaft zur Differenzierung bei anderen Tätergruppen. Die individuelle Verantwortung trete hinter pauschale Geschlechterzuschreibungen zurück. Damit werde letztlich genau jener Kollektivismus betrieben, den man an anderer Stelle selbst verurteile.

Anerkennung statt Daueranklage

Klein zeichnet dabei keineswegs ein romantisches Männerbild, er leugnet weder Gewalt noch Fehlentwicklungen. Seine Forderung lautet vielmehr, endlich wieder zwischen dem einzelnen Täter und Millionen rechtschaffener Männer zu unterscheiden. Eine Gesellschaft, die ihren Jungen permanent vermittelt, sie gehörten zum problematischen Geschlecht, zerstöre deren Selbstvertrauen und damit langfristig auch ihre Bereitschaft, Verantwortung für Familie, Beruf und Gemeinwesen zu übernehmen.

Das Interview ist die wissenschaftlich fundierte Beschreibung einer kulturellen Schieflage, die inzwischen immer mehr Menschen wahrnehmen. Eine freie Gesellschaft lebt vom Respekt gegenüber dem einzelnen Menschen – nicht von der pauschalen Verurteilung ganzer Gruppen. Genau das gilt selbstverständlich auch für Männer. Und Klein vermittelt letztlich die Einsicht, dass Gleichberechtigung niemals dadurch entsteht, dass man ein Geschlecht gegen das andere ausspielt. Sondern dadurch, dass man beiden mit derselben Würde, demselben Respekt und derselben Fairness begegnet.

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David Berger
David Bergerhttps://philosophia-perennis.com/
David Berger (Jg. 1968) war nach Promotion (Dr. phil.) und Habilitation (Dr. theol.) viele Jahre Professor im Vatikan. 2010 Outing: Es erscheint das zum Bestseller werdende Buch "Der heilige Schein". Anschließend zwei Jahre Chefredakteur eines Gay-Magazins, Rauswurf wegen zu offener Islamkritik. Seit 2016 Blogger (philosophia-perennis) und freier Journalist (u.a. für die Die Zeit, Junge Freiheit, The European).

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