Getrieben von der schieren Panik vor dem Machtverlust – und vielleicht auch aus Angst vor der Aufdeckung ihrer verbrecherischen Machenschaften –, haben sich die Altparteien zu einer beispiellosen Hetz- und Lügenkampagne gegen die Opposition verstiegen. Selbst gerichtsfest widerlegte Falschbehauptungen wie die Potsdamer Deportationslüge werden schamlos wiederholt. Noch schlimmer als die darin zum Vorschein kommende Bosheit ist aber die allgegenwärtige Dummheit von Parteifunktionären, NGOs und Systemmedien, aber auch von weiten Teilen der Öffentlichkeit. Gastbeitrag von Frank Steinkron.
Thomas von Aquin: Dummheit als willentlich begangene Sünde
Als Dummheit definierte der große Kirchenlehrer Thomas von Aquin die willentliche Abwendung des Menschen von der Wahrheit, weshalb sie im Unterschied zur angeborenen biologischen Denkschwäche eine Sünde sei. Der dumme Mensch stelle sich explizit gegen die göttliche Ordnung, da Gott sowohl die Wahrheit als auch die Vernunft ist. Daher könne auch ein intelligenter oder gebildeter Mensch dumm sein.
Dass der Mensch sich aus freiem Willen gegen die Wahrheit und damit gegen Gott wendet, bedeutet jedoch nicht, dass er sich immer auch der Konsequenzen seiner Entscheidung bewusst ist. Vielmehr sind Stolz, Selbstüberschätzung, Geltungssucht, Machtgier, Verstocktheit oder Herzensträgheit in ihm so mächtig, dass er alles andere ausblendet.
Die griechische Antike: Dummheit als Verblendung
Für dieses Ausblenden der Realität kannte schon die griechische Antike den Begriff der ἄτη (áte), der Verblendung. In der griechischen Tragödie ist Ate eine Folge der Hybris, der sündhaften Selbstüberschätzung. Am Ende folgt die Bestrafung durch die Nemesis, die göttliche Gerechtigkeit. In den Psalmen wiederum straft Gott die Hochmütigen, indem er sie ihren eigenen Plänen, sprich ihrer eigenen Dummheit, überlässt.
Freilich muss der dumme Mensch nicht unbedingt bösartig sein – wenngleich seine Dummheit oft Böses hervorbringt. Das beste Beispiel ist der Gutmensch. Er will Gutes tun, hat aber in eitler Selbstgefälligkeit oder intellektuellem Hochmut die Wirklichkeit durch eine eigene „Wahrheit“ ersetzt. Tatsachen, die ihm nicht passen, tut er als belanglose Einzelmeinungen ab, während er seine eigene Ansicht zur Wahrheit, oft auch zu einer durch „die Wissenschaft“ bestätigten, absoluten Wahrheit erhebt. Er ist, um ein Wort des Mephisto aus dem ‚Faust‘ abzuwandeln, jemand der stets das Gute will, und doch das Böse schafft.
Somit ist die Dummheit zwar nicht das Böse, aber doch das perfekte Einfallstor des Bösen in die Welt. Denn der Dumme hat sich gegen die Erkenntnis der Wahrheit vollkommen immunisiert, mit ihr kämpfen, wie ein schon Friedrich Schiller in der ‚Jungfrau von Orleans‘ feststellte, selbst Götter vergebens.
Dietrich Bonhoeffer: Gegenüber der Dummheit ist der Kluge wehrloser als gegenüber der Bosheit
Die Erfahrung, gegenüber der Dummheit wehrlos zu sein, machte auch der protestantische Theologe und Widerstandskämpfer Dietrich Bonhoeffer. Seine Einsicht formulierte er 1943 in einem Essay, als er im Wehrmachtsuntersuchungsgefängnis Berlin-Tegel einsaß: zwei Jahre vor seiner Ermordung im KZ Flossenbürg. Seine Analyse ist zeitlos. Denn sie liest sich auch wie eine Antwort auf die gegenwärtigen Verhältnisse: auf die Selbstgerechtigkeit grüner Gutmenschen, die Aggressivität sozialistischer Ideologen, die Vernichtungsphantasien kommunistischer und islamistischer Agitatoren, aber auch die Machtgier und Verlogenheit korrupter, heuchlerischer Scheinkonservativer. Im Folgenden sei Bonhoeffers Text in Auszügen wiedergegeben. Die kursiven Zwischenüberschriften wurde vom Verfasser dieses Beitrags eingefügt.
Dietrich Bonhoeffer: Von der Dummheit.
Dummheit als selektive Wahrnehmung und Selbstimmunisierung
„Dummheit ist ein gefährlicherer Feind des Guten als Bosheit. Gegen das Böse lässt sich protestieren, es lässt sich bloßstellen, es lässt sich notfalls mit Gewalt verhindern, das Böse trägt immer den Keim der Selbstzersetzung in sich, indem es mindestens ein Unbehagen im Menschen zurücklässt.
Gegen die Dummheit sind wir wehrlos. Weder mit Protesten noch durch Gewalt lässt sich hier etwas ausrichten; Gründe verfangen nicht; Tatsachen, die dem eigenen Vorurteil widersprechen, brauchen einfach nicht geglaubt zu werden – in solchen Fällen wird der Dumme sogar kritisch – und wenn sie unausweichlich sind, können sie einfach als nichtssagende Einzelfälle beiseitegeschoben werden.
Anders als der Böse lässt der Dumme sich nicht überzeugen.
Dabei ist der Dumme im Unterschied zum Bösen restlos mit sich selbst zufrieden; ja, er wird sogar gefährlich, indem er leicht gereizt zum Angriff übergeht. Daher ist dem Dummen gegenüber mehr Vorsicht geboten als gegenüber dem Bösen. Niemals werden wir mehr versuchen, den Dummen durch Gründe zu überzeugen; es ist sinnlos und gefährlich.
Dummheit ist nicht Mangel an Intelligenz
Um zu wissen, wie wir der Dummheit beikommen können, müssen wir ihr Wesen zu verstehen suchen. So viel ist sicher, dass sie nicht wesentlich ein intellektueller, sondern ein menschlicher Defekt ist. Es gibt intellektuell außerordentlich bewegliche Menschen, die dumm sind, und intellektuell sehr Schwerfällige, die alles andere als dumm sind. Diese Entdeckung machen wir zu unserer Überraschung anlässlich bestimmter Situationen. Dabei gewinnt man weniger den Eindruck, dass die Dummheit ein angeborener Defekt ist, als dass unter bestimmten Umständen die Menschen dumm gemacht werden, bzw. sich dumm machen lassen. (…)
Die Macht der einen braucht die Dummheit der anderen.
Bei genauerem Zusehen zeigt sich, dass jede starke äußere Machtentfaltung, sei sie politischer oder religiöser Art, einen großen Teil der Menschen mit Dummheit schlägt. Ja, es hat den Anschein, als sei das geradezu ein soziologisch-psychologisches Gesetz. Die Macht der einen braucht die Dummheit der anderen. Der Vorgang ist dabei nicht der, dass bestimmte – also etwa intellektuelle – Anlagen des Menschen plötzlich verkümmern oder ausfallen, sondern dass unter dem überwältigenden Eindruck der Machtentfaltung dem Menschen seine innere Selbständigkeit geraubt wird und dass dieser nun – mehr oder weniger unbewusst – darauf verzichtet, zu den sich ergebenden Lebenslagen ein eigenes Verhalten zu finden.
Aus dem Dummen spricht nicht der Mensch selbst, sondern die in ihm eingetrichterten und übermächtig gewordenen Parolen.
Dass der Dumme oft bockig ist, darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass er nicht selbständig ist. Man spürt es geradezu im Gespräch mit ihm, dass man es gar nicht mit ihm selbst, mit ihm persönlich, sondern mit über ihn mächtig gewordenen Schlagworten, Parolen etc. zu tun hat. Er ist in einem Banne, er ist verblendet, er ist in seinem eigenen Wesen missbraucht, misshandelt. So zum willenlosen Instrument geworden, wird der Dumme auch zu allem Bösen fähig sein und zugleich unfähig, dies als Böses zu erkennen. Hier liegt die Gefahr eines diabolischen Missbrauchs. Dadurch werden Menschen für immer zugrunde gerichtet werden können.
Befreiung von der Dummheit durch Gottesfurcht
Aber es ist gerade hier auch ganz deutlich, dass nicht ein Akt der Belehrung, sondern allein ein Akt der Befreiung die Dummheit überwinden könnte. Dabei wird man sich damit abfinden müssen, dass eine echte innere Befreiung in den allermeisten Fällen erst möglich wird, nachdem die äußere Befreiung vorangegangen ist; bis dahin werden wir auf alle Versuche, den Dummen zu überzeugen, verzichten müssen(..) Das Wort der Bibel, dass die Furcht Gottes der Anfang der Weisheit sei, sagt, dass die innere Befreiung des Menschen zum verantwortlichen Leben vor Gott die einzige wirkliche Überwindung der Dummheit ist.
Eine Befreiung von der Dummheit kann nur von außen kommen.
So weit Bonhoeffer. Eine Befreiung von der damals herrschenden kollektiven Dummheit konnte erst nach der totalen Niederlage des Dritten Reiches und durch die „Entnazifizierung“ durch die Alliierten erfolgen.
Auch heute könnte ein totaler Zusammenbruch, auf wirtschaftlicher wie gesellschaftlicher Ebene, die Millionen Dummen dazu bringen, den Bösartigen in den Machapparaten der Altparteien die Gefolgschaft zu verweigern. Und ist der Leidensdruck erst einmal größer als das Wohlgefühl innerhalb der eigenen ideologischen oder pseudomoralischen Komfortzone, dann kann auch die eine oder andere Selbsttäuschung aufbrechen.
Fazit: Durch Wahlen können wir die Tyrannei der Dummheit noch aufhalten.
Anders als Bonhoeffers Zeit leben wir noch nicht in einer vollständigen Diktatur, wenngleich viele bereits an der Etablierung einer solchen arbeiten. Noch immer noch die Möglichkeit der freien Wahlen. Wer diese nicht nutzt, solange es sie noch gibt, ist wirklich dumm.
Anmerkung: Die Zitate sind entnommen aus: Dietrich Bonhoeffer, Widerstand und Ergebung. Briefe und Aufzeichnungen aus der Haft, (hg. von Eberhard Bethge), München 1951, S. 17–20.
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