Eine Billion Euro für 9 Prozent – der große Selbstbetrug der Energiewende

Die Energiewende gilt den Mainstreammedien als Erfolgsprojekt – doch ein genauer Blick auf die Zahlen zeichnet ein ganz anderes Bild. Während oft von „50 Prozent erneuerbarer Energien“ die Rede ist, liegt ihr tatsächlicher Anteil am gesamten Energieverbrauch deutlich niedriger. Gleichzeitig stehen diesem begrenzten Fortschritt enorme Kosten und wachsende strukturelle Herausforderungen gegenüber, die die Dimension des Umbaus erst wirklich sichtbar machen. Ein Gastbeitrag von David Cohnen.

In der Berichterstattung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks und großer Teile der Presse wird regelmäßig von „rund 50 Prozent erneuerbarer Energien“ gesprochen. Technisch korrekt bezieht sich diese Zahl jedoch ausschließlich auf den Stromverbrauch. Der unaufmerksame Zuhörer oder Leser versteht sie hingegen fast zwangsläufig als Anteil an der gesamten in Deutschland verbrauchten Energie – also an Strom, Wärme, Industrie und Verkehr zusammen –, was vermutlich auch so verstanden werden soll. Ebenso versteht der Zuhörer oder Leser unter „erneuerbaren Energien“ häufig nicht fossile Energie insgesamt, was ebenfalls vermutlich so beabsichtigt ist.

Tatsächlich liegt der Zuwachs „erneuerbarer“, nicht fossiler Energien in den letzten 25 Jahren bei lediglich rund 9 Prozent des gesamten Energieverbrauchs. Diese Zahl wurde kürzlich in einer Talkshow von Markus Lanz genannt, an der neben dem Moderator Markus Lanz auch die Professorin für Energiewirtschaft und Energiepolitik Claudia Kemfert sowie der Volkswirt und Journalist Michael Bröcker teilnahmen. Sie verdeutlicht, welchen tatsächlichen Beitrag Wind- und Solarenergie als neu hinzugekommene Energiequellen zum Gesamtenergieverbrauch in Deutschland leisten.

Diese 9 Prozent sind zudem nicht kontinuierlich verfügbar. Sie erfordern Reservekraftwerke in praktisch gleicher Leistung, um das Netz stabil zu halten – überwiegend fossil betriebene Reserven. Die „erneuerbaren Energien“ ersetzen damit keine fossile Erzeugung, sondern ergänzen sie unter hohem zusätzlichem Aufwand.

Kosten der Energiewende

Die Kosten dieses bescheidenen Fortschritts sind enorm. Carsten Linnemann (CDU) nannte wiederholt 500 Milliarden Euro für die Energieumstellung der letzten 25 Jahre (vor allem EEG-Förderkosten der Stromwende).

Hinzu kommen die privaten und öffentlichen Ausgaben für die Wärmewende – Einbau von Wärmepumpen, Heizungsumrüstungen und Gebäudesanierungen –, die mit 300 bis 600 Milliarden Euro beziffert werden. Bei einem realistischen Mittelwert von 450 Milliarden Euro ergibt sich eine Gesamtbelastung von rund 950 Milliarden Euro.

Hochrechnung und zukünftige Kosten

Die Hochrechnung auf eine vollständige Energieumstellung macht die tatsächlichen Dimensionen erst sichtbar. Bei rein linearer Fortschreibung des bisherigen Tempos (9 Prozent in 25 Jahren) würde eine vollständige Umstellung rechnerisch mehrere Jahrhunderte in Anspruch nehmen. Diese vereinfachte Betrachtung ist keine Prognose, verdeutlicht jedoch die enorme strukturelle, zeitliche und wirtschaftliche Tragweite des Vorhabens.

Selbst unter günstigeren Annahmen bleibt die Größenordnung gewaltig. Die Energiewende ist kein kurzfristiges Investitionsprojekt, sondern ein tiefgreifender Umbau nahezu aller Bereiche von Wirtschaft und Infrastruktur, der mit erheblichen finanziellen Belastungen verbunden ist.

Unabhängige Studien beziffern die Gesamtkosten der Energiewende bis 2045/2050 – je nach Methodik und Abgrenzung – auf etwa 4,8 bis 13,3 Billionen Euro kumuliert. Diese Spannbreite verdeutlicht nicht nur Unsicherheiten in den Annahmen, sondern auch die erhebliche wirtschaftliche Dimension, die mit dieser Transformation verbunden ist.

Zusätzliche Kostentreiber und strukturelle Herausforderungen

  • Materialknappheit bei Kupfer, seltenen Erden und anderen strategischen Rohstoffen
    • steigende Anforderungen und massive Investitionen beim Netzausbau
    • Aufbau einer umfassenden Speicher- und Wasserstoffinfrastruktur
    • anhaltende Inflation und steigende Produktionskosten
    • zunehmender Fachkräftemangel

Diese Faktoren führen dazu, dass die wirtschaftlichen Belastungen weiter zunehmen können. Insbesondere die letzten Schritte hin zu einer weitgehend „erneuerbaren Energieversorgung“ gelten als überproportional anspruchsvoll, da hier nicht nur zusätzliche Kapazitäten geschaffen, sondern auch Versorgungssicherheit, Netzstabilität und Systemintegration dauerhaft gewährleistet werden müssen.

Fazit

Für nur 9 Prozent mehr „erneuerbarer Energien“ am Gesamtverbrauch hat Deutschland bereits fast eine Billion Euro aufgewendet. Die Hochrechnung auf 100 Prozent zeigt: Die öffentliche Darstellung suggeriert einen weitaus größeren Erfolg, als tatsächlich erreicht wurde.

Das eigentliche Problem – und die eigentliche Rechnung – liegt nicht hinter uns, sondern noch vor uns. Das Ziel einer vollständigen Umstellung auf „erneuerbare Energien“ bedeutet nämlich die Elektrifizierung aller Sektoren und damit den Ausbau von Wind- und Solarenergie von 9 auf 100 Prozent sowie den Hochrüstung der Reservekraftwerke von derzeit rund 20 auf 100 Prozent der benötigten Leistung.

Diese Reservekraftwerke sollen perspektivisch mit „grünem“ Wasserstoff betrieben werden. Dessen umfangreiche Herstellung, ein etwaiger Import – sofern überhaupt realisierbar – sowie der Aufbau der gesamten Infrastruktur, von Elektrolysekapazitäten über Speicher bis hin zu einer umfassenden Transport- und Verteilkette, sind jedoch mit erheblichen technischen, wirtschaftlichen und logistischen Belastungen verbunden.

Selbst unter optimistischen Annahmen gehen Studien davon aus, dass hierfür zusätzliche Investitionen in Billionenhöhe erforderlich sein könnten. Diese würden die ohnehin bereits erheblichen finanziellen Belastungen der Energiewende nochmals deutlich ausweiten und die Gesamtkomplexität der Transformation weiter erhöhen.

Hinzu kommt eine grundlegende Unsicherheit: Ob eine umfassende Umstellung auf Wasserstoff in der erforderlichen Größenordnung jemals technisch zuverlässig und zugleich wirtschaftlich tragfähig umgesetzt werden kann, ist derzeit offen.

Bei einem nominalen Bruttoinlandsprodukt von derzeit rund 4,5 Billionen Euro und angesichts massiver, ungelöster volkswirtschaftlicher Krisen in der Rentenfinanzierung, dem Bildungssystem, der unkontrollierten illegalen Migration mit ihren enormen Folgekosten sowie zahlreichen weiteren strukturellen Baustellen ist diese Politik schlicht volkswirtschaftlich unverantwortlich. Eine Billion bereits ausgegeben für gerade einmal 9 Prozent realen Fortschritt – und nun sollen weitere 5 bis 13 Billionen folgen? Das ist keine Energiewende mehr, das ist ein systematischer Raubbau am deutschen Wohlstand, der die Wettbewerbsfähigkeit zerstört, den Mittelstand stranguliert und zukünftige Generationen mit untragbaren Schulden und Abhängigkeiten belastet. Diese irreführende Schönrechnerei muss endlich aufhören.

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