Deutschland ohne Sitz im UN-Sicherheitsrat: Nächster Rückschlag für die Außenpolitik der Bundesregierung

Die Bundesregierung hat bei der Wahl um einen nichtständigen Sitz im UN-Sicherheitsrat eine empfindliche Niederlage erlitten. Deutschland konnte sich in der UN-Generalversammlung nicht gegen die Mitbewerber Österreich und Portugal durchsetzen und verpasste damit den Einzug in das wichtigste sicherheitspolitische Gremium der Vereinten Nationen für die Amtszeit 2027/2028. Nach Medienberichten erhielt Deutschland lediglich 104 Stimmen und verfehlte die notwendige Zweidrittelmehrheit deutlich. Die beiden verfügbaren Sitze der westeuropäischen Staaten gingen stattdessen an Österreich und Portugal.

Besonders bemerkenswert ist das Ergebnis deshalb, weil Deutschland seit der Wiedervereinigung bei jeder Bewerbung um einen nichtständigen Sitz erfolgreich gewesen war. Noch vor der Abstimmung hatten Beobachter vor einer möglichen Blamage gewarnt, da die Konkurrenz ihre Kandidaturen deutlich früher angekündigt und über Jahre hinweg internationale Unterstützung organisiert hatte.

Der Sicherheitsrat gilt als das zentrale Machtzentrum der Vereinten Nationen. Dort werden Resolutionen zu internationalen Konflikten, Sanktionen und Friedensmissionen beschlossen. Ein Sitz verschafft Staaten nicht nur mehr Einfluss, sondern auch diplomatisches Prestige. Entsprechend intensiv hatte die Bundesregierung für die Kandidatur geworben. Außenminister Johann Wadephul reiste eigens nach New York, um bis zuletzt Unterstützung zu mobilisieren.

Die internationale Bühne bleibt vorerst unerreichbar

Für Bundeskanzler Friedrich Merz ist dieses Ergebnis politisch höchst unangenehm. Zu Beginn seiner Amtszeit hatte er angekündigt, Deutschland wieder stärker auf der internationalen Bühne zu positionieren und außenpolitisch mehr Gewicht zu entfalten. Das Scheitern bei der Wahl zum UN-Sicherheitsrat sendet jedoch das gegenteilige Signal.

Natürlich entscheidet eine solche Wahl nicht allein über die Qualität deutscher Außenpolitik. Die Abstimmung ist das Ergebnis jahrelanger diplomatischer Vorarbeit, regionaler Bündnisse und globaler Interessen. Dennoch lässt sich die Symbolkraft kaum wegdiskutieren: Wenn Deutschland als zweitgrößter Beitragszahler der Vereinten Nationen nicht genügend Unterstützung für einen zeitlich begrenzten Sitz im Sicherheitsrat organisieren kann, wirft das Fragen nach seinem aktuellen internationalen Einfluss auf.

„Riesen-Blamage“

Besonders problematisch erscheint dabei die Diskrepanz zwischen Anspruch und Wirklichkeit. Während die Bundesregierung den Eindruck vermitteln möchte, Deutschland spiele wieder eine führende Rolle in internationalen Fragen, zeigen sich auf diplomatischer Ebene offenbar erhebliche Grenzen dieser Ambitionen. Die Niederlage in New York dürfte deshalb von vielen Staaten nicht nur als Wahlverlust, sondern auch als Gradmesser für Deutschlands gegenwärtige Durchsetzungskraft wahrgenommen werden.

Die „Bildzeitung“ spricht zu Recht von einer „Riesen-Blamage“ Fest steht: Wer den Anspruch erhebt, Deutschlands Stimme in der Welt deutlich zu stärken, wird sich an solchen Ergebnissen messen lassen müssen. Der verpasste Sitz im UN-Sicherheitsrat ist deshalb mehr als eine symbolische Niederlage – er ist ein Rückschlag für das außenpolitische Prestige der Bundesregierung und ein denkbar schlechter Start für den Anspruch, Deutschland wieder zu einem zentralen Akteur auf der internationalen Bühne zu machen.

Arroganz verschafft keinen Respekt im Ausland

Der großartige multitalentierte Fatih Alasalvaroglu kommentiert den Vorgang: „Ich wünsche dieser Bundesregierung noch viele politische Niederlagen, solange sie Leid, Armut, Unterdrückung und Menschenrechtsverletzungen nicht nach universellen Maßstäben bewertet, sondern der Eindruck entsteht, dass Herkunft, politische Interessen oder ideologische Nähe darüber entscheiden, wie stark Empörung und Solidarität ausfallen.

Die internationalen Sympathieverluste Deutschlands sind also kein bloßer Zufall. Sie sind für viele Menschen Ausdruck einer wachsenden Wahrnehmung von abstoßender Doppelmoral: dass gleiche Prinzipien nicht auf alle gleichermaßen angewendet werden. Wer universelle Werte glaubwürdig vertreten will, muss sie universell vertreten, nicht selektiv!

Gerade Deutschland täte gut daran, weniger moralische Selbstgewissheit und mehr Selbstkritik zu zeigen. Denn Arroganz mag Zustimmung im eigenen Milieu erzeugen, Respekt im Ausland schafft sie selten.“

„Schaulaufen der Diktatoren und Antisemiten“

Einen anderen Blick wirft der studierte Theologe und Publizist Richard Meusers von Wissmann (CDU) auf den Wahlausgang: „Ich finde es verkraftbar, wenn Deutschland nicht auf vorderster Bühne am Schaulaufen der Diktatoren und Antisemiten teilnimmt. Und wenn diese Kandidatur in die Hose gegangen ist, liegt das nicht an der Regierung Merz, sondern an den Ampeldilettanten, die sich nicht rechtzeitig mit Österreich und Portugal abgestimmt haben.“ Ähnlich sieht das auch Frohnatur Ralf Stegner, der freilich als Sozi Wadephul in Schutz nimmt: „Deutschland ist leider bei Bewerbung um Sitz im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen gescheitert. Am Einsatz des Bundesaußenministers Jo Wadephul hat das sicher nicht gelegen, an reichlich später adäquater Reaktion auf Völkerrechtsverletzungen im Nahen Osten wohl eher.“

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David Berger
David Bergerhttps://philosophia-perennis.com/
David Berger (Jg. 1968) war nach Promotion (Dr. phil.) und Habilitation (Dr. theol.) viele Jahre Professor im Vatikan. 2010 Outing: Es erscheint das zum Bestseller werdende Buch "Der heilige Schein". Anschließend zwei Jahre Chefredakteur eines Gay-Magazins, Rauswurf wegen zu offener Islamkritik. Seit 2016 Blogger (philosophia-perennis) und freier Journalist (u.a. für die Die Zeit, Junge Freiheit, The European).

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