
(David Berger) Das soeben erschienene Buch „Verdunkelung der Kirche“ des bekannten Bonner Altphilologen Heinz-Lothar Barth ist ein dezidiert konzilskritisches Werk innerhalb der aktuellen innerkatholischen Debatte um das Zweite Vatikanische Konzil (1963-65) und seine Rezeption. Es erscheint im Sarto Verlag und versteht sich ausdrücklich als Beitrag zur Verteidigung des überlieferten katholischen Glaubens gegen das, was der Autor als teilweise aus dem Konzil selbst hervorgehenden Fehlentwicklungen der nachkonziliaren Zeit aufzeigt.
Im Zentrum des Buches steht die These, dass es im Zuge und in der Folge des Zweiten Vatikanischen Konzils zu einer „Verdunkelung“ zentraler Glaubenswahrheiten gekommen sei. Was schließlich dann zu dem bemitleidenswerten Zustand der katholischen Kirche und dem Glaubensverlust von Millionen an Menschen geführt habe. Barth, der zuletzt durch seine kritischen Werke zum Corona-Wahn weiteren Kreisen bekannt wurde – analysiert sehr sorgfältig konziliare Texte und deren Rezeption im Licht einer fundamental-kritischen Hermeneutik. Dabei geht es ihm nicht nur um einzelne Streitfragen, sondern um die Grundfrage, ob zentrale Identitätsaussagen der Kirche – insbesondere zu Offenbarung, Liturgie, Ökumene und Religionsverständnis – in der nachkonziliaren Entwicklung verwässert oder relativiert wurden.
Im Widerspruch zur eigenen Tradition?
Das Vorwort von P. Stefan Pfluger – einem Vertreter der Priesterbruderschaft St. Pius X. – rahmt das Werk programmatisch. Pfluger stellt das Buch in einen größeren kirchlichen Kontext, in dem die nachkonziliare Entwicklung als Phase zunehmender theologischer und liturgischer Unsicherheit beschrieben wird. Dabei wird betont, dass die gegenwärtige Krise der Kirche nicht zufällig sei, sondern mit bestimmten Interpretationen und Umsetzungen des Konzils zusammenhänge. Dabei steht natürlich die umstrittene Weihe von vier Priester der Bruderschaft am 1. Juli zu Bischöfen im Zentrum des Anliegens P. Pflugers. An der Deutung des Konzils hänge „die Rechtfertigung dieser Bischofsweihen“, so Pfluger.
Ganz in diesem Sinne steht im Zentrum des Werkes eine detaillierte Analyse der Konzilstexte, wobei der Autor insbesondere auf Formulierungen achtet, die als mehrdeutig oder theologisch problematisch interpretiert werden können. Darauf aufbauend richtet sich die Kritik vor allem auch gegen die Rezeption des Zweiten Vatikanischen Konzils in der nachfolgenden kirchlichen Praxis, insbesondere in den Bereichen Liturgie, Ökumene und Religionsdialog, wo aus Sicht des Autors tiefgreifende Veränderungen stattgefunden haben. Diese Entwicklungen haben ihre Ursachen zwar in den Defiziten der Konzilstexte, können aber nicht als organische Reformen innerhalb der kirchlichen Tradition verstanden werden, sondern sind vielmehr als Ausdruck eines Bruches mit der überlieferten Lehre und Praxis gedeutet. Vor diesem Hintergrund entfaltet das Buch zugleich eine positive Gegenperspektive, indem es eine stärker an der perrenierenden Theologie orientierte Ekklesiologie und Glaubenspraxis verteidigt und damit eine Rückbindung an klassische theologische und liturgische Standards anstrebt.
Eine „Revolution von oben“
Die Positionen des Buches stehen in einem engeren argumentativen Umfeld, das sich auch in anderen kritischen Stimmen zum Konzil findet. Und die nicht nur den „Geist des Konzils“, sondern auch dessen Wortlaut kritisiert. Diese Perspektive steht in der Tradition einer konzilskritischen Lesart, wie sie inzwischen nicht mehr nur in bestimmten katholisch-traditionalistischen Kreisen vertreten wird. Das zeigt gut das Kapitel, das auf grundlegende Studien des international bekannten, langjährigen Professors am Lateran, des Domherren Brunero Fiorello Gherardini (1925–2017), hinweist. Gherardini geht ebenfalls davon aus, dass einige Abschnitte in den Konzilsdokumenten (besonders zur Religionsfreiheit und Ökumene) nicht nur versuchen, das Glaubensgut auf neue Weise auszudrücken, sondern Neues sagen, das der Tradition widerspricht.
Wer den gegenwärtigen katastrophalen Zustand besonders der weithin von der Anpassung an den linksgrünen Zeitgeist geprägten katholischen Kirchensteuerkirche auch auf einer tiefergehenden Ebene verstehen will, der bekommt hier kompakt auf knapp 300 Seiten eine wissenschaftlich integre Zusammenschau der Argumente, die diesen Niedergang auch in einer „Revolution von oben“ sehen, die ein Konzil den Gläubigen, die nicht darum gebeten haben, im Namen des Gehorsams verordnet hat.
Hier finden Sie weitere Angaben zum Buch und die Bestellmöglichkeit.
Entdecke mehr von Philosophia Perennis
Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.







