Sonntag, 15. Februar 2026

„Travestie-Ärger“: Will der Papst Macron nicht empfangen? (Update)

(David Berger) Ein von dem französischen Staatspräsidenten Macron schon länger erbetenes Treffen mit Papst Leo wurde angeblich abgesagt. So jedenfalls u.a. ein Bericht von „Il Tempo“. Der will Informationen aus dem Vatikanischen Staatssekretariat haben, dass der Heilige Vater sich geweigert habe, Präsident Macron Anfang Januar zu einer Privataudienz zu empfangen.

Update 22.01.26, 17 h: Vatikan dementiert

„Vatikanstadt, 22.01.2026 (KAP) Der Vatikan hat einen Medienbericht dementiert, wonach Papst Leo XIV. Frankreichs Präsident Emanuel Macron eine Audienz verweigert habe. Vatikansprecher Matteo Bruni teilte der Nachrichtenagentur Kathpress am Donnerstag auf Anfrage mit, dass es die von einigen Medien dem Vatikan-Archivar Giovanni Cesare Pagazzi (60) zugeschriebenen Äußerungen zu diesem Thema, nicht gegeben habe. Medien hatten unter Berufung auf Pagazzi sowie auf anonyme Quellen im vatikanischen Staatssekretariat berichtet, Leo XIV. habe persönlich angeordnet, Macron eine Audienz im Vatikan zu verweigern.“ (Quelle)

Update 21.01.26, 10 h: Das „Ministère de l’Europe et des Affaires étrangères“ hat nun auf die Nachrichten reagiert. Es schreibt: „Falsch. Ein Treffen wird gerade organisiert. Diplomatie kann vieles erreichen. Doch die Abstimmung der Termine von Papst und Präsident bleibt eines der größten Rätsel… Wir machen ein schönes Foto.“ (Faux. Rendez-vous en cours de montage. La diplomatie peut beaucoup de choses. Mais aligner l’agenda du Pape et celui du Président reste l’un des plus grands mystères… On fera une belle photo. )

Update 21.01.26, 16 h: Dennoch berichtet heute katholisches.de:

„Laut einem italienischen Medienbericht hat Papst Leo XIV. dem französischen Staatspräsidenten Emmanuel Macron bislang bewusst keinen Audienztermin gewährt. Wie die konservative Zeitung „Il Tempo“ unter Berufung auf „zuverlässige Quellen im vatikanischen Staatssekretariat“ berichtet, sollen französische Diplomaten seit Wochen vergeblich versucht haben, einen ersten Audienztermin für Macron beim Papst zu ermöglichen.

Anders als für die Staatsoberhäupter Großbritanniens, Italiens, Deutschlands oder Spaniens habe Leo XIV. jedoch für Frankreichs Präsidenten keinen Termin eingeräumt. Der Papst persönlich habe angeordnet, die Anfrage abzulehnen. Es solle für Macron vorerst weder eine private Audienz noch eine Audienz im Range eines Staatsbesuchs geben.“

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Gekürzter PP-Artikel vom 20.01.26:

Einer der Gründe für das Zerwürfnis zwischen Macron und dem Vatikan soll sein: Der von Macron angeordnete, vom Pariser Bischof willig vollzogene Austausch einiger auch nach dem Brand völlig intakter traditioneller Kirchenfenster in Notre-Dame. Papst Leo XIV. spricht in diesem Zusammenhang von einer schrecklichen „Travestie“.

Satanismus, Euthanasie und Sterbehilfe

Hinzu kommt die Tatsache, dass es „ungerechte Sterbehilfegesetze gibt, die das Leben selbst in seiner letzten Stunde nicht achten“. Das „bedauerliche“ Klima zwischen der französischen Seite und dem Papst, so Monsignore Giovanni Cesare Pagazzi hänge auch mit „dem Antiamerikanismus des französischen Lagers“ zusammen. Das bestätigen zudem Personen aus dem nahen Umfeld des Heiligen Vaters. Diese Informationen teilt auch der gewöhnlich gut unterrichtete französische Politiker François Asselineau, Präsident der UPR.

 

Auch Brigitte Macron Problem für das Verhältnis zum Vatikan

Für einen Skandal hatte bereits das Verhalten von Brigitte Macron bei dem Einweihungsgottesdienst der Kathedrale gesorgt. Infovaticana berichtete damals über einen offenen Brief des französischen Priesters Guy Pagès an Papst Leo XIV, in dem er eine kirchliche Intervention wegen eines schweren liturgischen Skandals fordert. Anlass ist die Wiedereröffnungsmesse der Kathedrale Notre-Dame am 8. Dezember 2024, bei der Brigitte Macron in einer Live-Übertragung die Kommunion in die Hand empfing.

Pagès kritisiert, dass die Kommunion öffentlich und kommentarlos ausgeteilt wurde, obwohl Brigitte Macron zivil verheiratet, geschieden und nach kirchlichem Recht nicht sakramental verheiratet sei. Zudem verweist er auf ihre öffentliche Unterstützung von Abtreibung, Euthanasie und LGBT-Positionen. Gemäß dem Kirchenrecht hätte sie daher nicht zur Kommunion zugelassen werden dürfen. Er wirft den Verantwortlichen der Messe vor, ihre Pflicht verletzt zu haben, die Kommunion diskret zu verweigern, um einen öffentlichen Skandal in der französischen Kirche zu verhindern.

Unvergessen natürlich auch das blasphemische Spektakel zur Eröffnung der Olympiade in Paris.

Ein Treffen zwischen Macron und Leo XIV. wäre daher „presque malsaine („beinahe ungesund“) geworden, erklärte Bischof Giovanni Cesare Pagazzi. Schließlich sei noch am Rande bemerkt, dass auch Trump Macron jüngst einen ähnlichen Fußtritt verabreicht hat: Als Donald Trump von Reportern vergangene Woche auf Macron angesprochen wurde, „reagierte er gewohnt aggressiv und erklärte, dass niemand Macron im Gaza-Peace-Council möchte, weil er schon sehr bald aus seinem Amt scheiden werde. Trump fügte noch an, dass er französische Champagner und Weine mit einem Zollsatz von 200% belegen lassen könne. Das würde helfen…“ (Quelle)


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David Berger
David Bergerhttps://philosophia-perennis.com/
David Berger (Jg. 1968) war nach Promotion (Dr. phil.) und Habilitation (Dr. theol.) viele Jahre Professor im Vatikan. 2010 Outing: Es erscheint das zum Bestseller werdende Buch "Der heilige Schein". Anschließend zwei Jahre Chefredakteur eines Gay-Magazins, Rauswurf wegen zu offener Islamkritik. Seit 2016 Blogger (philosophia-perennis) und freier Journalist (u.a. für die Die Zeit, Junge Freiheit, The European).

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