(David Berger)  „Ich kann nicht still bleiben!“ schreibt Papst Benedikt XVI em. in seinem neuesten Buch, aus dem die französische Zeitung „Le Figaro“ bereits vorab Auszüge veröffentlichte. Darin übt er – zusammen mit dem als erfolgreicher Kandidat für die Nachfolge von Franziskus geltenden Kardinal Sarah – harsche Kritik an einigen Plänen seines Nachfolgers, die den Katholizismus enorm schaden könnten.

Update 14.01.20, 14 h: Zu früh gefreut – „Der Sekretär von Benedikt XVI. geht in Namen des emeritierten Papstes auf Distanz zum Buch über den Zölibat, das Kurienkardinal Robert Sarah vorlegt“ – Und Msgr. Gänswein dazu: „Der emeritierte Papst hat keinem Projekt für ein gemeinsames Buch zugestimmt, und er hat den Buchdeckel weder gesehen noch autorisiert“ (so Vatikan News) Wichtig bleibt aber festzuhalten: Die hier veröffentlichten Zitate stammen tatsächlich aus der Feder Benedikts bzw. aus dem Text, den er für das Buch zur Verfügung gestellt hat- dazu sehr detailliert und verlässlich: Tagespost

Die „Bild“ spricht von einem „Krieg der Päpste“: Der kirchenpolitische Super-Gau, vor dem alle angesichts des überraschenden Rücktritts Papst Benedikts XVI. warnten und der Netflix-Film „Die zwei Päpste“ bereits phantasierte, ist eingetreten: In einem zusammen mit Kardinal Robert Sarah verfassten Buch, warnt er seinen Nachfolger, der sich inhaltlich immer mehr zum Gegenpapst gemausert hat, davor, die kirchliche Lehre aufzuweichen.

Der Geduldsfaden endgültig gerissen

Schon lange bemerkt man das Grummeln, das aus dem Umfeld Benedikts und seiner engsten Mitarbeiter gegen den neuen Kurs von Franziskus herrscht. Jüngst erst zeigte eine Dokumentation des BR, dass Benedikt zwar körperlich gebrechlich, aber geistig nach wie vor sehr wach und aktiv ist. Nun scheint mit den Plänen von Franziskus, das Priesteramt bald für verheiratete Männer zu öffnen, das Fass übergelaufen, die Geduld Benedikts angesichts der Tiraden seines Nachfolgers endgültig zuende zu sein.

„Ich kann nicht [länger] still bleiben!“ schreibt er in dem Buch, aus dem die französische Zeitung „Le Figaro“ bereits vorab Auszüge veröffentlichte. Die Aufhebung des Zölibats komme überhaupt nicht in Frage. Die Ehe fordere einen Mann, der sich komplett seiner Familie hingebe: „Da anderseits der Dienst für den Herrn die völlige Hingabe eines Mannes erfordert, scheint es nicht möglich, diese zwei Berufungen gleichzeitig fortzuführen.“ Und sie ergebe sich aus der täglichen Feier des Messopfers durch den Priester: „Aus der täglichen Zelebration der Eucharistie, die einen permanenten Zustand des Dienstes an Gott impliziert, wird spontan die Unmöglichkeit einer ehelichen Bindung geboren“

Der Zölibat sei Ausdruck eines kompromisslosen Katholischseins: „Ich glaube, dass der Zölibat eine große Bedeutung in sich trägt – und zwar als Verzicht auf einen möglichen irdischen Besitz und auf ein Leben im Kreis der Familie.“

„Theatralisches Gehabe, diabolische Lügen und im Trend liegende Fehler“

Aber der emeritierte Papst aus Bayern und der wortgewaltige Kardinal aus Afrika sehen zahlreiche weitere problematische Punkte in der Amtsführung des Jesuiten Franz. Benedikt warnt in seinem Resümee am Ende des Buches den Klerus und die gläubigen Laien davor, sich von „irregeleiteten Einwänden, theatralischem Gehabe, diabolischen Lügen und im Trend liegenden Fehlern“ einschüchtern zu lassen.

Noch ist unklar, wie Franziskus auf diese offensichtliche Rüge reagieren wird. Er gilt der Kurie als unberechenbar und zu Jähzorn neigend. Viele romtreue Gläubige begrüßen bereits jetzt das Machtwort Benedikts und Kardinal Sarahs, den sie für den besten möglichen Nachfolger (papabile) von Franziskus halten. Und sie teilen die Sorgen von Papst Benedikt und dem papabile. Guido Horst, der als profunder Kenner des Vatikan und der Weltkriche gilt, schreibt in seinem Kurzkommentar in der „Tagespost“:

„Ein guter Teil der Kardinäle und des Weltepiskopats befürchtet, dass Franziskus in seiner Sorge um pastorale Lösungen den Kern des Katholischen verletzt. Das ist heftig.“

Und die meisten gläubigen Katholiken sind überzeugt: Wenn es jetzt zu einem an das Mittelalter erinnernden Konflikt zwischen den beiden Päpsten kommt, dann hat diesen garantiert nicht jener verursacht, dem es nur darum geht die kirchliche Lehre zu wahren und den Katholizismus in seiner Integrität zu bewahren.

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