(David Berger) „Unsere Liebe Frau von Afrika möge die Reconquista Marokkos und seine Bekehrung zum Christentum vorantreiben.“ Mit diesem Satz hat sorgt der bekannte spanische Kanoniker von Pamplona, der Priester Javier Aizpún derzeit angesichts der Invasion in Ceuta für Aufregung. Hinter der Provokation verbirgt sich jedoch eine tiefere Frage: Hat Spanien seine katholische Seele bewahrt – und hat Europa seine bereits verloren?
Es gibt Sätze, die wirken, als wären sie nicht im Jahr 2026, sondern vor fünfhundert Jahren geschrieben worden. Und scheinen doch angesichts des Überfalls auf Ceuta hoch aktuell. Genau einen solchen Satz hat der spanische Priester Javier Aizpún, Architekt, Theologe,, Pfarrer von Huarte und Kanoniker der Kathedrale von Pamplona, formuliert – und damit nicht nur vielen Spaniern in der derzeitigen Situation aus dem Herzen gesprochen, sondern weit über Spanien hinaus Aufmerksamkeit erregt.
Reconquista Marokkos
Während sich große Teile Europas daran gewöhnt haben, jede neue Migrationskrise mit den immer gleichen Floskeln über „Herausforderungen“ und „europäische Lösungen“ zu kommentieren, greift Aizpún zu einer Sprache, die man längst ausgestorben glaubte. Seine Anrufung der „Nuestra Señora de África“, der Schutzpatronin Ceutas, verbunden mit dem Wunsch nach einer Vollendung der Reconquista, klingt wie ein Echo aus der Zeit Isabellas der Katholischen.
„Unsere Liebe Frau von Afrika, Patronin von Ceuta, möge die Reconquista Marokkos und seine Bekehrung zum Christentum vorantreiben. Was die Königin Isabella die Katholische unvollendet ließ, lasst uns zu Ende bringen.“
Man muss diese Worte nicht als politisches Programm verstehen, um ihre eigentliche Aussage zu erfassen. Ihre Sprengkraft liegt vielmehr darin, dass sie den geistigen Horizont Europas wieder sichtbar machen. Über fast acht Jahrhunderte war die Reconquista nicht einfach eine Abfolge militärischer Auseinandersetzungen. Sie war Ausdruck des Selbstverständnisses eines christlichen Spaniens, das seine Identität aus dem katholischen Glauben bezog. Ceuta und Melilla sind bis heute sichtbare Erinnerungen an diese Geschichte.
„Die Seele Spaniens ist katholisch.“
Gerade deshalb trifft Aizpúns Aussage einen Nerv. Sie widerspricht radikal dem Zeitgeist. Während Kirchenvertreter häufig ausschließlich von Integration, Offenheit und Willkommenskultur sprechen, erinnert dieser Priester daran, dass das Christentum historisch auch ein ausgeprägtes Bewusstsein für seine eigene Identität besaß. Sein Verweis auf die Reconquista ist deshalb weniger als Aufruf zu einem militärischen Unternehmen zu verstehen als vielmehr als Erinnerung an die geistigen Wurzeln Spaniens.
Dabei steht Aizpún keineswegs allein. Er bewegt sich in einer langen Tradition spanischen Denkens. Der große Historiker und Kulturphilosoph Marcelino Menéndez Pelayo vertrat die Überzeugung, dass der Katholizismus das eigentliche Fundament der spanischen Nation sei. Berühmt wurde seine Charakterisierung Spaniens als „Evangelisator der halben Welt, Hammer der Häretiker, Licht von Trient und Schwert Roms“. Für Menéndez Pelayo war dies keine nostalgische Verklärung, sondern die historische Erklärung dafür, warum Spanien überhaupt zu einer Weltmacht und Kulturmacht geworden war. Die häufige Zusammenfassung seines Denkens lautet deshalb treffend: Die Seele Spaniens ist katholisch.
Denselben Gedanken griff Jahrzehnte später Ramiro de Maeztu in seiner Defensa de la Hispanidad auf. Auch für ihn bestand die Größe Spaniens nicht in wirtschaftlicher oder militärischer Überlegenheit, sondern in seiner Sendung, Träger einer katholischen Zivilisation zu sein. Der Begriff der Hispanidad bezeichnet bei Maeztu gerade jene geistige Gemeinschaft der spanischsprachigen Welt, die aus dem katholischen Glauben hervorgegangen ist.
Im Widerspruch zum Migrationsfetisch mancher Kirchenleute
Vor diesem Hintergrund erhält auch Aizpúns Hinweis auf die Bekehrung Marokkos eine andere Perspektive. Wer darin lediglich eine politische Provokation sieht, übersieht den eigentlichen Kern der Aussage. Die Kirche hat seit ihrem Ursprung den Auftrag, allen Völkern das Evangelium zu verkünden. Der Wunsch, dass Menschen Christus erkennen, gehört zum Wesen der christlichen Mission. Aizpún formuliert dies in einer Sprache, die heute ungewöhnlich scharf wirkt, deren missionarischer Grundgedanke aber tief in der Tradition der Kirche verwurzelt ist.
Natürlich wird der Priester als Provokateur wahrgenommen. Seine Worte brechen mit den sprachlichen Konventionen unserer Zeit und lösen deshalb heftige Reaktionen aus. Doch gerade diese Unangepasstheit erklärt wohl ihre enorme Resonanz. Viele Europäer erleben seit Jahren eine unkontrollierte Migration und haben zugleich den Eindruck, dass ihre politischen und kirchlichen Eliten kaum noch Worte finden, die das historische und kulturelle Selbstverständnis Europas überhaupt noch ausdrücken. Das macht die Größe dieser Aussage aus, weil sie in einer weitgehend entchristlichten Öffentlichkeit plötzlich wieder von Geschichte, Identität und Mission spricht – mit einer Unerschrockenheit, die viele längst verloren glaubten. Gerade in Spanien, dessen Geschichte über Jahrhunderte untrennbar mit dem Katholizismus verbunden war, trifft eine solche Sprache einen Nerv. Sie erinnert daran, dass Nationen nicht nur von Grenzen und Institutionen leben, sondern auch von einer Seele. Und wer Menéndez Pelayo oder Maeztu liest, wird verstehen, warum viele Spanier überzeugt sind, dass diese Seele bis heute katholisch ist. Und katholisch bleiben soll.
Nur wenn man dem Islam nicht mit Atheismus und plattem Materialismus begegnet, wird man die Islamisierung Spaniens, ja des ganzen Abendlandes aufhalten können.
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