Die Revolution war angekündigt, die Polizei mobilisiert, die Innenstadt vorbereitet. Bis zu 15.000 Demonstranten sollten am Samstag Köln in einen Schauplatz des großen Gen-Z-Aufstands verwandeln. Doch zum Auftakt fanden sich gerade einmal knapp 400 Teilnehmer ein. Der geplante Demonstrationszug wurde schließlich von der Polizei gestoppt, die separat angemeldete Veranstaltung „Antifa regelt“ gleich ganz abgesagt. Ein Lehrstück über die gewaltige Kluft zwischen digitaler Selbstüberschätzung und analoger Wirklichkeit.
Es sollte ein großer Tag für die selbsternannten Weltverbesserer werden. Unter dem Motto „Gen Z regelt“ wollte man in Köln zeigen, dass die junge Generation die Verhältnisse nicht länger hinzunehmen gedenkt. 15.000 Teilnehmer waren angekündigt, die Polizei bereitete sich auf einen Großeinsatz vor, Geschäftsleute sicherten vorsorglich ihre Schaufenster. Mancher dürfte schon Bilder von französischen Straßenschlachten vor Augen gehabt haben.
Dann kam der Samstag. Und mit ihm die ernüchternde Begegnung mit der Realität.
Der WDR meldete zum Auftakt gerade einmal 400 bis 500 Teilnehmer, wobei da die zahlreichen Besucher vom Land, die am Samstag die Innenstadt zum Shoppen fluten schon mitgerechnet waren. Das waren nicht einmal drei Prozent der angekündigten 15.000. Während im Internet offenbar mühelos fünfstellige Zahlen zusammenkamen, erwies sich der Weg vom Smartphone auf die Straße als erstaunlich beschwerlich. Die Revolution hatte offensichtlich ein Motivationsproblem.
„Antifa“ kriegt gar nichts geregelt
Besonders hübsch: Wegen der erwarteten Menschenmassen war die Veranstaltung zuvor eigens vom Heumarkt ans Rheinufer verlegt worden. Der ursprüngliche Platz schien für die angekündigten 15.000 zu klein. Am Ende hätte man sich angesichts der anfänglichen Beteiligung wohl auch mit dem winzigen Willi-Ostermann-Platz in der Kölner Altstadt begnügen können.
Dabei war die Stadt auf einiges vorbereitet. Polizeikräfte standen bereit, Händler hatten sich auf mögliche Ausschreitungen eingestellt. Was zunächst fehlte, waren ausgerechnet jene Menschenmassen, vor denen man sich gefürchtet hatte. Auch die Antifa sorgte für eine Überraschung. Eine separat angemeldete Demonstration unter dem selbstbewussten Motto „Antifa regelt“ wurde vom Anmelder kurzfristig abgesagt. Über die Gründe ist bislang nichts Belastbares bekannt. Böse Zungen vermuten, dass das NRW-Familienministerium die Besoldung für die Teilnahme an den Randalen kurzfristig abgesagt hat. Aber schon die Kombination der beiden Nachrichten besitzt einen gewissen unfreiwilligen Humor: Die einen wollen alles regeln und bringen zunächst kaum jemanden auf die Straße, die anderen nennen ihre Veranstaltung gleich „Antifa regelt“ – und sagen sie ab.
Wer 15.000 Menschen ankündigt und zum Auftakt nur einen kleinen Bruchteil davon mobilisiert, hat ein Glaubwürdigkeitsproblem. Zumal sich die Initiative ausdrücklich als Stimme einer Generation präsentiert, die angeblich nicht länger schweigen will. Vielleicht liegt darin die eigentliche Botschaft dieses Kölner Samstags. Zwischen den großen politischen Gesten in den sozialen Netzwerken und der Bereitschaft, dafür tatsächlich das Haus zu verlassen, liegen bisweilen Welten.
„Gen Z regelt“? In Köln regelte zunächst vor allem die Realität die Erwartungen herunter.
Update: 17.41
Inzwischen haben sich nun doch mehrere Tausend Menschen zu einer Demonstration von „Gen Z regelt“ am Konrad-Adenauer-Ufer versammelt. Die Polizei setzte inzwischen einen Wasserwerfer ein. Nach Angaben des NRW-Innenministeriums richtete sich der Einsatz gegen gewaltbereite Demonstranten, die den Kundgebungsort verlassen wollten. (Videoquelle: Facebook)
***
PP ist auf Ihre Unterstützung angewiesen.
Hier mit einem Klick:
Oder per Überweisung auf
David Berger, IBAN: DE44 1001 0178 9608 9210 41 – BIC REVODEB2 – Stichwort: Schenkung
ÜBERWEISUNG (Stichwort: Schenkung)
Entdecke mehr von Philosophia Perennis
Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.








