Romtreue Traditionalisten vom Vatikan ausgesperrt: Enttäuschung, Wut und Trauer bei den Pilgern

(David Berger) Erst wurde ihnen die heilige Messe im Petersdom verweigert, dann sogar der bereits genehmigte Einzug in die Basilika untersagt. Schließlich musste auch die feierliche Pontifikalmesse in Santa Maria Maggiore erheblich eingeschränkt werden. Die diesjährige Wallfahrt traditionsverbundener Katholiken nach Rom geriet zu einer Demonstration vatikanischer Härte gegenüber Gläubigen, die nichts anderes wollen, als ihrem Glauben und dem Papst treu zu bleiben. Ich war selbst vor Ort und habe die Fassungslosigkeit vieler Teilnehmer unmittelbar miterlebt.

Was sich an diesem Wochenende in Rom abspielte, dürfte vielen Teilnehmern der traditionellen Wallfahrt Ad Petri Sedem noch lange in Erinnerung bleiben. Nicht wegen eines besonders feierlichen Gottesdienstes, einer bewegenden Predigt oder der Begegnung mit Glaubensbrüdern aus aller Welt, sondern wegen einer Reihe vatikanischer Entscheidungen, die bei zahlreichen Pilgern Enttäuschung, Wut und tiefe Trauer auslösten. Ich war selbst in Rom dabei, habe mit Teilnehmern gesprochen, ihre Reaktionen erlebt und konnte mich des Eindrucks nicht erwehren, dass hier ausgerechnet jene Katholiken eine besonders schroffe Behandlung erfahren, die ihre Treue zum Papst und zur römischen Kirche ausdrücklich zum Mittelpunkt ihrer Wallfahrt gemacht haben.

Dabei handelt es sich keineswegs um eine Veranstaltung der Priesterbruderschaft St. Pius X., wie Außenstehende gelegentlich vermuten. Die Pilger gehören vielmehr jenem traditionsverbundenen katholischen Milieu an, das sich bewusst innerhalb der kirchlichen Strukturen bewegt, die Autorität des Papstes anerkennt und an der überlieferten Liturgie festhält. Seit 15 Jahren kommen diese Gläubigen zu ihrer Wallfahrt nach Rom. Dass ihnen ausgerechnet im Zentrum der katholischen Christenheit nun immer neue Hindernisse in den Weg gelegt wurden, empfanden viele als kaum noch nachvollziehbare Zurückweisung.

Erst die Messe verboten, dann auch der Einzug

Die Vorgeschichte macht das Geschehen besonders bemerkenswert. Bereits im Dezember vergangenen Jahres hatte Bischof Athanasius Schneider Papst Leo XIV. persönlich ein Schreiben überreicht, mit dem die Organisatoren um die Erlaubnis baten, auch in diesem Jahr die traditionelle Messe im Petersdom feiern zu dürfen. Eine Antwort blieb monatelang aus. Erst im August teilte das vatikanische Staatssekretariat mit, dass eine solche Messfeier nicht stattfinden könne. Die Organisatoren akzeptierten diese Entscheidung und machten öffentlich bekannt, dass es in diesem Jahr keine traditionelle Messe im Petersdom geben werde. Stattdessen war vorgesehen, dass die Pilger am Samstag um 13 Uhr feierlich in den Vatikan einziehen und anschließend um 15 Uhr in der Basilika Santa Maria Maggiore an einer Pontifikalmesse teilnehmen sollten. Die Genehmigung für den Einzug war bereits im April 2026 erteilt worden.

Doch selbst diese bescheidene Lösung sollte offenbar keinen Bestand haben. Im September wurde für den Samstag um 15.30 Uhr eine andere Veranstaltung am Kathedra-Altar des Petersdoms angekündigt – ausgerechnet an jenem Altar, an dem die traditionsverbundenen Pilger im vergangenen Jahr noch ihre Messe feiern konnten. Eine zeitliche Kollision mit dem Einzug und der kurzen Andacht an der Confessio, die spätestens um 12.30 zuende gewesen wäre, hätte es freilich nicht gegeben.

Kurz vor Beginn der Wallfahrt folgte dann die nächste Hiobsbotschaft: Nach Angaben aus dem Umfeld der Organisatoren erreichte sie ein weiteres Schreiben des Staatssekretariats, wonach nun auch der bereits genehmigte Einzug in den Vatikan untersagt sei. Bemerkenswert ist dabei die Zuständigkeit: Für die liturgischen Veranstaltungen im Petersdom sind normalerweise der Erzpriester der Basilika und die Dombauhütte von St. Peter verantwortlich. Weshalb das Staatssekretariat hier wiederholt eingriff, bleibt erklärungsbedürftig, könnte aber andeuten, dass es sich dabei um eine Entscheidung an höchster Stelle handelt.

Am Obelisken war die Brandmauer

Am Samstag zogen die Pilger dennoch betend durch die Straßen Roms, begleitet von der italienischen Staatspolizei. Doch am Obelisken auf dem Petersplatz war Schluss. Dort, an der Grenze zum vatikanischen Hoheitsbereich, wurde der weitere Einzug unterbunden. Es war ein bedrückender Anblick. Katholiken, die aus verschiedenen Ländern nach Rom gereist waren, um ihren Glauben zu bekennen und ihre Verbundenheit mit dem Nachfolger Petri zum Ausdruck zu bringen, durften nicht einmal mehr in der ursprünglich genehmigten Form ihr Ziel erreichen. Keine Demonstranten gegen den Papst, keine kirchlichen Rebellen, sondern Gläubige, die betend zum Grab des Apostelfürsten ziehen wollten.

Wer vor Ort war, konnte spüren, wie tief diese Entscheidung viele Menschen traf. In Gesprächen begegneten mir nicht nur Empörung und Unverständnis, sondern vor allem Traurigkeit. Manche Teilnehmer reagierten fassungslos auf die immer neuen Einschränkungen. Andere fragten sich, weshalb ausgerechnet die Treue zur überlieferten Liturgie offenbar genügt, um im Vatikan als unerwünscht zu gelten. Die auf X kursierenden Memes und mit KI erstellten Bilder (Bild r.) sind Ausdruck dieses Entsetzens…

Auch in Santa Maria Maggiore neue Einschränkungen

Damit war die Geschichte noch nicht zu Ende. Auch die Ausweichlösung in Santa Maria Maggiore wurde kurzfristig verändert. Den Organisatoren wurde mitgeteilt, dass ihnen die Basilika nur noch für eine Stunde zur Verfügung stehe. Eine feierliche Pontifikalmesse, wie sie ursprünglich vorgesehen und genehmigt war, ließ sich unter diesen Bedingungen nicht mehr durchführen. Stattdessen musste Bischof Schneider die heilige Messe in der schlichteren Form einer Stillmesse feiern.

Zusätzlich wurde den Veranstaltern nach deren Angaben untersagt, offizielle Fotografien anzufertigen. Auch diese Maßnahme fügte sich für viele Pilger in das Bild einer Veranstaltung, die offenbar möglichst wenig öffentliche Sichtbarkeit erhalten sollte. Welche konkreten Gründe die Verantwortlichen für die Einschränkungen hatten, ist bislang nicht hinreichend geklärt.

Gerade deshalb drängen sich Fragen auf: Warum wurden bereits erteilte Genehmigungen kurzfristig zurückgenommen? Weshalb durfte eine seit Jahren stattfindende Wallfahrt nicht einmal mehr wie geplant in den Petersdom einziehen? Und warum musste schließlich auch die Messfeier in Santa Maria Maggiore reduziert werden?

Bischof Schneider: Keine Bitterkeit trotz Zurückweisung

Umso bemerkenswerter war die Haltung von Bischof Athanasius Schneider. In seiner Predigt in Santa Maria Maggiore, die wir hier in eigener Übersetzung veröffentlicht haben, verteidigte der Weihbischof von Astana mit eindringlichen Worten die überlieferte römische Liturgie und sprach zugleich die wachsende Entfremdung vieler traditionsverbundener Katholiken von der kirchlichen Führung an. Besonders junge Gläubige hätten zunehmend den Eindruck, als Katholiken zweiter Klasse behandelt zu werden. Dennoch, so Schneider, hegten sie keine Bitterkeit.

Dieser Gedanke bildete einen bewegenden Kontrast zu den Ereignissen des Tages. Während die vatikanischen Behörden den Pilgern eine Tür nach der anderen verschlossen, rief der Bischof sie dazu auf, an ihrer Liebe zur Kirche festzuhalten. Keine Auflehnung, kein Bruch mit Rom, sondern die Bitte, in der Kirche jene Heimat finden zu dürfen, die ihnen durch Taufe, Glauben und Tradition längst gehört. Er schloss mit einem Gebet für die liturgische Einheit des Ordentlichen und Außerordentlichen sowie für die Befreiung des Alten Ritus:

„O Maria, Mutter Gottes, o Salus Populi Romani, o Königin des Friedens! Bringe uns den Ölzweig aus der Hand des Jesuskindes, der uns das Kommen des liturgischen Friedens verkündet – jenes Friedens, der den vollständigen und freien Gebrauch des überlieferten römischen Ritus gewährleisten wird.“

Man muss sich die Absurdität dieser Situation vor Augen führen: Eine Wallfahrt, die ihre Verbundenheit mit dem Apostolischen Stuhl schon im Namen trägt, wird daran gehindert, in der vorgesehenen Weise in den Petersdom einzuziehen. Katholiken, die ausdrücklich in Gemeinschaft mit dem Papst stehen wollen, erleben die vatikanischen Behörden als jene Instanz, die ihnen den Zugang erschwert.

Wie lange will Rom diese Gläubigen noch vor den Kopf stoßen?

Natürlich ist zwischen den Entscheidungen einzelner vatikanischer Behörden und dem persönlichen Willen Papst Leos XIV. zu unterscheiden. Ob und in welchem Umfang der Papst selbst über die kurzfristigen Einschränkungen informiert war, ist nicht bekannt. Doch auch das entbindet die Verantwortlichen nicht von der Pflicht, ihr Vorgehen zu erklären. Gerade weil Bischof Schneider das ursprüngliche Gesuch persönlich dem Papst übergeben hatte, wird die Frage nach der Verantwortung der kirchlichen Führung kaum verstummen.

Die Ereignisse werfen zudem ein bezeichnendes Licht auf den Umgang mit innerkirchlicher Vielfalt. Während in der katholischen Kirche immer wieder von Offenheit, Dialog, Zuhören und Synodalität gesprochen wird, erleben traditionsverbundene Gläubige in der Praxis häufig das Gegenteil. Ihre liturgische Heimat wird eingeschränkt, ihre Anliegen bleiben unbeantwortet, selbst längst genehmigte Veranstaltungen stehen plötzlich wieder zur Disposition. Peter Kwasniewski dazu: „Solch absurde und geradezu beleidigende Maßnahmen haben absehbare Folgen: Sie lassen den Vatikan verzweifelt und realitätsfern erscheinen, entfremden und radikalisieren die Traditionalisten und liefern der Piusbruderschaft zusätzliche Argumente für ihre Position. Sollte es das Ziel des Vatikans sein, die Spaltung, Polarisierung und Verbitterung innerhalb der Kirche weiter zu vertiefen und zugleich das Feuer des traditionalistischen Widerstands zusätzlich anzufachen, dann hat man diese Aufgabe mit Bravour erfüllt!“

Was ich an diesem Wochenende in Rom gesehen und gehört habe, lässt sich jedenfalls nicht mit der üblichen Behauptung abtun, die Anhänger der traditionellen Messe seien eine kleine Gruppe unzufriedener Nostalgiker. Unter den Pilgern waren viele junge Menschen, Familien und Gläubige, für die die überlieferte Liturgie keine historische Liebhaberei, sondern lebendiger Ausdruck ihres katholischen Glaubens ist. Sie wollen keine andere Kirche gründen. Sie wollen nicht gegen den Papst kämpfen. Sie wollen schlicht katholisch sein und in jener Liturgie beten dürfen, die über viele Jahrhunderte das geistliche Leben der römischen Kirche geprägt hat. Am Ende bleibt deshalb eine bittere Frage: Was muss ein Katholik heute eigentlich noch tun, um in Rom willkommen zu sein – außer auf die überlieferte Liturgie zu verzichten?

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David Berger
David Bergerhttps://philosophia-perennis.com/
David Berger (Jg. 1968) war nach Promotion (Dr. phil.) und Habilitation (Dr. theol.) viele Jahre Professor im Vatikan. Zahlreiche Veröffentlichungen zur Philosophie und Theologie des Mittelalters. Seit 2016 Blogger (philosophia-perennis) und freier Journalist (u.a. für die Die Zeit, Junge Freiheit, The European).

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