Kulturstaatsminister Wolfram Weimer hat die 85 Gewinner des Deutschen Verlagspreises 2026 bekanntgegeben. Darunter befinden sich vor allem Verlage, deren Programme ausdrücklich von linker Theorie, Antifaschismus, Feminismus, Queerpolitik oder postkolonialen Konzepten geprägt sind. Der Minister, der kulturpolitisch andere Akzente setzen wollte, führt damit eine millionenschwere staatliche Förderung fort, von der erneut ausgesprochen links bis linksextrem profilierte Häuser profitieren.
Wolfram Weimer spricht gerne von Vielfalt. Bei der Bekanntgabe der Gewinner des Deutschen Verlagspreises erklärte der Kulturstaatsminister, eine „vielfältige Buchkultur“ brauche unabhängige und innovative Verlage. Auf der Internetseite des Preises heißt es noch grundsätzlicher, Verlage brächten Stimmen in die öffentliche Debatte, die andernfalls ungehört blieben. Das Motto: „gegen Monokultur, für Vielfalt“. Gefördert werde der „produktive Dissens, den eine Demokratie braucht“.
Ein Blick auf die Preisträger zeigt, was unter dieser Vielfalt verstanden wird. 85 Verlage hat Weimer am 25. September als Gewinner bekanntgegeben. 79 erhalten jeweils 18.000 Euro, drei Spitzenpreisträger jeweils 50.000 Euro, Nachhaltigkeits- und Innovationspreis sind mit jeweils 24.000 Euro ausgestattet. Ein Verlag erhält ein undotiertes Gütesiegel. Insgesamt fließen damit 1,62 Millionen Euro an Preisgeldern. Welche Verlage die höheren Preise bekommen und welches Haus lediglich das undotierte Gütesiegel erhält, wird am 9. Oktober bekanntgegeben. Sicher ist bereits jetzt: Assoziation A, Schmetterling Verlag, Querverlag, Orlanda, Neofelis und Kunstmann gehören zu den ausgezeichneten Häusern.
Assoziation A: linke Theorie und Antifaschismus
Besonders aufschlussreich ist Assoziation A. Der Verlag entstand aus der Libertären Assoziation und dem Verlag der Buchläden Schwarze Risse/Rote Straße. Seine Geschichte führt unmittelbar in die libertäre und linksradikale Verlagslandschaft. Linke Theorie, soziale Bewegungen, Antifaschismus, Migration und Antirassismus gehören zu seinen programmatischen Schwerpunkten. Assoziation A steht damit nicht zufällig auf der Liste politisch einschlägiger Verlage. Seine eigene Geschichte reicht zurück in die antiautoritäre Revolte von 1968; Anarchismus, Rätekommunismus und andere Strömungen der radikalen Linken gehören zum historischen Hintergrund des Hauses.
2026 zeichnet Weimers Kulturbehörde diesen Verlag nun mit dem Deutschen Verlagspreis aus. Schon 2024 hatte Assoziation A den Preis erhalten. Damit nicht genug: Assoziation A steht zugleich auf der Shortlist des Berliner Verlagspreises 2026 – gemeinsam unter anderem mit Neofelis, SUKULTUR und dem Verbrecher Verlag (sic!).
Beim Stuttgarter Schmetterling Verlag muss ebenfalls niemand lange nach der politischen Ausrichtung suchen. Seine Reihe „theorie.org“ versteht sich als Einführung in linke Theorie. Kapitalismuskritik, Sozialismus, Anarchismus, feministische Theorie und Antifa gehören zum Programm. Selbstverständlich darf ein privater Verlag Marxisten, Anarchisten oder Antikapitalisten publizieren. Die politische Frage beginnt dort, wo der Staat solche Verlage mit dem Geld der Steuerzahler auszeichnet. Auch der Schmetterling Verlag gehört 2026 zu Weimers Preisträgern.
Queer, feministisch, postkolonial
Weiter geht es mit dem Querverlag, der sich selbst als ersten lesbisch-schwulen Buchverlag Deutschlands bezeichnet und seit Jahrzehnten entsprechende Literatur veröffentlicht. Orlanda besitzt ein dezidiert feministisches Profil. Frauen, Queerpolitik, Intersektionalität, postkoloniale Perspektiven und gesellschaftliche Transformation prägen das Programm. Der Verlag wurde bereits 2021, 2022 und 2024 mit dem Deutschen Verlagspreis bedacht und steht 2026 erneut auf der Liste.
Neofelis nennt als besonderes Anliegen eine „gerechte, interkulturelle und (post-)migrantische Gesellschaft“. Sexismus, Rassismus und Kolonialismus gehören zu seinen programmatischen Themen; Gender und Queer Studies besitzen einen eigenen Stellenwert im Verlagsprogramm. Auffällig ist auch eine weitere Überschneidung: Bei den Linken Buchtagen Berlin 2026 präsentieren gleich sechs der nun mit dem Deutschen Verlagspreis ausgezeichneten Häuser ihre Bücher: Assoziation A, Dağyeli, Gans, Neofelis, Orlanda und Schmetterling. (linkebuchtage.de) Hinzu kommen weitere Preisträger mit einschlägigen Programmbereichen. Merve entstammt historisch einem neomarxistischen Kollektiv; zu Klampen führt die „Kritische Theorie“ als eigenen Programmschwerpunkt.
Niemand muss deshalb sämtliche 85 Preisträger zu linken Verlagen erklären. Das wäre schon deshalb unsinnig, weil sich darunter auch Kinderbuch-, Literatur-, Kunst-, Wissenschafts-, Musik- und Regionalverlage befinden. Auffällig ist etwas anderes: Wo unter den Preisträgern ein deutliches weltanschauliches Profil hervortritt, begegnet man erstaunlich häufig der bekannten Begriffswelt von linker Theorie, Antifaschismus, Feminismus, Queer, Intersektionalität, Postkolonialismus und gesellschaftlicher Transformation. Eine vergleichbar sichtbare Gruppe ausdrücklich konservativer oder christlicher Verlage sucht man auf der Liste vergeblich.
Millionen für die „Vielfalt“
Damit sind wir bei Wolfram Weimer. Der Kulturstaatsminister erklärt selbst, der Verlagspreis richte sich „gegen Monokultur“ und stehe für jenen „produktiven Dissens“, den eine Demokratie brauche. Genau an diesem Anspruch muss sich die Vergabe messen lassen. Denn Vielfalt müsste auch geistige und weltanschauliche Vielfalt bedeuten. Wo sind unter den entsprechend profilierten Preisträgern die Verlage, die sich programmatisch dem Christentum, dem Konservatismus oder der europäischen Geistestradition verpflichtet wissen? Wo sind die Gegenstimmen zu Feminismus, Queerpolitik, Postkolonialismus und linker Gesellschaftstheorie?
Stattdessen fließen 2026 insgesamt 1,62 Millionen Euro Preisgelder, und erneut befinden sich unter den Begünstigten Häuser, deren linkes oder progressives Profil sie selbst offen dokumentieren. Dabei ist der Deutsche Verlagspreis keine Erfindung Weimers. Er wurde 2019 unter Kulturstaatsministerin Monika Grütters eingeführt und anschließend unter Claudia Roth fortgesetzt. Doch 2026 heißt der zuständige Kulturstaatsminister nicht Roth, sondern Wolfram Weimer. Er trägt damit die politische Verantwortung für die diesjährige Vergabe.
Gerade das macht die Sache brisant. Mit Weimers Amtsantritt verband sich die Erwartung, nach den Jahren grüner Kulturpolitik wenigstens einige andere Akzente zu erkennen. Beim Deutschen Verlagspreis ist davon wenig zu sehen. Die Fördermaschinerie läuft weiter, und unter ihren Nutznießern finden sich erneut Verlage aus einem politischen und kulturellen Milieu, das im staatlich geförderten Kulturbetrieb ohnehin alles andere als unterrepräsentiert ist.
Wo bleibt der Dissens, Herr Weimer?
Niemand hindert Assoziation A daran, linke Theorie und Antifaschismus zu propagieren. Niemand hindert Schmetterling daran, Anarchismus, Sozialismus und Kapitalismuskritik zu verlegen. Niemand hindert Querverlag, Orlanda oder Neofelis daran, queerpolitische, feministische oder postkoloniale Bücher auf den Markt zu bringen. Aber warum muss der Steuerzahler diese Verlage auszeichnen und finanzieren?
Diese Frage lässt sich nicht mit dem Wort „Vielfalt“ erledigen. Gerade wer staatliche Kulturförderung mit dem Kampf gegen „Monokultur“ und mit „produktivem Dissens“ begründet, muss erklären können, weshalb die öffentlich ausgezeichnete Vielfalt so häufig in eine bestimmte weltanschauliche Richtung weist. Wolfram Weimer wollte für einen anderen kulturpolitischen Ton stehen. Nun zeichnet sein Haus linke, queer-feministische und postkolonial profilierte Verlage aus und verteilt insgesamt 1,62 Millionen Euro. Der Kulturstaatsminister spricht vom Kampf gegen die Monokultur. Aber dieses Wort scheint genauso verlässlich wie das Verspechen seines Kumpels Merz, der versprach: „Links ist vorbei!“
***
Wir verzichten auf Paywall und aufdringliche Pop-Ups – Bitte vergessen Sie uns trotzdem nicht: Ohne Ihre Hilfe kann hier kein einziger Satz erscheinen:
Oder per Überweisung auf
David Berger, IBAN: DE44 1001 0178 9608 9210 41 – BIC REVODEB2 – Stichwort: Schenkung
ÜBERWEISUNG (Stichwort: Schenkung)
Entdecke mehr von Philosophia Perennis
Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.








