
Einen Tag vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt richtete der Publizist Matthias Matussek einen ungewöhnlich eindringlichen Appell an die Wähler. Seine Botschaft: Demokratie müsse die Möglichkeit eines wirklichen Machtwechsels einschließen. Eine starke AfD in Sachsen-Anhalt könne deshalb weit über das Bundesland hinaus politische Folgen haben.
Unter der schlichten Überschrift „Lieber Wähler“ wendet sich Matthias Matussek in der Schweizer Weltwoche unmittelbar an die Bürger Sachsen-Anhalts. Sie hätten am Sonntag die Möglichkeit zu zeigen, „dass Sie der Souverän im Land sind, und nicht die zwei Dutzend entkoppelter Parteibonzen und Karrierepolitiker, die sich unseren Staat zur Beute gemacht haben“.
Matusseks zentraler Gedanke ist ebenso einfach wie grundsätzlich: „Demokratie heisst Wechsel, heisst Alternative.“ Genau diese Möglichkeit sieht er durch das Zusammenwirken der etablierten Parteien zunehmend gefährdet. In gewohnt drastischer Sprache spricht er von einem „Machtkartell der Altparteien“ und einer neuen politischen Mauer, die gegen tatsächliche Veränderung errichtet worden sei.
„Wir holen uns unser Land zurück.“
Besonders scharf rechnet der frühere Spiegel- und Welt-Journalist mit der Migrationspolitik seit Angela Merkel ab. Deutschland sei damals „schutzlos einer ungeregelten Immigration“ ausgeliefert worden. Matussek verweist auf Messergewalt, Gruppenvergewaltigungen, islamistische Gewalt und die Veränderungen an Schulen und im öffentlichen Raum. Entsprechend positiv bewertet er das Wahlkampfmotto des AfD-Spitzenkandidaten Ulrich Siegmund: „Wir holen uns unser Land zurück.“ Wer einen solchen Wunsch äußere, so Matussek, sei bislang schnell als „Nazi“ oder – auch von Kirchenvertretern – als „Menschenfeind“ abgestempelt worden. Doch Migration ist für Matussek nur ein Teil einer größeren politischen Abrechnung. Er kritisiert ebenso die deutsche Klima- und Energiepolitik, die seiner Ansicht nach Industrie und Arbeitsplätze aus dem Land treibt, sowie eine auf militärische Konfrontation mit Russland ausgerichtete Politik.
Am Ende kehrt Matussek zu demjenigen zurück, um den es am Sonntag tatsächlich geht: zum Wähler. Dessen Stimme könne in Sachsen-Anhalt eine „riesige Hebelwirkung für den Rest der Republik“ entfalten. Ein Machtwechsel würde zeigen, „dass Wählen – auch wenn es nur alle vier, fünf Jahre ist – noch funktioniert“. Sein letzter Satz ist entsprechend unmissverständlich: „Bitte nutzen Sie Ihre Chance!“
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