(David Berger) Castel Gandolfo gilt seit Jahrhunderten als ein idyllischer Rückzugsort für die Päpste über dem Lago Albano. Der folgende Beitrag geht auf einen Besuch des Ortes am Karsamstag zurück und führt durch die lange verschlossenen Räume des Apostolischer Palast von Castel Gandolfo, zeichnet die Spuren großer Pontifikate nach – und wirft zugleich einen kritischen Blick auf die tiefgreifenden Veränderungen unter Papst Franziskus, der den Ort verachtete. Ein Reisebericht über einen Ort, der fasziniert und sich tief ins Gedächtnis einprägt.
Die Ankunft in Castel Gandolfo, meist an dem unterhalb des Ortes gelegenen kleinen Bahnhof, fühlt sich an wie ein stiller Schritt aus der Zeit, zumal wenn man gerade aus dem quirligen, nicht selten überlauten Rom angereist ist. Hoch über dem dunkel-glitzernden Lago Albano gelegen, entfaltet sich hier ein Ort, der gleichermaßen spirituelle Rückzugsoase, historisches Machtzentrum und überraschend zugängliches Reiseziel ist.
Schon beim Betreten der kleinen Altstadt fällt die besondere Atmosphäre auf: enge Gassen, warme Steinfassaden und immer wieder Ausblicke auf den tiefblauen Kratersee. Das Herzstück ist der Apostolische Palast von Castel Gandolfo, jahrhundertelang Sommerresidenz der Päpste. Erst seit wenigen Jahren sind große Teile davon öffentlich zugänglich – ein Schritt, der dem Ort eine neue Offenheit verleiht.
„An dem die Schönheit der Schöpfung den Geist zum Gebet erhebt“
Papst Johannes Paul II. soll diesen Ort besonders geliebt haben. Von ihm stammt das oft zitierte Wort, Castel Gandolfo sei „wie ein zweites Zuhause, wo die Seele zur Ruhe kommt“. Tatsächlich kann man sich leicht vorstellen, wie er hier durch die Gärten ging, fernab der intensiven Öffentlichkeit des Vatikans. Die Gärten selbst, die Päpstlichen Gärten von Castel Gandolfo, sind ein Erlebnis für sich: kunstvoll angelegte Terrassen, antike Ruinen und gepflegte Alleen verbinden Natur mit Geschichte. Unter der Oberfläche schlummern sogar Überreste der Villa des römischen Kaisers Domitian – ein faszinierender Hinweis darauf, dass dieser Ort schon lange vor der Kirche als Rückzugsort geschätzt wurde.
Papst Benedikt XVI. beschrieb Castel Gandolfo einmal als einen Platz, „an dem die Schönheit der Schöpfung den Geist zum Gebet erhebt“. Diese Verbindung von Landschaft und Innerlichkeit ist tatsächlich spürbar: Das Licht, die Stille und die Weite des Blicks schaffen eine fast meditative Stimmung. Interessant ist auch der Wandel unter Papst Franziskus, der bewusst darauf verzichtete, die Sommerresidenz regelmäßig zu nutzen, aber dem es daran gelegen war, das was sein Vorgänger so sehr liebte, zu zerstören.
Prominente Besucher haben sich ebenfalls vom Charme des Ortes beeindruckt gezeigt. Der italienische Regisseur Federico Fellini hat die Gegend als „cinematografisch vollkommen“ beschrieben – und tatsächlich wirkt der Blick über den See bei Sonnenuntergang fast wie eine perfekt inszenierte Filmszene. Heute ist Castel Gandolfo kein abgeschlossener päpstlicher Rückzugsort mehr, sondern ein lebendiger Ort zwischen Geschichte und Gegenwart. Cafés säumen die Piazza, Einheimische plaudern, während Besucher aus aller Welt die besondere Mischung aus Spiritualität und italienischer Leichtigkeit genießen.
Das Schlafzimmer des Papstes
Nicht entgehen lassen sollte man sich gerade deshalb den Besuch des Apostolischen Palasts von Castel Gandolfo. Das Faszinierende: Der Besuch gestaltet sich weniger als ein klassischer Museumsrundgang – und eher wie ein vorsichtiges Betreten vieler Kapitel des Papst- und Kirchengeschichte bis in unsere Zeit.
Schon der Eingang wirkt überraschend schlicht. Keine übertriebene Pracht, sondern eine fast nüchterne Würde. Genau das macht den Reiz aus: Man bewegt sich durch Räume, die jahrhundertelang nicht für die Öffentlichkeit bestimmt waren. Die Stille ist fast greifbar. Der Rundgang beginnt meist mit den privaten Apartments.
Hier zeigt sich eine unerwartete Bescheidenheit. Schlafzimmer, Arbeitszimmer und Kapellen sind funktional, beinahe asketisch eingerichtet. Besonders eindrucksvoll ist das Schlafzimmer, in dem mehrere Päpste ihre letzten Tage verbrachten – darunter Pius XII. und Paul VI.. Man bleibt unweigerlich stehen. Der Raum ist nicht groß, nicht prunkvoll – und genau das verstärkt die Wirkung. Geschichte wirkt hier nicht monumental, sondern sehr menschlich.
Mit dem päpstlichen Aufzug in die repräsentativen Räume
Ein zentraler Teil der Ausstellung ist die Porträtgalerie, die eine visuelle Reise durch die Jahrhunderte bietet. Bevor man diese betritt, sollte man den Blick kurz auf den elektrischen Aufzug, der gekonnt in das Gebäude eingebaut wurde, werfen. Von streng blickenden Renaissancepäpsten bis zu den fotografischen Darstellungen der Moderne entsteht beim Durchgang durch die Papstgalerie ein Eindruck davon, wie sich das Papsttum gewandelt hat. Vor allem die neueren Abschnitte, mit Bildern von Johannes XXIII., Johannes Paul II. und Benedikt XVI., wirken greifbarer.
In den offiziellen Sälen zeigt sich dann doch die repräsentative Seite der Kirche: hohe Decken, schwere Vorhänge, kunstvolle Deckenmalereien. Hier wurden Entscheidungen getroffen, Gäste empfangen, Geschichte geschrieben. Und doch bleibt alles zurückhaltender als im Vatikanische Museen – fast so, als sei dieser Ort bewusst ein Gegenpol zum prunkvollen Zentrum in Rom. Hier ist für alle, die sich für die Geschichte der ältesten Monarchie interessieren, auch die Ausstellung mit (leider) längst abgeschafften Requisiten der päpstlichen Hofhaltung besonders interessant.
Vergessene Erinnerungen an den bayerischen Papst
Besonders deutlich wird diese Zurückhaltung in den Arbeitszimmern des Papstes und seiner Sekretäre, wo noch eine kleine Bayernfahne an die zahlreichen Aufenthalte Papst Benedikts und seiner Sekretäre an diesem wunderbaren Ort erinnert. In dem des Papstes steht, als habe man es dort vergessen das in weißes Leder gebundene „Lexikon für Theologie und Kirche“, ein Geschenk an Papst Benedikt, das er vermutlich hierher in Sicherheit brachte.
Und das seinem Nachfolger, der bekannterweise kein Freund der Wissenschaft und schon gar nicht der Theologie war, nicht aufgefallen ist. Sonst wäre es vermutlich auch dem Wüten Bergoglios zum Opfer gefallen, der bereits den für Papst Benedikt dort angelegten Weingarten zerstören und einebnen ließ: „Dem Bericht zufolge handelte es sich bei der rund 1.000 Quadratmeter großen Pflanzung um ein Geschenk des Bauernverbands Coldiretti in Erinnerung an die Worte Benedikts XVI. nach seiner Wahl zum Papst 2005; damals sagte er, er sei „nur ein einfacher Arbeiter im Weinberg des Herrn“. Auf seinen Wunsch sei der Weingarten in dem päpstlichen Landgut bei Rom nahe einer Statue angelegt worden, die Jesus als Guten Hirten zeigt. Laut „Messagero“ pflegte Benedikt XVI. bei seinen Aufenthalten in Castel Gandolfo zwischen den Reben spazieren zu gehen und zu beten. Es handle sich um einen der „symbolischsten Orte des vorhergehenden Pontifikats“. (Quelle)
Noch immer gibt es wunderschöne Teile der Gärten, die nicht dem Wüten von Papst Franziskus zum Opfer fielen.
Unvergessen: der Blick auf den See
Einer der bewegendsten Teile des Besuchs ist die Ausstellung über die Nutzung des Palastes während des Zweiter Weltkrieg. Unter Pius XII. wurde Castel Gandolfo zu einem Zufluchtsort für Hunderte von Menschen, darunter viele Juden und Geflüchtete. Fotografien, Dokumente und persönliche Gegenstände erzählen von dieser Zeit. Besonders eindrücklich sind Berichte über Kinder, die hier geboren wurden – im Schlafzimmer des Papstes selbst. Dieser Kontrast zwischen Machtzentrum und Schutzraum verleiht dem Ort eine zusätzliche, sehr berührende Dimension.
Am Ende des Rundgangs tritt man hinaus auf eine Terrasse, auf der sogar der Besucher des päpstlichen Palastes sitzen und Tee trinken kann – und plötzlich öffnet sich der Blick über den Lago Albano.
Dieser Moment bleibt hängen. Nach den stillen Räumen, den historischen Lasten und den persönlichen Geschichten wirkt die Landschaft fast wie eine Antwort: weit, ruhig, zeitlos. Ein Besuch im Castel Gandolfo ist keine spektakuläre Inszenierung, sondern ein langsames Erschließen. Die Ausstellungen verzichten weitgehend auf Effekthascherei und lassen stattdessen Räume, Objekte und Geschichten für sich sprechen. Gerade darin liegt die Stärke: Man verlässt den Palast nicht mit einem Gefühl von „alles gesehen“, sondern eher mit dem Eindruck, etwas verstanden zu haben – über Geschichte, besonders des Papsttums, über Macht, aber vor allem über die Schönheit, Geschenk Gottes und Beweis für die Wahrheit der katholischen Religion.
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