Katholische Zeitung macht nach Attentat auf CSD Werbung für islamischen Religionsunterricht

(David Berger) Es gibt Schlagzeilen, bei denen man sich fragt, ob sie Satire sein sollen. Doch leider ist es bitterer Ernst. Kaum erschüttert ein mutmaßlich islamistisch motivierter Terroranschlag Berlin, kaum sind die Opfer noch nicht einmal beerdigt, veröffentlicht ausgerechnet die als konservativ geltende katholische „Tagespost“ einen Beitrag ihres Chefredakteurs Benjamin Leven mit der Botschaft: Deutschland brauche jetzt vor allem islamischen Religionsunterricht.

Man reibt sich die Augen. Ist das Naivität? Realitätsverweigerung? Oder jener kirchliche Reflex, der seit Jahren zuverlässig jede Debatte über den Islam in eine Diskussion über Dialog, Bildung und Prävention umbiegt?

Dabei drängt sich eine viel einfachere Frage auf: Warum wächst der Islamismus überhaupt in einem Land, in dem Millionen Muslime längst leben? Warum haben unzählige Integrations-, Dialog- und Präventionsprogramme die Entwicklung offensichtlich nicht verhindert? Und weshalb soll nun ausgerechnet ein weiterer staatlich organisierter Religionsunterricht das leisten, woran Politik, Sicherheitsbehörden und islamische Verbände seit Jahrzehnten scheitern? Zumal sein Äquivalent auf christlicher Seite seit Jahren komplett versagt.

Der Autor des Beitrags, Chefredakteur der ausgerechnet in der Stadt des letzten Skandal-Kirchentags erscheinenden Zeitung, verweist auf eine Studie der Universität Münster, die belegen soll, dass islamischer Religionsunterricht Jugendliche widerstandsfähiger gegen extremistische Ideologien mache. Das mag gut gemeint sein. Doch gerade diese Quelle wirft Fragen auf. Denn die Universität Münster gehört zu den wichtigsten Zentren des staatlich geförderten Ausbaus islamischer Theologie in Deutschland. Dort werden islamische Theologen und Religionspädagogen ausgebildet, deren künftiges Betätigungsfeld wesentlich vom Ausbau des islamischen Religionsunterrichts an deutschen Schulen abhängt. Wer solche Studien zitiert, sollte deshalb zumindest offenlegen, dass hier nicht nur wissenschaftliche, sondern auch institutionelle Interessen berührt sein können. Es überrascht jedenfalls kaum, wenn ausgerechnet ein Standort, dessen Zukunft eng mit der Etablierung islamischer Religionslehre verknüpft ist, zu einem positiven Ergebnis gelangt.

Islamunterricht als Ausbildungsstätte für Islamisten

Unabhängig davon bleibt das Grundproblem bestehen: Der Islamismus fällt nicht vom Himmel. Er ist keine zufällige Fehlentwicklung einiger verwirrter Jugendlicher. Er beruft sich nicht zu Unrecht ausdrücklich auf religiöse Quellen und auf traditionelle Auslegungen des Islam, die in Teilen der islamischen Gelehrsamkeit über Jahrhunderte vertreten wurden und bis heute weltweit zahllose Anhänger finden. Wer Islam unterrichtet züchtet Islamisten. Genau darüber müsste endlich offen gesprochen werden. Stattdessen wird die Debatte einmal mehr in den pädagogischen Seminarraum verlegt.

Noch befremdlicher ist jedoch, dass diese Botschaft ausgerechnet von einer katholischen Zeitung kommt. Die katholische Kirche erlebt seit Jahrzehnten, wie der eigene Religionsunterricht den Glaubensverlust in Deutschland kaum aufzuhalten vermochte. Die Kirchen leeren sich, der Katechismus ist vielen Getauften fremd geworden, die religiöse Bildung befindet sich in einem dramatischen Zustand. Aber ausgerechnet derselbe Staat soll nun einen islamischen Religionsunterricht organisieren, der den Islamismus besiegt? Das wirkt wie eine Mischung aus Masochismus, Wunschdenken und Funktionärslogik.

Ausgerechnet nach dem islamistischen Anschlag

Vor allem aber offenbart der Zeitpunkt des Beitrags eine bemerkenswerte Prioritätensetzung. Während Bürger nach den Ursachen islamistischer Gewalt fragen, während viele Menschen wissen wollen, warum Terroristen immer wieder unter Berufung auf Allah morden, lautet die Antwort eines katholischen Mediums: mehr islamischer Religionsunterricht. Genau dieses Denken hat unser Land in die Sackgasse geführt. Nach jedem Anschlag heißt es, man müsse noch mehr integrieren, noch mehr dialogisieren, noch mehr pädagogisieren. Die eigentlichen Fragen werden dagegen sorgfältig umgangen: Welche Rolle spielen problematische Inhalte klassischer islamischer Rechts- und Glaubenslehren? Welche Verantwortung tragen Moscheeverbände? Warum werden islamkritische Stimmen häufig schneller moralisch diskreditiert als islamistische Ideologen konsequent in den Blick genommen? Und welchen Anteil hat das Versagen der katholischen Amtskirche in Deutschland an der erfolgreichen Islamisierung unseres Landes?

Eine katholische Zeitung sollte den Mut haben, genau diese Fragen zu stellen. Sie sollte der Wahrheit verpflichtet sein – nicht dem Zeitgeist. Sie sollte sich an der christlichen Tugend der Klugheit orientieren und nicht an den Sprachregelungen eines politischen Milieus, das selbst nach islamistischen Anschlägen vor allem darauf bedacht ist, niemanden zu verärgern.  Wer unmittelbar nach einem islamistischen Attentat statt für einen seriösen katholischen Religionsunterricht in erster Linie für islamischen Religionsunterricht wirbt, sendet deshalb ein fatales Signal. Er vermittelt den Eindruck, als dürfe selbst angesichts von Terror die eigentliche Ursache nicht mehr benannt werden. Das ist keine Aufklärung. Es ist Verdrängung. Und zwar eine, die Vergewaltigungs-, Auto- und Messer-Terror, der unser Land sein Jahren heimsucht, den Weg bereitet hat.

Lepanto

Ich erinnere mich noch gut an meine Jugend: Damals befand sich die Redaktion der „Tagespost“ wenige Meter von der Augustinerkirche entfernt an der Juliuspromenade. Vor den zahlreichen Beichtstühlen der Augustinerkirche warteten stets zahlreiche Gläubige, um das Sakrament der Beichte zu empfangen. Über dem Hochaltar war ein riesiges Gemälde der Seeschlacht von Lepanto.

Heute sind die Beichtstühle mit Holzplatten verrammelt, kein Gläubiger kniet dort mehr und das Lepanto-Gemälde ist mit einem scheußlich bunten Vorhang zugehängt

Ob sich die Redaktion der „Tagespost“ noch dort befindet, weiß ich nicht.

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David Berger
David Bergerhttps://philosophia-perennis.com/
David Berger (Jg. 1968) war nach Promotion (Dr. phil.) und Habilitation (Dr. theol.) viele Jahre Professor im Vatikan. Zahlreiche Veröffentlichungen zur Philosophie und Theologie des Mittelalters. Seit 2016 Blogger (philosophia-perennis) und freier Journalist (u.a. für die Die Zeit, Junge Freiheit, The European).

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