
Die Entscheidung von Jens Spahn und seinem Partner, ein Kind von einer Leihmutter austragen zu lassen, sorgt nun auch innerhalb der CDU für offenen Widerstand. Aus Mecklenburg-Vorpommern kommt eine unmissverständliche Forderung: Spahn soll sein Amt als Vorsitzender der Unionsfraktion niederlegen.
Hat Jens Spahn – ähnlich wie in der Causa Brosius-Gersdorf – die Tragweite seines Handels wieder einmal komplett unterschätzt? Derzeit sieht das so aus. Denn auch der innerparteiliche Druck auf Jens Spahn wächst. Nach einem Bericht der „Bild“-Zeitung fordert die CDU Mecklenburg-Vorpommern seinen Rücktritt als Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion. Anlass ist die Nachricht, dass Spahn und sein Partner Daniel Funke mithilfe einer Leihmutter in den USA Eltern eines Sohnes geworden sind.
CDU-Landeschef Daniel Peters, der zugleich dem Bundesvorstand seiner Partei angehört, wirft Spahn mangelnde Glaubwürdigkeit vor. Ein führender Unionspolitiker besitze eine besondere Vorbildfunktion. Spahns privates Vorgehen stehe jedoch im Widerspruch zur bisherigen Haltung der CDU – und auch zu seinen eigenen früheren Äußerungen.
Denn Leihmutterschaft ist in Deutschland aus gewichtigen ethischen Gründen verboten. Kritiker sehen darin eine Kommerzialisierung des weiblichen Körpers und die Gefahr, dass Kinder zum Gegenstand vertraglicher Vereinbarungen werden. Spahn selbst hatte sich bislang gegen eine Legalisierung ausgesprochen – nahm nun aber im Ausland genau jene Möglichkeit in Anspruch, die deutschen Paaren verwehrt bleibt.
Auch Julius Betschka vom „Stern“ geht davon aus, dass er langsam „wirklich ernst für Jens Spahn“ wird. „So formulieren es mehrere mächtige Abgeordnete. Empörung an der Basis hat die Bundestagsfraktion erreicht … Erwartung, dass Spahn sich bald äußert. Krasse Dynamik drin.“
Wo steht die Union?
Damit geht es längst nicht mehr allein um eine private Familienentscheidung. Im Raum steht zunächst der Vorwurf politischer Doppelmoral: öffentlich Grenzen verteidigen, die man für sich selbst im Ausland umgeht. Für eine Partei, die noch immer das Wort „christlich“ im Namen trägt, berührt der Fall zudem eine grundsätzliche Frage: Ist der Kinderwunsch tatsächlich ein Recht, das den Einsatz einer fremden Frau als „Austragende“ rechtfertigt? Welches Menschenbild steht hinter dem „Kinderkauf“? Sicher nicht das christliche, das die Union freilich ohnehin schon lange an den Nagel gehängt hat.
Hinzukommt, dass es erstaunlich ist, wie viel sich Spahn seit der Corona-Zeit schon leisten konnte, ohne dass dies Konsequenzen hatte. Die Rücktrittsforderung aus Mecklenburg-Vorpommern zeigt nun, dass die Debatte in der Union angekommen ist. Für Spahn wird es zunehmend schwer, sie mit dem Hinweis auf seine Privatsphäre abzutun. Ein Rücktritt Spahns könnte mithelfen, dass sich die moralischen und rechtlichen Grenzen in unserer Gesellschaft nicht noch weiter schrittweise zu verschieben.
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