(David Berger) Neunzig Jahre nach Beginn des Spanischen Bürgerkriegs dominiert in vielen Medien noch immer die alte linke Deutung: Franco als „Verschwörer“, die Volksfront als Verteidigerin der Demokratie. Doch wer über den Mord an Tausenden Priestern, Ordensleuten und gläubigen Christen schweigt, erzählt nur die halbe Geschichte dieses blutigen Kapitels europäischer Geschichte.
Anlässlich des 90. Jahrestages des Ausbruchs des Spanischen Bürgerkriegs veröffentlichte der Tagesspiegel einen Beitrag des Kulturredakteurs Christian Schröder über das neue Buch „Entscheidung in Spanien“ von Paul Ingendaay (FAZ). Im Mittelpunkt stehen dabei bekannte Intellektuelle und Schriftsteller wie Ernest Hemingway, George Orwell und der spätere Bundeskanzler Willy Brandt, die sich mit der republikanischen Seite solidarisierten. Der Artikel folgt dabei weitgehend jener bis heute verbreiteten Deutung des Bürgerkriegs als Kampf der demokratischen Republik gegen die „faschistischen“ Putschisten Francos. Besonders deutlich wird dies in einer Passage, in der Francisco Franco als „Feind der Demokratie“ und als einer der „Verschwörer“ bezeichnet wird, die gegen die Volksfront-Regierung putschten. Gleichzeitig ist von einem „erbitterten Kolonialkrieg“ Spaniens in Marokko die Rede, in dem Franco sich durch besondere Härte hervorgetan habe.
Roter Terror forderte 70.000 Opfer, schlachtete fast 10.000 Priester und Nonnen
Wenn man den Tagesspiegel liest, könnte man den Eindruck gewinnen, der Spanische Bürgerkrieg sei ein einfacher Kampf der Demokratie gegen finstere Reaktionäre gewesen. Auf der einen Seite die gute „Volksfront-Regierung“, auf der anderen Seite der böse General Franco und seine „Verschwörer“. So einfach macht man es sich achtzig Jahre später noch immer.
Dabei verschweigt diese Darstellung einen wesentlichen Teil der historischen Wirklichkeit. Als sich Spanien 1936 in den Bürgerkrieg stürzte, war in den von der Volksfront kontrollierten Gebieten bereits eine beispiellose Verfolgung der katholischen Kirche im Gange. Historiker sprechen von rund 70.000 Opfern des sogenannten „Roten Terrors“. Allein 4.184 Priester wurden ermordet, dazu 2.365 Ordensmänner und 283 Ordensfrauen. Insgesamt verloren mehr als 6.800 Geistliche und Ordensleute ihr Leben – nicht wegen irgendwelcher Straftaten, sondern oftmals allein deshalb, weil sie Priester, Mönche oder Nonnen waren.
Zeitzeugenberichte und historische Untersuchungen dokumentieren zahllose Fälle grausamer Misshandlungen. Kirchen wurden verwüstet, Tabernakel geschändet, Geistliche öffentlich gedemütigt und ermordet. Rund 1.500 Kirchen sollen während dieser Zeit zerstört oder niedergebrannt worden sein. Ganze Ordensgemeinschaften wurden ausgelöscht. Die katholische Kirche spricht bis heute von einer der schwersten Christenverfolgungen des 20. Jahrhunderts.
Jahrhundertelange Versklavung europäischer Christen durch muslimische Piratenstaaten
Von all dem erfährt der Leser in vielen heutigen Medienberichten kaum etwas. Stattdessen erscheint Franco als der „Verschwörer“, der sich gegen eine demokratisch legitimierte Regierung erhob. Dass diese Regierung immer weniger in der Lage war, die öffentliche Ordnung aufrechtzuerhalten, dass revolutionäre Milizen vielerorts die tatsächliche Macht ausübten und dass weite Teile Spaniens im Chaos versanken, wird häufig ausgeblendet.
Ebenso verkürzt ist die Darstellung der spanischen Präsenz in Nordafrika als bloßes koloniales Unterdrückungsprojekt. Jahrhunderte lang hatten die Barbareskenstaaten Nordafrikas die Küsten Europas terrorisiert. Von Spanien über Italien bis nach Frankreich, England und Irland wurden Menschen geraubt und auf den Sklavenmärkten Nordafrikas verkauft. Historiker wie Robert C. Davis gehen davon aus, dass zwischen dem 16. und frühen 19. Jahrhundert etwa 1,25 Millionen Europäer in die Sklaverei verschleppt wurden.
Natürlich war auch die europäische Kolonialpolitik nicht frei von Schuld und Machtinteressen. Aber wer die Geschichte Nordafrikas ausschließlich als Geschichte europäischer Unterdrückung erzählt, verschweigt die jahrhundertelange Versklavung europäischer Christen durch muslimische Piratenstaaten. Auch das gehört zur historischen Wahrheit.
Wirksamste Form der Geschichtsfälschung
Das bedeutet nicht, Franco zu einem Heiligen zu erklären oder jede Maßnahme seines Regimes zu rechtfertigen. Es bedeutet lediglich, Geschichte nicht als ideologisches Moralstück zu erzählen wie das der „Tagesspiegel“ hemmungslos tut. Wer Franco ausschließlich als „Verschwörer“ bezeichnet, gleichzeitig aber über die Ermordung von 4.184 Priestern, 2.365 Ordensmännern, 283 Nonnen sowie zehntausenden weiteren Opfern des linken Terrors schweigt, betreibt alles andere als wissenschaftlich haltbare Geschichtsschreibung.
Der Spanische Bürgerkrieg war eine Tragödie mit Verbrechen auf mehreren Seiten. Wer jedoch die Verfolgung der Kirche, die rund 70.000 Opfer des Roten Terrors und die systematische Zerstörung christlicher Kultur ausblendet, erzählt nicht die ganze Geschichte. Und eine halbe Wahrheit ist oft die wirksamste Form der Geschichtsfälschung.
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