(David Berger) Ausgerechnet im Mekka des Multikulturalismus, dem traditionell migrationspolitisch engagierten Berliner Bezirk Kreuzberg regt sich heftiger Widerstand gegen die Unterbringung von Migranten. Und nein, es sind nicht AfD-Politiker, die hier keine Ausländer haben wollen, sondern „Die Grünen“ von Berlin-Kreuzberg, die eine geplante große Unterkunft für Geflüchtete an der Hasenheide scharf kritisieren.
In der geplanten Einrichtung sollen künftig mehr als 1000 Menschen untergebracht werden, was erhebliche Risiken für das soziale Gefüge des Kiezes mit sich bringe. Nanu, Goldstücke stören auf einmal, wenn man zu viel davon hat?
Der Berliner Senat verteidigt hingegen die Planung. Die Lage an der Hasenheide sei bewusst gewählt worden: Die gute Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr ermögliche den Bewohnerinnen und Bewohnern schnellen Zugang zu Behörden, Bildungsangeboten und Arbeitsmöglichkeiten. Auch die vorhandene soziale Infrastruktur spreche für den Standort. Ob damit die nahe gelegene Hasenheide, einer der wichtigsten Umschlagplätze für Drogen in Berlin gemeint ist? So ein Bericht des „Tagesspiegel“.
Kitas für grüne statt für Migrantenkinder
Die Grünen – auch zahlreiche prominente Grünenpolitiker besitzen inzwischen dort ex20trem teure Eigentumswohnungen – wollen aber offensichtlich, dass ihren Kindern keine Kindergartenplätze usw. von Ausländern weggenommen werden. Ihre Infrastruktur sei bereits stark beansprucht, Schulen, Kitas und soziale Einrichtungen arbeiteten vielerorts an der Belastungsgrenze. Eine zusätzliche große Unterkunft könne die Situation weiter verschärfen und Konflikte im Alltag verstärken.
Sehr deutlich kommt hier die typisch grüne Mentalität zum Vorschein, die sich irgendwo zwischen bipolare Störung und verlogener Scheinheiligkeit auftut. Auf der einen Seite vertreten die Grünen traditionell eine migrationsfreundliche und integrationsorientierte Politik, die Offenheit, Teilhabe und gesellschaftliche Vielfalt betont. Auf der anderen Seite äußern sie nun Vorbehalte gegen eine große Flüchtlingsunterkunft, sobald diese im eigenen Bezirk angesiedelt werden soll. So ganz nach dem St.-Florians-Prinzip: „Verschon mein Haus, zünd andere an.“
„Not in my backyard“-Effekt
Während Migration und Aufnahmebereitschaft auf übergeordneter Ebene befürwortet werden und jeder, der daran Kritik übt, sich als Unmensch und Nazi beschimpfen lassen muss, zeigt sich vor Ort eine enorme Skepsis gegenüber den praktischen Folgen, die sonst gerne geleugnet oder bagatellisiert werden, wenn es um andere Betroffene geht. Dieses Spannungsfeld wird in der Politikwissenschaft als klassischer „Not in my backyard“-Effekt beschrieben, bei dem eine fundamentalistisch vorgetragene Politik auf einmal kritisch gesehen wird, sobald sie konkret im eigenen Umfeld umgesetzt werden soll.
Man fragt sich: Wenn selbst ein vielfältiger und urbaner Bezirk wie Kreuzberg Überforderung geltend macht, wie tragfähig sind dann ähnliche Modelle in weniger privilegierten oder weniger diversen Regionen?
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