Der Missbrauch mit dem Missbrauch

"Euch ist das Leid der Kinder völlig egal!"

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(David Berger) Die Kampagne gegen Kardinal Woelki war durch ein in Deutschland immer mehr um sich greifendes übles Phänomen geprägt: Der Missbrauch wird missbraucht, um (kirchen-)politische Gegner loszuwerden. Das Leid der Kinder ist den Zweittätern aus Politik und Medien völlig egal, ja kommt ihnen gerade recht, um ihrer bösen Agenda damit Auftrieb zu verleihen. Schämt euch!

(c) David Berger

Die Empörung war weltweit groß, als deutsche Medien einen vermeintlichen Skandal enthüllten:

Einer der mächtigsten Kirchenmänner der katholischen Kirche, Kardinal Rainer Maria Woelki, halte ein Gutachten zurück, das die kirchlichen Missbrauchsfälle in seinem Bistum aufklären soll. Woelki sei nicht mehr tragbar, solle schleunigst zurücktreten.

So das künstlich sich empörende Geschrei selbst von Medien, die noch vor wenigen Jahrzehnten keine Scheu hatten, linksgrünen Pädosexuellen eine eigene Seite in ihrer Zeitung einzuräumen, in der diese ihre gesellschaftliche Anerkennung fordern konnten. Aber auch von Mitbrüdern im bischöflichen Amt bekam man ähnliche Töne zu hören – auch von solchen, die in solch einem Zusammenhang den Mund vielleicht nicht zu voll nehmen sollten.

Woelki handelte völlig korrekt – ihm ging es um die Opfer

Spätestens seit heute wissen wir: Woelki verfuhr bei seiner Weigerung das erste Gutachten zu veröffentlichen juristisch und moralisch völlig korrekt.

Der Kölner Jurist Ralf Höcker bemerkt auf Facebook (!) dazu: „Warum haben wir dem Erzbistum Köln dringend geraten, das erste Missbrauchsgutachten nicht zu veröffentlichen und es von Profis neu machen zu lassen? Weil Kardinal Woelki und wir finden, dass Taten von Sexualstraftätern vertuscht werden sollten? Ernsthaft?

Die Presse versucht seit Monaten wider besseres Wissen genau diesen falschen Eindruck zu erwecken, denn das ist halt die griffigere Geschichte, die klassische Klischees aufgreift und jedem sofort „einleuchtet“. Aus persönlichen Gesprächen mit zahlreichen Kölner Katholiken weiß ich, dass viele diesen Unfug auch tatsächlich glauben.

Mein Partner Carsten Brennecke erklärt im Interview mit LTO, wie das erste Gutachten wirklich zu bewerten ist:

1.Das erste Gutachten wurde unfassbar schlampig erstellt. Es ist den hohen Anforderungen, die an die Aufklärung des Skandals zu stellen sind, nicht im Ansatz gerecht geworden und hat mehr Fragen offen gelassen als es geklärt hat. Eine solche Minderleistung veröffentlicht man nicht.

2. Das erste Gutachten war schlicht rechtswidrig. Seine Veröffentlichung wäre sofort gerichtlich verboten worden. Die besten deutschen Äußerungsrechtler hatten bereits ihre Messer gewetzt und hätten es in der Luft zerrissen. Das Erzbistum wäre mit Unterlassungs- und Schmerzensgeldverfahren überzogen worden und hätte sie mit Sicherheit verloren. Kardinal Woelki hätte also wissentlich Rechtsbruch betrieben, wenn er das Gutachten veröffentlicht hätte. In der Presse hätte er dafür Applaus bekommen. Es wäre der einfachere Weg gewesen. Jedes Unternehmen mit hasenfüßiger Kommunikationsabteilung hätte die Rechtsverletzungen wahrscheinlich als das kleinere Übel kühl kalkulierend in Kauf genommen. Eine Kirche kann so nicht handeln.

3. Das zweite Gutachten wird nach Auskunft des Verfassers Prof. Gercke deutlich mehr Fälle aufklären als das (rechtswidrige) erste. Das neue Gutachten betreibt also gerade die Aufklärungsarbeit, die das erste vermissen ließ.

4. Für Interessierte werden dennoch beide Gutachten zur Ansicht und zum direkten Vergleich ausliegen, damit sich jeder einen persönlichen Eindruck davon verschaffen kann, wie miserabel das erste Gutachten war.“

Woelki wollte man loswerden, weil er zu katholisch wurde

Woelki hatte also völlig korrekt gehandelt, als er das erste Gutachten nicht veröffentlichte. Michael van Laack hatte das bereits vor Wochen auf PP angemahnt, und auch die Journalunken und Kirchenmänner, die eine regelrechte Kampagne anzettelten, mit der sich sogar der Vatikan beschäftigen musste, wussten sehr genau Bescheid.

Aber ihnen ging es eben überhaupt nicht um das Leid der Betroffenen, an einer echten Aufklärung waren sie nicht interessiert. Ganz im Gegenteil. Was sie zu der Kampagne motivierte, war schlicht die Tatsache, dass sich Kardinal Woelki seit seiner Berufung zum Erzbischof von Köln und einem Aufenthalt bei den Katholiken der USA zu einem Mann von einem ähnlichen Format wie sein Vorgänger, Kardinal Meisner zu wandeln begann.

Er ist Refugees-welcome-Bischof Marx ein Dorn im Auge

(c) Screenshot Youtube

Auf einmal positionierte er sich gegen jede Anpassung der Kirche und des Glaubens an den Zeitgeist, gegen eine schädliche, ja glaubenswidrige angebliche Modernisierung der Kirche. Und wurde so zum wichtigsten Gegenspieler des Münchner Kardinal Marx, der für eine komplette Gleichschaltung der Katholiken Deutschlands mit dem System Merkel steht. Aber auch der Vositzende der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Bätzing, hatte nichts besseres zu tun, als seinem Mitbruder sofort in den Rücken zu fallen und zur Hetzjagd auf ihn zu blasen.

Woelki sollte also weg. Und was kommt da nach wie vor besser als ihn in den Zusammenhang mit sexuellem Missbrauch von Kindern und Schutzbefohlenen zu rücken?

Auch wenn sich später (wie nun) herausstellen sollte, dass an den Vorwürfen rein gar nichts ist: Woelki ist kein einziger Pflichtverstoß vorzuwerfen! „Audacter calumniare, semper aliquid hæret“ – Verleumde eifrig, irgendwas wird immer hängen bleiben, war hier die perfide Devise. Dass man dabei die Opfer schamlos missbrauchte, um seine glaubensferne Ideologie in der Kirche durchzusetzen, macht die ganze Sache so widerlich.

Die Rädelsführer der Kampagne gegen Woelki, die eine Sorge um Kinder vortäuschten, sind die wahren Missbraucher: Sie machten die Opfer ein zweites mal zu Opfern.

Zensur des Internets begann mit angeblicher Sorge um Kinderpornographie

Eine politische Strategie, die weit verbreitet ist. Als die Zensur des Internets vor vielen Jahren mit Ursula von der Leyen ihren Anfang nahm, geschah dies mit dem Hinweis auf die Bekämpfung von Kinderpornographie. Hier konnte und wollte keiner widersprechen.

Was tatsächlich geschah: Instrumente wurden bereit gestellt, mit denen man Kritik an dem politischen Mainstream bzw. den gerade Mächtigen, zu denen von der Leyen schin damals gehörte, aushören konnte.

Eine Eindämmung der Kinderpornographie fand nicht statt – ganz im Gegenteil: wie niemals zuvor boomt sie bis hinein in frei zugängliche Seiten der sozialen Netzwerke. Wer hier versucht dagegen anzugehen, stößt auf taube Ohren, während das Anzeigen eines Posts, der das System Merkel oder den Islam kritisiert, sehr schnell zu einer Sperre führt. Heiko Maas hat solch verhängnisvollen Zuständen mit seinem „Netzdurchsetzungsgesetz“ die Wege bereitet.

Söder und seine „Reform des Telekommunikationsgesetzes“

Und dieser Missbrach des Missbrauchs geht munter weiter. Die FAZ meldete gestern: „Urheberrechtsverbände und Internetprovider haben sich auf die Schaffung einer sogenannten „Clearingstelle“ verständigt, mit der Webseiten, auf denen systematisch Urheberrechtsverletzungen begangen werden, gesperrt werden sollen. Der Ansatz ist pragmatisch und vermutlich effektiv, lässt in Hinblick auf das gewählte Verfahren und den Grundrechtsschutz aber zu wünschen übrig.

Das Bundesinnenministerium will die Reform des Telekommunikationsgesetzes um eine Ausweispflicht für die Nutzer von Mail- und Messengerdiensten erweitern. Zugleich will die EU-Kommission die Anbieter solcher Dienste von bestimmten Vorschriften der ePrivacy-Richtlinie dispensieren, damit diese die Kommunikation ihrer Kunden auf etwaiges kinderpornografisches Material durchforsten können. Diese Praxis, die deutlich tiefer in die digitale Privatsphäre einschneidet als etwa die Vorratsdatenspeicherung, könnte in einem zweiten Schritt sogar verpflichtend werden.“

Ihr missbraucht die missbrauchten Kinder ein zweites mal!

Auch hier fällt das Stichwort „Kinderpornographie“. Mit der Absicht alle Kritiker der grenzenlosen, bislang als gegen das Grundgesetzverstoß geltender Überwachung des unbescholtenen Bürgers, in eine bestimmte Ecke zu rücken. Mit dem Effekt, dass dieselben Menschen, die im Brustton der Überzeugung wissen lassen, sie hätten ja nichts zu verbergen, Kritiker der immer weitergehenden Überwachung fragen: „Bist Du etwa für Kinderpornographie“?

Spätestens ab diesem Zeitpunkt ist Kritik, ist selbst eine öffentliche sachliche Diskussion über die Einrichtung der „Clearingstelle“ unmöglich geworden.

Man möge mir jetzt hier meine Formulierung entschuldigen – Hier wie auch bei der Kampagne gegen Kardinal Woelki ist doch völlig klar: Die Kinder, das Leid der Missbrauchten geht euch so sehr am Arsch vorbei, dass ihr sogar bereit seid, sie auf perfide und bigotte Weise ein zweites mal für eure übles, grundgesetzwidriges Treiben zu missbrauchen: Schämt Euch!

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