(David Berger) „Ist Woelki etwa dabei, katholisch zu werden?“, fragte mich – zugegebenermaßen etwas flapsig – ein konservativer Kirchenkritiker vor einigen Wochen, als ich ihm von einer kurzen Begegnung mit dem Kölner Kardinal Rainer M. Woelki in Kevelaer berichtete und wir über die jüngsten Äußerungen des Kardinals sprachen.

So unpassend es ist, über das Maß des Katholischseins eines Kardinals zu urteilen, so stark drängt sich doch derzeit folgender Eindruck auf: Wer den Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki nur von seinen politischen Statements und der umstrittenen Flüchtlingsboot-Aktion von vor einigen Jahren her beurteilt, der kommt zu einem einseitigen Bild des Kardinals. Gerade seine theologischen und kirchenpolitischen Äußerungen der jüngsten Zeit zeigen, dass er sich der Fußstapfen, die sein Vorgänger hinterlassen hat, bewusst ist.

Kardinal Woelki warnt davor, „eine neue Kirche zu erfinden“

Es ist der Glaube der Kirche, der weiterhin Maßstab bleibt, so wie er uns eben auch von Johannes Paul II. in seinem Katechismus vorgelegt worden ist.

Dies fiel aufmerksamen Beobachtern der katholischen Kirche bereits im vergangenen Februar auf, als die US-amerikanische Nachrichtenagentur CNA ein Interview mit dem Kölner Kardinal veröffentlichte, in dem man stellenweise glaubte, seinen Lehrer und Förderer Kardinal Meisner zu hören.

Woelki warnt davor, eine neue Kirche nach dem Geschmack des Zeitgeistes, aber fernab der Botschaft Jesu und der Tradition der Kirche zu erfinden. Die Abschaffung des Zölibats oder die Weihe von Frauen zu Priestern bringe nicht die Lösung der Kirchenkrise.

Es sei „der Glaube der Kirche, der weiterhin Maßstab bleibt, so wie er uns eben auch von Johannes Paul II. in seinem Katechismus vorgelegt worden ist“.

Das Christentum muss eine Art „alternative Kultur“ bilden

Den Christen müsse bewusst werden, dass sie „so etwas wie eine alternative Kultur zu bilden haben, die sich ausrichten muss alleine an den Maßstäben des Evangeliums und am Willen Jesu Christi“. Ein Anliegen, das Papst Benedikt – sehr zum Ärger der deutschen Mainstreampresse – nie müde wurde, vorzubringen.

Ich glaube, dass der Weg, wie er gegenwärtig in Deutschland angestrebt wird, große Gefahren in sich birgt – vor allem mit Blick auf eine Spaltung innerhalb der deutschen Kirche.

Nun hat sich der Erzbischof, der einst an der römischen Elite-Universität des Opus Dei studierte, in der „Kölner Kirchenzeitung“ auch zu dem vor allem von seinem Münchner Mitbruder Kardinal Marx propagierten „Synodalen Weg“ in Deutschland geäußert.

Diese Kampagne zieht es in Betracht, immerwährende Glaubenswahrheiten (Sakramente) moralische Grundsätze (Unauflöslichkeit der Ehe, Homosexualität) und bewährte Regeln (Zölibat der Priester) notfalls im Alleingang in der Weltkirche umzustülpen. Was dem Kölner Kardinal offensichtlich starke Bauchschmerzen bereitet: „Ich glaube, dass der Weg, wie er gegenwärtig in Deutschland angestrebt wird, große Gefahren in sich birgt – vor allem mit Blick auf eine Spaltung innerhalb der deutschen Kirche.“

Nicht die Gemeinschaft der Kirche aufs Spiel setzen

Viele meiner Gesprächspartner haben den Kopf darüber geschüttelt, dass wir in Deutschland bereit scheinen, das uns anvertraute Glaubensgut mutwillig zu verändern, weil es lautstark von uns gefordert wird.

Nicht umsonst hätte der Papst vor kurzem die deutschen Katholiken gemahnt, den Weg der Einheit mit Rom nicht zu verlassen.

Wie wichtig dieses Anliegen ist, hat Woelki während seiner USA-Reise und den in diesem Zusammenhang stattgefundenen Begegnungen und Gesprächen mit amerikanischen Katholiken ganz besonders gespürt:

Man habe dort die Sorge, „dass uns der ‚synodale Weg‘ auf einen deutschen Sonderweg führt, dass wir schlimmstenfalls sogar die Gemeinschaft mit der Universalkirche aufs Spiel setzen und zu einer deutschen Nationalkirche werden“. Die Katholiken der USA könnten nicht verstehen, „dass wir in Deutschland bereit scheinen, das uns anvertraute Glaubensgut mutwillig zu verändern, weil es lautstark von uns gefordert wird“.

Insider der Erzdiözese gehen davon aus, dass die zunehmenden glücklichen, gut katholischen und in die Zukunft weisenden Aussagen des Erzbischofs auch mit der Ernennung von Msgr. Dr. Markus Hofmann zu seinem engsten Mitarbeiter zusammenhängen; einem ebenso frommen wie klugen Priester.

Köln als treuster Tochter des Heiligen Stuhles

Ecclesia Coloniensis semper sedis Apostolicae fidelis filia

Auf der Seite des Erzbistums lesen wir: „Monsignore Dr. Markus Hofmann ist seit dem 1. Mai 2018 Generalvikar des Erzbischofs von Köln. In dieser Funktion ist er das „alter ego“ des Diözesanbischofs und dessen Stellvertreter für die Verwaltung des Bistums. Der Generalvikar handelt in diesem Bereich an Stelle des Bischofs und mit gleicher Vollmacht wie der Bischof selbst.“

Wer Woelki in letzter Zeit zuhört, der hat nicht nur den Verdacht, dass sein Vorgänger stolz auf ihn wäre, sondern dass Köln weiterhin mit der Tradition „semper sedis Apostolicae fidelis filia: des Apostolischen Stuhles treueste Tochter“ genannt werden kann.

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