(David Berger) Sie dürfte im europäischen Mittelmeerraum, besonders in Italien eine der beliebtesten Heiligen sein: Die 1628 von Papst Urban VIII. selig- und im Jahr 1900 von Papst Leo XIII. heiliggesprochene Rita von Cascia. Heute ist ihr Festtag.

Und obwohl es ein gewöhnlicher Wochentag ist, wird er in der mediterranen katholischen Welt (aber auch bei den Katholiken Kubas) mit besonderen Bräuchen gefeiert. In den Kirchen, die ihr geweiht sind und Reliquien der Heiligen ihr eigen nennen, findet heute die Weihe der Ritarosen statt.

Einige Impressionen aus Nizza von heute Mittag:

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Der Brauch geht auf ein besonderes Wunder des Lebens der Heiligen zurück: Als sie auf dem Sterbebett lag soll sie gebeten haben, ihr eine Rose aus dem Garten zu bringen. Es war jedoch ein eisiger Winter, sodass die Umstehenden erst nach dem langen Drängen Ritas bereit waren, den Garten aufzusuchen. Und sie sollen dort tatsächlich einen blühenden Rosenstrauch gefunden haben.

Ikonographisch steht diese Legende der dornigen Rose mit einem besonderen Charisma Ritas in engem Zusammenhang. Das Heiligenlexikon bemerkt: „Rita führte nun ein Leben in strengster Entsagung und Buße. Ihre mystischen Erfahrungen reichten bis zur Stigmatisierung durch die Wundmale der Dornenkrone Jesu Christi im Jahr 1432: ein Dorn aus Jesu Krone bohrte sich in ihre Stirn, sie trug von da ab die schmerzende und offene Wunde 15 Jahre lang bis zu ihrem Tod.“

Vorausgegangen war diesen übernatürlichen Ereignissen eine tragische Lebensgeschichte: Die mit bürgerlichem Namen Margherita Lotti – Mancini heißende Frau aus Cascia wollte eigentlich von frühester Jugend an Nonne werden, wurde dann aber zu einer Zwangsehe mit dem extrem gewalttätigen Paolo di Ferdinando gezwungen. Der wurde nach 18 Ehejahren ermordet, woraufhin die beiden Söhne Ritas Blutrache nehmen wollten. Rita soll daraufhin den Himmel mit gebeten bestürmt haben, dass ihre Söhne lieber sterben sollten als zu Mördern werden. Tatsächlich starben die beiden 1402 an der Pest bevor sie ihre Mordpläne verwirklichen konnten.

Vielleicht liegt in dieser Lebensgeschichte das Geheimnis des Erfolgs, der Rita von Cascia als Heilige bei den südeuropäischen Müttern verzeichnen kann …

Ich jedenfalls hatte heute in Nizza den Eindruck, dass die Gesichter der Frauen, die sich zu Hunderten vor den Reliquien der hl. Rita drängelten, um den Altar und die Kirche mit Rosen zu überschütten, Details aus dem Leben der großen Heiligen spiegeln. Tief im katholischen Glauben verwurzelte Frauen, die das Leiden unter der Gewalt ihrer Ehemänner oder an dem Glaubensabfall und der Gewalttätigkeit ihrer Söhne selbst durchlitten haben.

Welcher Unterschied zu Müttern in einer anderen Religion, die stolz darauf sind, wenn ihre Gatten oder Söhne möglichst viele Ungläubige, Juden usw. umgebracht haben …

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Noch eine kleine, sehr persönliche Schlussbemerkung:

Die erste Reliquie, mit der ich als Kind bewusst im wahrsten Sinne des Wortes in „Berührung kam“, war eine der hl. Rita von Cascia. Im Zuge der Gründung der Ordenskongregation der Ritaschwestern in Würzburg im Jahr 1911 kam diese Reliquie in die Mainfrankenmetropole, wo sie in einer Seitenkapelle der Augustinerkirche in eine Liegestatue der Heiligen integriert ist und man ihr als Gläubiger sehr nahe kommt.

Ich erinnere mich noch an die Besuche dort mit meiner Großmutter. Immer hatten wir eine Strauß „Ritarosen“ mit dabei, die wir dort niederlegten und sie hob mich etwas an, dass ich mit meinen Fingern des Glas berühren konnte, hinter dem die Reliquie aufbewahrt wird.

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Jürg Rückert
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Jürg Rückert

Die Kraft und die Glorie des Kreuzes wich Kraftlosigkeit und Depression. Nicht Pelagius sondern Augustin machte das Rennen. Der Priester Hamel, der nie zu den Muslimen über Christus sprach und dann wie ein blökendes Lamm geschlachtet wurde, er sei uns seliges Beispiel!

Jürg Rückert
Gast
Jürg Rückert

Eine Nonne weinte lange und heftig wegen der Leiden Christi, bis sie sich die Augen auf ein silbernes Tablett ausgeweint hatte. Darob war die Begeisterung so groß, dass sie selig gesprochen wurde.
Bei uns gibt es das nicht mehr, da zu viele Antidepressiva verschrieben werden.

Lausitzer
Gast
Lausitzer

Meine Lieblingsheilige ist Teresa von Avila wegen ihrer Transverberation. Näheres dazu steht auch im deutschen Wikipedia.

Dass ich noch nicht aus der römisch katholischen Kirche ausgetreten bin, liegt nur daran, dass das zu viel der Ehre für diesen Verein wäre.

Massaker an Sainte Rita in Paris
Gast
Massaker an Sainte Rita in Paris

Umgang mit dem Gedenken an Rita im heutigen Frankreich: Abriss der Kirche Sainte Rita, um einen Parkplatz bauen zu können, mitten in Paris vor zwei Jahren
https://www.rt.com/news/354430-sainte-rita-church-demolition-paris/

Cloudier
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Cloudier

Lieber David Berger, wir haben eine Gemeinsamkeit: die Mutter meiner Mutter Rita kommt ebenso aus Franken (aus Gerolzhofen) wie Ihre Großmutter, und hat vor Ihrer Heirat in Würzburg gelebt und gearbeitet. Sie war auch ebenso in Ihrem katholischen Glauben gefestigt. Verfolge Ihren Blog seit einiger Zeit und habe mir auch Ihr Buch gekauft, welches ich gerade meinen Eltern geliehen habe.

Cloudier
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Cloudier
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Lieber David Berger, vielen Dank für den Artikel über die Heilige Rita, die Namenspatronin meiner Mutter, welche mich gestern noch an ihren heutigen Namenstag erinnert hat. Über die Heirat mit meinem Vater hat sie dann noch die „Rose“ im Nachnamen erworben, da unser Familienname ein niederdeutscher Flurname mit der Bedeutung „an einem Bach mit Dornenbusch lebend“ ist.

Jürg Rückert
Gast
Jürg Rückert

1977, alte Frau, Ulcus cruris,kratzte es immer wieder auf: „Giftiges Blut muss abließen!“ Da lernte ich viel.
Gute christliche Erziehung: Der Buchhalter da oben notiert alle Leiden. Also, sei ruhig mein Kind! Nur das Leiden der Tiere könnte stören, könnte.

Hajo
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Hajo

Wer katholisch erzogen wurde und aus einem Haus der Herzenswärme entstammte, hat alles durchlaufen, was einem damals hoch und heilig war und auch hier hat nicht der einzelne Christ über viele Jahr seinen Hergott verraten, sondern mehrheitlich seine Stellvertreter, die allem gerecht werden wollten und dem neuen goldenen Kalb huldigten und mit ihren Handlungen den Geist bis heute verwirrt haben.

kaltfussengel
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kaltfussengel

Was für eine schöne Geschichte! Als kleines katholisches Mädchen habe ich auch die Jungfrau Maria zutiefst verehrt. Später, als ich von den Hexenverbrennungen der „weisen Frauen“, also auch der Hebammen und weitsichtigen Frauen im Mittelalter gelesen habe, habe ich mich angeekelt von der Kirche abgewandt! Was haben wohl die Mönche beim Anblick gequälter Frauen unter ihren weiten Kutten getrieben?

maru
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maru
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Sehr schön, hier immer mal wieder etwas über christliches Brauchtum zu erfahren. Ich kenne mich da viel zu wenig aus, bin aber prinzipiell interessiert.

Ja, welch krasser Unterschied zum Islam. Hier die christliche Mutter, die ihre Söhne lieber tot als als Mörder sehen will – dort die Mutter, die sich durch einen Mörder-Sohn geehrt fühlt. Daran erkennt man auch, daß es Satanisten sind.

Jürg Rückert
Gast
Jürg Rückert

Je mehr einer geprügelt wurde, desto größer seine Glorie?
„Heute mache ich meinem Hund eine Freude“, spricht der Herr. „Erst hau ich ihn, und dann höre ich auf!“
„Mein Sohn“, sagt der Bischof, „hier hast du rostige Nägel. Wir wollen dem Leidensangebot des Herrn zuvorkommen, aber es nicht übertreffen. Wir hämmern uns nun die Nägel ins Schienbein. Und bitte mit einem Lächeln auf den Lippen!“