Papst Benedikt kann heute seinen 91. Geburtstag feiern. Dass er diesen in kleinem Rahmen feiert und für ihn das schönste Geburtstagsgeschenk die Anwesenheit seines Bruders Georg ist, spiegelt schön die Demut eines ebenso großen wie heiligmäßigen Geistes. Erinnerungen an Papst Benedikt von David Berger

benedikt xvi

Ein kleiner, fast unscheinbarer Mann, der aus dem Schatten der Kolonaden Berninis in die grelle Sonne des Petersplatzes tritt, um eilig zu seinem Arbeitsplatz zu laufen. Und ein junger Student, der gerade an seiner Promotion arbeitet und ihn dort abgepasst, hat, um ihm kurz die Hand zu geben. Das war meine erste Begegnung mit dem damaligen Kardinal Ratzinger im Jahr 1997.

Kurz zuvor hatte mir ein Diplomat, der damalige Präsident der „Una Voce“, einer internationalen Vereinigung für die traditionelle Liturgie, erzählt, dass Ratzinger gefragt habe, „wer dieser David Berger“ sei. Eine Frage, die meine jugendliche Eitelkeit extrem nährte, aber mit meiner Person gar nichts zu tun hatte. Denn zuvor waren in der wissenschaftlichen Zeitschrift der Una Voce einige Artikel von mir erschienen. Und es war vermutlich das reine Interesse an den Inhalten, das Ratzinger zu der Frage bewegt hatte. Was mir in meiner Eitelkeit natürlich völlig entgangen war.

Als ich mich vorstellte, lächelte er freundlich

…und erst mein Hinweis auf das Engagement für die traditionelle Feier des Gottesdienstes brachte ihn dazu, einige Worte zur Wichtigkeit der Wissenschaftlichkeit diese Einsatzes zu sagen. Um dann rasch weiter zu seinem Arbeitsplatz, der Glaubenskongregation zu eilen.

Dass ich später einmal für kurze Zeit selbst ein kleines Pöstchen unter ihm als oberstem Wächter über die Reinheit des Glaubens bekommen sollte, konnte ich natürlich noch nicht ahnen. Ebenso wenig, dass ich wenige Jahre später zum Professor der Päpstlichen Thomasakademie, deren Ehrenmitglied und Kardinalsprotektor Ratzinger war, werden sollte.

Aber auch bei den weiteren Begegnungen blieb es dabei, dass das Charisma, das diesen Mann umgab, nicht jenes der Macht, sondern das einer hohen Geistigkeit war.

Akademische und politische Titel, Karriere, große Namen – all das schien Ratzinger nicht wirklich zu interessieren. Sein Blick war ganz auf die Inhalte, theologisch gesprochen, die großen Mysterien des Christentums und deren rationale Durchdringung, gerichtet.

Eine der wenigen Filmaufnahmen aus den letzten Monaten:

Jener Blick auf das Wesentliche war es auch, der für ihn die Frage, ob etwas zeigemäß ist, ob es ankommt und kurzfristig irgendetwas „bringt“, irrelevant werden ließ. Ganz im Gegenteil.

Sein Programm war nicht die wohlgefällige Kuschelkirche, sondern die Catholica, die sich als Stachel im Zeitgeist, als Gegenprogramm gegen die „Welt“ versteht. Die kein „Produkt des Augenblicks“ ist, sondern sich ganz aus ihrer Geschichte, ihrer Tradition heraus nährt. 

Einer Kirche, die mit dieser überlegenen Perspektive immer öfter in Opposition zu gehen hat zu einer „Kultur des Relativismus“, die weitgehend die Weltpolitik bestimmt. Dass es den Mächtigen der Welt, von Merkel bis Obama dabei nicht gefiel, dass er etwa vor der Islamisierung warnte, nahm er bereitwillig in Kauf.

Ich muss gestehen, dass mir dieser Charakterzug Benedikts in seinem ganzen Umfang erst während des Pontifikats seines Nachfolgers so recht deutlich wurde.

Franziskus scheint der komplette Gegenentwurf zu Benedikt zu sein: Intellektuelle Tiefe oder ein kritischer Blick auf die „Welt“ scheinen dem Medienliebling ebenso fremd, wie der Wille, die Gefahren des Islams für Benedikts Idealbild des „christlichen Abendlands“ zu sehen.

Benedikt, vor fünf Jahren zurückgetreten und heute auf 91 Lebensjahre im Dienste seines Herren zurückschauend, bereitet sich derzeit auf seinen Tod vor und verschwindet immer mehr aus unserer Wahrnehmung. Aber sein Programm wird die Zukunft der Kirche bestimmen, wenn sie denn eine haben soll.

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14 Kommentare

  1. Ich gratuliere diesem Mann zu seinem Geburtstag sehr herzlich!
    Er war nach Johannes-Paul für mich als Protestant der letzte wirkliche Papst,der bei mir große Hochachtung hatte!
    Franziskus ist kein Papst,er ist ein Verleugner des Glaubens und der Christenheit,soll er doch lieber Imam werden,er liebt doch den Islam wohl über alles dieser falsche Fuffziger!!

  2. Das Schlimme ist ja, das unsere antichristlichen Pfaffen dafür gesorgt haben, dass selbst der Papst einen Maulkorb der Zensur trägt, denn selbst aus katholischen Läden wurden Ratzingers Bücher entfernt und es grinst einen der Pharisäer Franziskus an das einem schlecht wird. Hoffentlich kommt bald eine Wende und Wiederbelebung des Christentums.

  3. Im Internet grassieren immer so merkwürdige Verschwörungstheorien. Eine der verrücktesten ist diejenige, nach der J.R. der leibliche Vater von einer Fatima Roth sein soll, die früher mal Claudia Maria hieß. Die nächste ist, daß Merkel eine Tochter mit dem Künstlernamen Annette Louisanne hätte. Das kam im GEZ Medium.
    Seine Rede im Bundestag war brilliant, leider wohl unverstanden.

    • Genau, der Wahrheitsgehalt dieses lächerlichen „Dünnschisses“ ist derselbe, wie die absurden Gerüchte mit irgendwelchen Jungen oder perversen Ritualen die im Internet zirkulieren. ..So wird versucht jemanden mit ungebrochener spiritueller Kraft und unerreichter geistiger Tiefe zu demontieren – letztlich aber erfolglos.

  4. „Erinnerungen an Papst Benedikt …“ Erinnerungen… Er lebt ja – Gott sei Dank – noch. Möge er noch lange Leben und wirken. Menschen wie Papst Benedikt XVI brauchen wir ganz dringend.

  5. „Aber sein Programm wird die Zukunft der Kirche bestimmen, wenn sie denn eine haben soll.“

    Verstehe ich, aber das sehe ich nicht so. Sie wird den Weg Johannes Paul II weiterverfolgen. Sich der nachmittelalterlichen Philosophie bei aller Hochachtung etwa vor Thomas nicht völlig verweigern.

  6. Ad Islamisierung:

    Ich hatte kürzlich Gelegenheit, nach einer Veranstaltung mit einem emeritierten Professor für Kirchenrecht und früheren Universitätsrektor zu sprechen.

    Auf meine Frage, ob das Zitat mit der Kritik an Mohammed in der Regensburger Rede nicht doch eine Warnung vor dem Islam sein sollte, meinte mein Gesprächspartner nur lapidar:

    „Natürlich war es das!“

  7. Vielleicht könnte Herr Ratzinger bei der Gelegenheit noch auf den verwaisten Papstthron hinweisen. (Muß ja nicht gleich ein Gläschen Nowitschok sein.)

  8. Der Mann ist 91. Nehmen wir an er hat reinen Tisch zu machen kann man mit 91 ja dann wirklich sagen: „Ich sage aus, und wenn sie mit dem Polonium210-Tee kommen, dann in Gottes Namen“. Nehmen wir an, er wird erpresst mit kompromittierendem Material über Verhältnisse mit kleinen Jungen: Er könnte sagen: „Ich sage aus. Und ich werde die Strafe im Jenseits empfangen, aber im irdischen sage ich aus!“

    • Den Polonium Tee würde ich nur dann trinken, wenn er schnell wirkt. Ein Priester, zu dem ich derzeit keinen Kontakt habe, sagte vor 3 Jahren:“ Er wollte nicht so qualvoll zugrunde gehen wie Johannes Paul.“ Ich dachte: Verschwörungstheorie, aber seit einer Aussage vor einem deutschen Gericht letzten September weiß ich es besser.
      Siehe mein Posting unter „Franziskus muss weg.“

  9. Mein Bruder schwärmt heute noch von den brillianten Reden, die Joseph Ratzinger in den 60iger Jahren in Münster vor den Studenten hielt. Da war
    sogar samstags der Hörsaal gerappelt voll,so faszinierte er die jungen Menschen.

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