Ein Gastbeitrag von Josef Hueber

Von früheren Zeiten, von grauer Vorzeit, weiß man es. Wer vor dem Letzten Gericht Angst hatte, weil er sich in seinem irdischen Leben einiges geleistet hatte, was nicht unter die Kategorie „Gutes tun“ fiel, konnte sich einen Ablass, d.h. Reduzierung von den feuerheißen Bußqualen im Purgatorium, vulgo Fegefeuer, erkaufen.

Johann_Daniel_Lebrecht_Franz_Wagner_-_Friar_Johann_Tetzel_Selling_Indulgences.JpegDas bedeutete Tage, Monate oder überhaupt das Raus aus der brennenden Hitze des jenseits von Zeit und Raum komischerweise doch nach Zeit-Phasen taktierten existierenden Feuerofens für nicht komplett Verdammte, aber doch seelisch stark Beschmutzte. Damit sie weiß und rein in die himmlischen Gemächer eingelassen würden. Wer gut bei Kohle war, vererbte zu diesem Behufe Handfestes, wie z.B. Grund und Boden oder Immobilien, an die Kirche.

Wem es an Kohle fehlte, der konnte an bestimmten, von der Kirche definierten Anlässen seine Schuld bekennen, inständig beten und damit eine quasi schuldlöschende Fristenlösung, respektive Folterverkürzung, erlangen, ohne dass er dafür Cash durch’s Gitter in den Beichtstuhl legen musste.

Für die Jetzt-Zeit, in der Jenseitsglaube und Jenseitsdrohungen nicht mehr den bisherigen Pull-Faktor aufweisen können, musste Ersatz her. Denn der Mensch hat, wohl eine anthropologische Konstante, Sehnsucht nach Erlösung.

Nicht nur hier in dem, was unmittelbar erlebbar ist, sondern auch nach seinem Ableben dort, was seinem Bedürfnis nach meta-physischer, postkörperlicher, erlöster Existenz zuzuschreiben ist.

Wir schaffen das! sagten sich die kreativ und innovativ denkenden Startups einer genialen Idee, die man sprichwörtlich so kommentieren muss: Das schlägt dem Fass den Boden aus! Das Bestattungsunternehmen Hebenstreit & Kentrup in Bonn bedient ihre toten Kunden mit einer Idee, die sie gar nicht komisch finden. Offensichtlich. Angesichts verworfener uncooler Metaphysik von vorgestern greifen sie zu auf die modische Diesseits-Religion, Farbe grün.

Diese Startup-Religion erhebt einen radikalen ethischen Anspruch, nicht nur für den Einzelnen, sondern für die gesamte Menschheit und sogar für den Planeten (vielleicht bald für den gesamten Kosmos), ethisch das Allein-Richtige zu vertreten, ebenbürtig mit der dahinschwindenden christlichen Religion.

Ja, es gibt sie, diese alternativlose Alternative zu der traditionellen Religion. Das neue „Opium für das Volk“ ist aus der Taufe gehoben. Das Kindchen heißt Grüne Ökologie.

Die alten Ägypter waren vermutlich Umweltschweine. Die Einbalsamierung war wohl alles andere als vom Recycling-Gedanken geprägt. Andererseits: Die CO2-Produktion einer Mumie dürfte wohl geringer sein als die eines auf konventionellem Wege Verwesenden. Insofern zeigten die Ägypter vielleicht doch mehr Verantwortungsbewusstsein für künftige Generationen als andere Kulturen, die ihre Lieben einfach verwesen ließen und sich Nullkommanix um die Planetenzerstörung via CO2 kümmerten?

Denken wir in der Gegenwart konsequent weiter: Jeder Nicht-Geborene, jede Nicht-Geborene, jedes transsexuelle Nicht-Geborene ist ein Segen für den multikulturellen Planeten Erde.

Also: Nicht so viele „Kinder machen“, d.h. null CO2-Ausstoß während des gesamten Lebens ihrer Nicht-Existenz, null wahnsinnige CO2-Produktion durch von furzenden und rülpsenden Kühen produzierte und verzehrte Milch- und Fleischprodukte.

On top of that: Null CO2-Produktion in der Grube. Die Särge sind „von Natur aus ‚automatisch‘ Bio, aus „nachhaltigem Forstbetrieb“ der Sarg sowie dessen „Innenausstattung“ sind komplett „biologisch abbaubar“.

Das ist verantwortungsvolle, weil nachhaltige Verwesung.

*

Sie wollen Philosophia Perennis unterstützen?

… oder auf Klassische Weise per Überweisung:

IBAN: DE04 3002 0900 0803 6812 81 
BIC: CMCIDEDD – Kontoname: David Berger – Betreff: Spende PP

 

avatar
400
8 Comment threads
2 Thread replies
0 Followers
 
Most reacted comment
Hottest comment thread
9 Comment authors
Politisch korrekt ins Jenseits: Jetzt gibt es auch die klimafreundliche Bio-Bestattung – LeserbriefeBrockenteufelJuppSpreeathenerKerstin Recent comment authors
  Abonnieren (alle Kommentare oder nur meine Kommentare)  
neueste älteste beste Bewertung
Ich möchte benachrichtigt werden zu:
trackback

[…] David Berger […]

Jupp
Gast
Jupp

Aldous Huxley – Schöne neue Welt

Spreeathener
Gast
Spreeathener

Mich würde ja interessieren wie die politisch korrekte biologisch ökologische Bestattung funktioniert. Soweit mir bekannt ist sind die Särge immer noch aus Holz und nicht aus Kunststoff. Oder finden Beisetzungen demnächst nicht mehr auf Friedhöfen sondern in Kompostieranlagen statt und die Krematorien werden ökologisch korrekt mit Biogas das man natürlich auch aus den Leichnamen gewonnen hat betrieben. So macht der Ökowahn noch nicht einmal vor dem Tod halt. Für die selbsternannten Klimaexperten Co2 wird gebraucht ohne Co2 gäbe es kein Pflanzenwachstum und ohne dieses kein Leben

Emmanuel Precht
Gast
Emmanuel Precht

Das alles unterscheidet sich keinen Deut vom mittlealterlichen Ablasshandel. Rette Deine Seele spricht die Grünangelische Kirche und da ist das Ablass-Küchengerät, das -Auto oder sonstwas.
Wohlan..

Helga Brandt
Gast
Helga Brandt

Ich habe die Befürchtung, dass es auch genug Doofe gibt, die sich die Kohle … biologisch… aus dem letzten Hemd, obwohl das ja angeblich gar keine Taschen hat, ziehen lassen.
Die Doofheit stirbt halt nie aus … mit und ohne Ökologie.

maru
Gast
maru

Meine besorgte Frage angesichts meines latent körpereigenen, aber unzulässigen CO2-Ausstoßes lautet:
Kann ich bereits zu Lebzeiten etwas dazu beisteuern, daß mein Körper posthum möglichst zügig zu Kompost zerfällt? Gibt es da ein Pulver oder Mittelchen, das ich ihm jetzt schon zuführen kann, damit er seiner ökologischen Bestimmung posthum unverzüglich und ohne schludrige Verzögerung nachkommt?

Mir ist klar, daß die Sache eilt, da ja auf dem arg begrenzten Territorium der BRD Platz für Millionen – was sag ich, Milliarden islamischer Neubürger geschaffen werden muß.
Sorry, daß ich immer noch da bin.
Mit gehorsamsten Grüßen an die grünen Bio-Bestatter
Maru

Blutige Diamanten
Gast
Blutige Diamanten

Das Waldsterben hat nicht funktioniert..
Das Ozonloch hatte keine Lust mitzumachen.
Die Meere schwappen nicht über, Holland existiert auch noch.

Für die Zeugen Jehovas besteht zumindest eine kleine Chance dass sie die Nase voll haben, weil der versprochene Weltuntergang schon mehrfach abgesagt wurde. Die Klimazahler sind da etwas dickfälliger. Möge es viele kalte deutsche Winter geben und der Ballermann seine Tore für immer schließen.

Erst wenn das Klimaziel erreicht ist werden sie wissen, dass man ohne Sauerstoff und Kohlenstoff nicht leben kann.

truckeropa66
Gast

Das neue Konzept…..AN DOOFHEIT REICH WERDEN……imer noch besser als arme wegen ihres nicht vorhandenen Reichtums zu bescheißen