(Gastbeitrag) Eine erklärte „offene“ Stimme Europas wird schwächer – alles von außen wird stärker: Migrationsbedrängung, israelische Kapitulation, die Bekenntnisse von leisen und schwachen Tönen, eine Tendenz zur neuen Entscheidungsobrigkeit der „Eliten“ , verordnete Gefühlslagen.

Ein grellgelauntes Publikum präsentierte sich am letzten Samstag in der Ukraine zum Eurovision Song Contest: Moderatoren mit fast schon slapstickhafter guter Laune. Wenn schon das Wort zum Sonntag im „Ersten Deutschen Fernsehen“ Terrorblockaden-Betonklötze mit der Bedeutung des Steines und Felsens im Christentum vergleicht und gleichzeitig die klägliche Botschaft herausgibt, dass es nicht schlüssig erscheinen mag, gegen Terror anzusingen und anzufeiern; wenn dieses selbe Wort zum Sonntag aber mitteilt, dass wir genau das tun sollen, dann darf man auf den „Rest“ gespannt sein.

Was stellt Europa gerade dar? Was sagt uns der Gewinner?

Die Wahl als „Sieger“ fiel auf einen Mann, der sich seltsam bewegte und mit seinem Jazz-Walzer von der Jury einstimmig hochgejubelt wurde – ein Liebeslied, das so verloren unbeholfen wirkte, wie die derzeitige Politik. Die übermächtige Massenjury schoss ihn im Voting im Vorfeld den Favoriten unbestritten nach oben.

Das Publikum darf zum wiederholten Male nicht alleine entscheiden, ohne die besser wissende und anachronistisch wiederbelebte „Fachjury“ – was weiß das Volk schon Geschmack und von Qualität? Betont wurde, dass man „back to the roots gehen wollte“ und dass der Wettbewerb ja auch den Komponisten ehren wolle – gegen den Musik-Kommerz und dass nun die leisen Töne gefragt seien.

Was ist eigentlich mit dem Polit-Kommerz? Unterschiedlichkeit, ach das nennt sich Vielfalt, als Merkmal von Europa, das einen Song küren soll. Schlauer war, wer sich vorinformiert hatte. Erst hinterher erfuhr ich von einem bedeutenden „Subkontext“, wo ich mir gewünscht hätte, unvoreingenommen überzeugt zu werden. Denn das sollten wir ja in Europa sein – egal was (rein-)kommt.

Der Gewinner: bei Starbucks in den USA jobbender und „verarmter Geburtsblaublüter“ mit  abgebrochenem Psychologiestudium – so viele Brüche, eine Entscheidung für die Musik mit enger Bindung an die Schwester. Rührig… Das Siegerlied war trotzdem nicht mein Favorit, erreichte mich auch unvoreingenommen nicht.

Nicht weniger gefühlvoll haben zwei 17-jährige Kandidaten gesungen für Bulgarien und Australien. Großbritannien wurde trotz toller gesanglicher Leistung mit einer hochgezogenen Punkteaugenbraue gnädig bedacht – die griechische weniger talentierte musical-vororientierte Teilnehmerin bekam auch mal mehr Punkte.

Sonst waren sogar die sonst so beklagten „Länder-Connections“ eher die Ausnahme. Seltsamerweise kenne ich wenige Fans des Siegersongs – rein vom Musikalischen her.

Ein völkerverbindender Song musste nie erklärt werden – wofür steht der ESC, der mehr von einer Einheitsmeinung als von einer Einheitsbegeisterung geprägt war?

Europa: eine schwache Stimme?

Alberne Comedy-Einlagen konterkarierten eine wirklich wunderbare und technisch hochkarätige Bühneninszenierung – wer viel konnte, verzichtete trotzdem auf Effekte und stellte sich einfach hin. Anzüge und Abendkleider kehren etwas mehr zurück, kein Wettbewerb der Outfit-Enthüllungen mehr.

Ob es da Zufall war, dass bei Jamala – der Vorjahres-Siegerin  ein schwedischer „Popo-Flitzer“ den Auftritt störte um all das Absurde hervorzukehren? Sie sang mit ihrem letztjährigen Siegersong „1944“ über verfolgte Christen.

Der Sieg dieses Jahr wurde gefeiert, als ein Sieg der „leisen Töne“, unterstützt von der Fachmeinung von oben und nirgendwo lese ich eine Meldung des Bedauerns, dass Israel ausscheiden wird, weil der Sender schließen wird. Wo wird der israelische Optimismus – trotz Krieg und Leid und allem – bleiben, der uns immer wieder mitgerissen hat und musikalisch begeistert, auch wenn wir von nichts wussten und nichts verstanden?

Gehören nicht zu „uns“ und Australien schon so jetzt irgendwie? Völlig vergessen haben viele, dass das „neue Volk Israel“, all die Europäer aufgenommen hat, die wir nicht nur in Deutschland als Juden verfolgt und verjagt hatten.

Wer diesen Austritt einfach so hinnimmt, verjagt europäische Juden zum zweiten Mal. Die Botschaft des ESC? Feiern wir die Vielfalt, die durch einen Song geeint wird, der so diffizil ist, um nicht mainstream-mäßig ins Ohr gehen zu können?

Mein Fazit: es „ist kompliziert“ und fehlen echte Botschaften und Statements …. Driftet Europa erklärt still auseinander, ohne aufzuschreien – Israel scheint dabei längst geopfert.

Schade, dass unser deutscher Beitrag so blond und beseelt nicht punkten konnte – wirklich sympathisch, aber stimmlich zur Verwunderung aller Landesexperten mal wieder „verkannt“, retteten wir uns gerade mal über schwach-quäkende Surferboys aus Spanien.

Das Fazit: Eine erklärte „offene“ Stimme Europas wird schwächer – alles von außen wird stärker: Migrationsbedrängung, israelische Kapitulation, die Bekenntnisse von leisen und schwachen Tönen, eine Tendenz zur neuen Entscheidungsobrigkeit „vom Fach“ , verordneten Gefühlslagen.

Europa hat mich selten so wenig überzeugt, so sehr enttäuscht. Ein entrückter Song von Liebe mit einem echt seltsamen Auftritt berührt mich nicht, wenn es starke Emotionen bräuchte, um einen wahren gemeinsamen Geist zu beschwören.

Europa singt noch leise vor sich hin. Wenn alles so ein bisschen richtig ist, nennen wir es wohlwollend „Diversity“. Wenn wir alles zulassen, ist es Anarchie – denn Identitäten müssen sich von nun an soziologisch behaupten, was auch Kampf der „Klassen“ bedeuten kann.

Für mich ist Europa dabei seine gute Stimme zu verlieren. Bei allem was „gewonnen“ hat hat, hat doch etwas Entschiedenes gefehlt …

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