(David Berger) Von unseren Nannymedien bis hin zu den inoffiziellen Reglements des Öffentlichen Nahverkehrs: Einer versucht den anderen zu übertreffen, wenn es um die positive Diskriminierung von Asylbewerbern geht.

Und das schon seit geraumer Zeit. Vor einiger Zeit berichtete ich in der HuffPost von folgenden Vorfällen:

„Aktenzeichen XY“ sagt die Suche nach einem farbigen Verdächtigen ab, die Hamburger Verkehrsbetriebe wollen bei Flüchtlingen, die schwarz fahren, ein Auge zudrücken. Alles gut gemeint, aber alles andere als gut für die Flüchtlinge.

Nach diversen Medienberichten hatte die Sendung „Aktenzeichen XY“ einen Bericht abgesetzt, mit dessen Hilfe nach einem Vergewaltiger gesucht werden sollte. Der Grund: der vermeintliche Täter hatte eine dunkle Hautfarbe. Die Chefredakteurin des TV-Formats, Ina-Maria Reize-Wildemann begründete ihre Entscheidung mit der Stimmungsmache gegen Flüchtlinge in Deutschland:

„Wir wollen kein Öl ins Feuer gießen und keine schlechte Stimmung befördern. Das haben diese Menschen nicht verdient“.

Dass sich die Redakteurin solche Gedanken machte, ist sicher ehrenwert. Und auch ihre Intention, in der derzeitigen Situation alles zu tun, um die Stimmung gegen Flüchtlinge nicht noch anzuheizen, ist lobenswert.

Ähnlich lobenswert wie die Anweisung des HVV, der öffentlichen Verkehrsmittel Hamburgs, der seine Fahrkartenkontrolleure damals angewiesen hatte, bei Flüchtlingen, die ohne Ticket angetroffen werden, ein Auge zuzudrücken.

Mit in dieses Spektrum gehört auch ein ganz aktueller Aushang des Tafelladens in Nidda, der auf Facebook die Runde macht*:

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Ein Kommentator dazu:

„Asylanten brauchen sich nicht anstellen, werden vorrangig bedient, selbst wenn sie später kommen und die Deutschen dürfen dann in Empfang nehmen, was diese ihnen gnädigerweise übrig lassen. Und dann wundert man sich sicher über die zunehmende Wut der Leute.“

Daran zeigt sich sehr gut: „Gut gemeint, ist meistens das Gegenteil von gut“. Was als Hilfe für Flüchtlinge gedacht war, was Fremdenfeindlichkeit bekämpfen wollte, tut hier genau das Gegenteil.

Es ist doch angesichts der Sache Aktenzeichen XY, aber auch der „Tafel“ gut verständlich, wenn Menschen fragen:

„Wird man jetzt aufgrund seines Deutschseins in Deutschland diskriminiert? Und: Darf man jetzt als Mensch mit dunkler Hautfarbe bzw. als Flüchtling kleinere und auch größere Straftaten begehen – und es wird aufgrund meines Status ein Auge zugedrückt? Straftaten für die ‚wir Deutsche‘ konsequent zur Rechenschaft gezogen werden?“

Diskriminierung der einen – sollte es sie denn geben – kann nicht durch Diskriminierung der anderen bekämpft werden

Positive Diskriminierung nennt man das, was der Tafelladen da betreibt. In softerer Form findet sich solche positive Diskriminierung auch in Artikeln, die uns zum Beispiel „10 Gründe, warum Flüchtlinge die besseren Nachbarn sind“, nahe bringen wollen.

Für sie alle gilt: „Die positive Diskriminierung des Einen ist die negative Diskriminierung des Anderen!“ (Mark Bell) Gegen Diskriminierung mit Diskriminierung kämpfen zu wollen, ist aber so wie wenn man ein Feuer löschen will, indem man erneut Benzin hineingießt.

Deshalb: Wenn Ihr den Flüchtlingen wirklich helfen wollt, dann behandelt sie wie andere Menschen auch! Fangt endlich an, wenigstens um eine Ecke herum zu denken: Eure gut gemeinten Sonderrechte und Privilegien beleidigen nicht nur diese Menschen, sondern sorgen auch dafür, dass Vorurteile durch Neid erst so richtig geschürt werden.

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*Da viele nicht glauben konnten, dass das Schreiben echt ist, haben sie auf der Facebookseite des Tafelladens nachgefragt.  Der hat daraufhin versucht, seine Aktion zu rechtfertigen. Und als er immer mehr in argumentative Nöte geriet, die Facebookseite kurzerhand geschlossen …