(David Berger) Es ist wieder Buchmesse in Leipzig. Und es ist das Jahr des Reformationsjubiläums. Beides zusammen hat zu jener Veranstaltung geführt, zu der gestern Abend gut 100 Interessierte in Leipzig zusammen gekommen waren, um sich mit der überragenden Gestalt des Reformators Martin Luther zu beschäftigen.

Eingeladen hatte die konservative Wochenzeitung „Junge Freiheit“, bei deren Verlag eines der vielleicht spannendsten, weil vom Gros der seichten Masse an neuerer Lutherliteratur abweichenden Bücher zum Reformationsjubiläum erschienen ist.

weißmann leipzig 2Autor ist Karlheinz Weißmann, dessen „Deutsche Geschichte für junge Leser“ 2015 bereits über 15.000 mal verkauft wurde. Der stellte dann auch in brillanter und überzeugender Weise gestern ein neues Werk vor. „Martin Luther für junge Leser – Prophet der Deutschen“ heißt das Buch. Und es schildert Leben und Wirken Martin Luthers in einer Weise, dass dem EKD-Ratsvorsitzenden Bedford-Strohm und vielen linken Pfarrern die Ohren schlackern werden.

Weißmann beschreibt Luther – so die Worte des Moderators des Abends, Dieter Stein -, als unerschrockenen „Propheten der Deutschen“ im doppelten Wortsinn:

⇒ Einerseits als Reformator und Künder des christlichen Glaubens, als derjenigen, der mit einer unsere Sprache tiefgreifend prägenden Bibelübersetzung ins Deutsche die massenhafte Verbreitung der Heiligen Schrift angestoßen und damit jedem zugänglich gemacht hat.

⇒ Aber auch in einem Sinne, der vielen zeitgeistaffinen Protestanten die Zornesröte ins Gesicht treiben dürfte: Als „Propheten der Deutschen“, wie der Untertitel sagt. Als jenen Revolutionär, der die Deutschen als Nation ansprach, als ein Kollektiv, das sich der Fremdbestimmung zu erwehren hat und durch Aneignung der eigenen Sprache zu kulturellem und schließlich politischem Bewusstsein gelangte.

Es ist anzunehmen, dass gerade dieser Blick auf Luther im linksgrünen Wohlfühl- und Verbrüderungsprotestantismus Deutschlands für Aufsehen sorgen wird.

In Anlehnung an ein Bonmot zum Lutherjubiläum aus der FAZ kann man wohl von diesem Buch sagen: „Es steht ‘Luther’ drauf und es ist auch Luther drin.“

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lutherbuch

Das Buch kann hier bestellt werden: JF-Buchdienst

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11 Kommentare

  1. Ich bin seit dreißig Jahren Luther Fan und werde das Buch bestimmt lesen.Wo wäre Deutschland ohne Luther?Wäre der Antisemitismus ,derJahrhunderte lang überall in Europa klassierte anders verlaufen?Er hat die Geschichte der Menschheit verändert?!Ich hab für mich diese Fragen beantwortet und empfehle allen-Bild dir deine Meinung!

  2. Luther war ein Reaktionär, sonst wäre er wohl auch nicht Reformator geworden. Er hat sein Teil beigetragen zum modernen Deutschland, im Guten wie auch im Schlechten (oder sollte ich schreiben Bösen?). Gemessen an dem wesentlich gebildeteren und sympathischeren Zeitgenossen Erasmus war er ein religiöser Fanatiker. Und es nimmt daher auch nicht Wunder, daß die Nazis im protestantischen Deutschland wesentlich mehr Anklang fanden als im katholischen. Schon die Klüngelei der Protestanten mit der Obrigkeit gründete in Luther. Und wer die Vernunft eine „Hure des Teufels“ nennt, der paßt auch eher in die heutige als in die Zeit der Aufklärung.

  3. Martin Luther wird gefeiert aber ich habe so meine Probleme mit ihm hinsichtlich seiner antisemitischen Äußerungen. 1543 veröffentlichte er seine Hetzschrift „Von den Juden und ihren Lügen“. Ein unsäglicher von Hass trifender Text. Anfangs hatten die Juden Luthers Wohlwollen, da sie sich aufgrund der korrupten päpstliche Kirche vom Christentum distanzierten. Später sollten sie jedoch dem einzig wahren protestantischen Evangelium beitreten was sie natürlich nicht taten. 500 Jahre später realisierten die Nationalsozialisten seine Hetzschrift und ermordeten 6 Mio. Juden. Diese dunkle Seite von Luther sollte nicht unterm Tisch gekehrt werden.

    • „Später sollten sie jedoch dem einzig wahren protestantischen Evangelium beitreten was sie natürlich nicht taten. !

      Wo haben Sie denn das her???

      Das hat Luther nie gesagt oder gewollt- es wäre gegen sein Denken gewesen! Ansonsten war der Antisemitismus in dieser Zeit in ganz Europa vertreten, und niemand hat sich seinerzeit darüber aufgeregt.

      Wilhelm Busch war übrigens auch Antisemit – und nicht nur er. Hat er jetzt auch Schuld an der Judenverfolgung?´´

      • Es war nicht meine Absicht Luthers historische Leistung der Kirchenreformation zu trüben. Aber Luthers Hass auf die Juden darf nicht unerwähnt bleiben. Gewiss war der Judenhass, der Antijudaismus, weit verbreitet im Mittelalter aber war Luther nicht ein Mann des Glaubens und seiner Zeit weit voraus? Darf ich ihn dafür nicht verurteilen, weil ich heutige moralische Maßstäbe nicht ansetzen darf? 1514 unterstützte er noch den Philosophen und Humanisten Johannes Reuchlin , der sich gegen die Verbrennung jüdischer Schriften wandte. 1523 geäußerte er sich in voller Erwartung, dass aus Juden viele rechte Christen werden . Er hoffte wohl, sie zum Christentum bekehren zu können aber diese Hoffnung erfüllte sich nicht und daraus resultierte sein Hass. Natürlich ist er nicht für den Holocaust verantwortlich aber seine beängstigenden Schriften waren vermutlich Inspiration für die Nationalsozialisten. Die Synagogen brannten in der Nacht vom 09.
        auf den 10. November, Luthers Geburtstag. Er hatte eine dunkle Seite und die wirft leider einen Schatten auf sein historisches Werk.
        Wilhelm Busch war ein Gelegenheitsantisemit so wie viele seiner Zeit. Er war kein Judenhasser und Juden waren keine Protagonisten in seinen Werken, tauchten eher marginal auf, leider aber in den für diese Zeit üblichen Klischee.

  4. Guter Bericht: danke dafür! Ein bisschen fehlt die Beschreibung, wie gut die Buchvorstellung bei den Besuchern der Buchmesse angekommen ist. Das Buch hat wieder gute Chancen zum bestseller zu werden, denke ich. und jung heißt nicht Kinderbuch, sondern für jedes Alter geeignet, wenn man nicht gerade Wissenschaftler und Lutherspezialist ist

  5. Luther war einfach nur seiner Zeit voraus und sehr begabt. Ich selber halte ihn aber nicht für einen Propheten. Dazu gehört etwas mehr, als nur das Unrecht in der Kirche zu beanstanden. Ist übrigens genau wie heute. Sie wissen dass da was falsch läuft, aber es traut sich keiner. Wie damals. Also brauchen wir jetzt wieder einen Luther, der als Prophet einhergeht? Lächerlich. Da haben Seher mehr geboten. Luther hat die Bibel in Deutsche geschrieben. Und, hat es bei den Leuten etwas genützt? Die meisten lesen sie heute nicht mal mehr. Sie besitzen sie nicht einmal. Eine Gottlose Zeit, welche Gott für kurze Zeit gestattet. Das wäre ein Text zum verstehen. Geschrieben von Sehern. Aber die kennt ja keiner.

  6. Kalter Kaffee und seit jeher Schulstoff, zumindest im aufgeklärt-protestantischen Teil der Republik, vielleicht nicht im Tal der Ahnungslosen.

    • Irgendwie habe ich bei Ihnen den Eindruck, dass Sie vor allem zum Rumnörgeln hier sind. Erinnert mich an eine alte unverheiratete Tante, die war auch so drauf. Wissen Sie, was mein älterer Bruder immer gesagt hat? der fehlt schlicht xxx! Vielleicht sollten Sie sich in diese Richtung mal betätigen und dann wieder zurückkommen.

      • Rumnörgeln? Wenn Sie meinen… Es tut keinem Milieu gut, wenn es zu sehr in seiner Blase blubbert, sich mit Nabelschau begnügt, so seh ich das. Und was ich gar nicht verstehe, ist, wie so rückwärtsgewandte Zeitgenossen sich nun einen progressiven Aufklärer ans Revers heften – der hätte euch damals ordentlich eingeschenkt.

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