Asche statt Aufbruch: Schuldkult im gemerzten Kanzleramt

Ein monumentales Gemälde von Anselm Kiefer dominiert seit Ende vergangenen Jahres den Arbeitsbereich von Bundeskanzler Friedrich Merz. Das Werk thematisiert Holocaust, deutsche Schuld und Zerstörung – und ist weit mehr als bloße Dekoration. Wer ein solches Bild zum visuellen Mittelpunkt des Kanzleramtes macht, sendet eine politische Botschaft. Doch muss Deutschland achtzig Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs seine nationale Identität noch immer vor allem aus der Erinnerung an die dunkelsten Kapitel seiner Geschichte beziehen – oder wäre es Zeit für einen selbstbewussteren Blick nach vorn? Gastbeitrag von Alexander von Schlaun.

Achtzig Jahre nach Ende der Nazizeit hängt seit Ende letzten Jahres ein Holocaust-Denkmal hinter dem Arbeitstisch von Bundeskanzler Merz. Düster, aschgrau und tonnenschwer: Direkt hinter dem Schreibtisch von Bundeskanzler Friedrich Merz im Kanzleramt hängt jetzt das Monumentalwerk „Des Herbstes Runengespinst“ von Anselm Kiefer. Ein Bild, das wegen seiner enormen Größe sogar mit dem Kran durch das Fenster gehievt werden musste.

Was zeigt es? Eine völlig karge, zerstörte Winterlandschaft. Tiefe Furchen im Boden, verbrannte Bücher aus Blei und Asche, runenartige Formen. Es ist ein Werk, das sich intensiv mit historischer Schuld, dem Holocaust (inspiriert durch die Lyrik von Paul Celan) und dem Missbrauch deutscher Symbole auseinandersetzt.

Politik der ewigen Schuld, der puren Schwere, der Krisenstimmung

Ein solches Bild hängt man nicht als bloße Deko auf. Wer ein Kunstwerk so unübersehbar an den wichtigsten Ort seines Schaffens platziert – direkt in den Rücken bei jedem offiziellen Foto, jedem Staatsgast und jedem Video –, macht es zur unmissverständlichen Kernbotschaft. Die Botschaft dahinter ist glasklar: Das hier ist das Fundament, die Motivation und der Kern meines Wirkens. Es demonstriert eine Politik der ewigen Schuld, der puren Schwere, der Krisenstimmung und des permanenten Blicks in die alten Abgründe. Die Deutschen, ein Tätervolk, das man verachten muss und knechten darf. Achtzig Jahre nach Kriegsende. Achtzig Jahre!

Meine Mutter und mein Vater waren bei Kriegsende 4 und 3 Jahre alt. Ich war noch nicht geboren. Dieser Schuldkult, seit achtzig Jahren, excuse my French, er kotzt mich dermaßen an. Er macht mich aggressiv, nicht versöhnlich. Kein anderes Volk hat eine derart kranke Haltung zu seiner Vergangenheit.

Und was ist mit Trump, Putin und Netanjahu?

Hängt über Trump ein Bild von abgeschlachteten Indianern, dem Trail of Tears oder den Massakern der Frontier Wars?
Hängt über Putin ein Bild der Gulags, der Holodomor-Opfer oder der stalinistischen Säuberungen?
Hängt über Macron ein Bild der französischen Strafexpeditionen und Massaker in Algerien, Madagaskar oder Westafrika?
Hängt über Starmer oder Sunak ein Bild der britischen Kolonial-Gräuel – von Amritsar über die Mau-Mau-Lager bis zu den australischen Frontier-Massakern?
Hängt über dem niederländischen Premier ein Bild der Aceh-Kriegsverbrechen oder der Banda-Inseln-Vernichtung?
Hängt über dem belgischen Premier ein Bild der Kongo-Gräuel unter Leopold II.?
Hängt über dem japanischen Premier ein Bild von Nanking oder den Trostfrauen?
Hängt über dem türkischen Präsidenten ein Bild des Armeniergenozids?

Nein.

Ein Kanzleramt sollte ein Ort der Zuversicht, des Aufbruchs und der Gestaltung der Zukunft sein. Ich will keinen Kanzler, der den ewigen Schuldkult, die Zerstörung, die Asche und das Düstere zum wichtigsten Kern seines Schaffens macht.

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