Europa reguliert sich ins KI-Abseits

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Eine neue Strategie führender europäischer Ökonomen und KI-Experten schlägt Alarm: Europa droht im weltweiten Wettbewerb um Künstliche Intelligenz dauerhaft marginalisiert zu werden. Während die USA und China investieren, Rechenzentren bauen und technologische Tatsachen schaffen, konzentriert sich die Europäische Union auf jene Disziplin, in der sie inzwischen tatsächlich Weltspitze ist: Regulierung.

Die Zahlen sind ernüchternd. Nach Angaben des ifo-Instituts erzielen europäische Entwickler von KI-Modellen zusammen weniger als zwei Prozent des Umsatzes von nur zwei amerikanischen Konkurrenten. Europas Anteil an der weltweiten KI-Rechenzentrumskapazität liegt bei rund fünf Prozent. Bis 2030 wären zusätzliche 45 Gigawatt Energie für europäische Rechenzentren erforderlich; die notwendigen Investitionen werden auf 1,3 Billionen Euro beziffert. Europa hat die digitale Revolution nicht verschlafen, weil es an intelligenten Menschen, Wissenschaftlern oder Unternehmern fehlt. Es hat sie sich selbst erschwert: durch hohe Energiepreise, überbordende Bürokratie, einen zunehmend unattraktiven Investitionsstandort und die Brüsseler Neigung, neue Technologien zuerst unter dem Gesichtspunkt ihrer Regulierung zu betrachten.

EU: Teure Energie und erdrückende Vorschriften

Symbolisch dafür steht der AI Act. Die EU rühmt sich, das weltweit erste umfassende KI-Regelwerk geschaffen zu haben. Seit August 2026 werden zentrale Teile durchgesetzt. Während andere die Technologie entwickeln, entwickelt Brüssel die Vorschriften dazu. Die neue „Transformative AI Strategy for Europe“ benennt das Problem deutlich. Europa müsse sich Zugang zu den leistungsfähigsten KI-Systemen sichern, eigene Rechenkapazitäten aufbauen und wirtschaftlich wieder zu einem attraktiven Standort werden. Die Autoren setzen nicht einmal mehr darauf, Europa müsse selbst die weltweit führenden KI-Modelle entwickeln. Stattdessen soll wenigstens der dauerhafte Zugang zur ausländischen Spitzentechnologie gesichert werden.

Das kommt einer Bankrotterklärung europäischer Technologiepolitik nahe: Der Kontinent, der einst einen erheblichen Teil des wissenschaftlichen und industriellen Fortschritts der Welt hervorbrachte, diskutiert nicht mehr darüber, wie er wieder an die Spitze gelangt, sondern wie er seine Abhängigkeit von amerikanischer und chinesischer Technologie erträglich gestaltet. Besonders Deutschland sollte die Warnung ernst nehmen. Rechenzentren benötigen gewaltige Mengen zuverlässig verfügbarer Energie. Wer Kernkraftwerke abschaltet, Energie verteuert und anschließend von „digitaler Souveränität“ spricht, betreibt politische Realsatire. Europa braucht deshalb nicht noch mehr KI-Gipfel, Aktionspläne und Verordnungen. Es braucht günstige und zuverlässige Energie, weniger Bürokratie, Investitionsfreiheit und wieder mehr Vertrauen in Wissenschaftler, Ingenieure und Unternehmer. Sonst bleibt am Ende eine typisch europäische Arbeitsteilung: US-Amerika erfindet, China produziert – und Brüssel reguliert.


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