
Eine neue INSA-Umfrage liefert für Bundeskanzler Friedrich Merz einen Befund, der weit über die üblichen Schwankungen der Sonntagsfrage hinausgeht: Bei einer hypothetischen Direktwahl gegen AfD-Chefin Alice Weidel würde nur noch jeder zweite Unionswähler für den eigenen Kanzler stimmen.
Die Zahlen aus dem aktuellen INSA-Brief sind deutlich: Müssten sich die Deutschen direkt zwischen Friedrich Merz und Alice Weidel entscheiden, käme Weidel auf 31 Prozent, Merz lediglich auf 17 Prozent. 45 Prozent würden keinen der beiden wählen. Für Merz ist jedoch eine andere Zahl noch brisanter. Gerade einmal 50 Prozent derjenigen, die derzeit CDU oder CSU wählen, würden sich in diesem Duell für den amtierenden Bundeskanzler entscheiden. Alice Weidel könnte dagegen auf 89 Prozent der AfD-Wähler zählen.
Dass es sich dabei nicht allein um eine allgemeine Ablehnung möglicher Kanzlerkandidaten handelt, zeigt der Vergleich innerhalb der Union. Würde Hendrik Wüst gegen Weidel antreten, entschieden sich 55 Prozent der Unionswähler für ihn. Bei Markus Söder wären es sogar 73 Prozent. Merz schneidet damit gerade im eigenen politischen Lager deutlich schwächer ab.
Die verlorenen Wähler der Union
Hinzu kommt die Lage der Union insgesamt. In der aktuellen INSA-Sonntagsfrage erreicht die AfD 29 Prozent, CDU und CSU kommen gemeinsam nur noch auf 19,5 Prozent. Die SPD liegt bei 12,5 Prozent. Noch deutlicher wird das Problem beim Blick auf die Wählerwanderung. Nach Angaben von INSA sind 47 Prozent derjenigen, die derzeit AfD wählen würden, frühere Unionswähler, die von CDU oder CSU so enttäuscht sind, dass sie diese nach eigener Aussage nicht mehr wählen wollen.
Damit geht es für Merz längst um mehr als eine schlechte persönliche Umfrage. Die Union verliert nicht nur im Parteienvergleich erheblich an Zustimmung. Ihr eigener Bundeskanzler kann in einer zugespitzten Direktwahl nicht einmal die Hälfte des eigenen Wählerlagers geschlossen hinter sich bringen. Während in Berlin weiterhin darüber diskutiert wird, wie der Aufstieg der AfD gestoppt werden könne, weisen die INSA-Zahlen auf ein Problem hin, das unmittelbar bei der Union selbst liegt: Sie müsste erklären, warum so viele ihrer früheren Wähler zur AfD gegangen sind – und warum selbst viele der verbliebenen Unionswähler ihrem eigenen Kanzler die Gefolgschaft verweigern.
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