Gebührenmillionen – aber keine Ahnung: SWR-Kirchenredaktion erfindet neuen Papst

(David Berger) Wenn aus Johannes Paul II. plötzlich „Johannes Paul XII.“ wird – weißt Du, dass der Staatsfunk mit Deiner Zwangsabgabe am Dilettieren ist.

Es gibt Fehler. Und es gibt Fehler, die so viel über den Zustand einer Redaktion verraten, dass sie unfreiwillig zur Satire werden. Die Kirchenredaktion des SWR hat nun einen solchen Treffer gelandet. In einem Beitrag über den französischen Bischof Jacques Gaillot heißt es allen Ernstes, dieser sei 1995 von „Papst Johannes Paul XII.“ abgesetzt worden. Nur: Einen Papst dieses Namens hat es nie gegeben. Offenbar wurden hier Johannes Paul II. und Pius XII. zu einer neuen Kunstfigur verschmolzen. Das wäre selbst in einem Schülerreferat peinlich. Bei einer öffentlich-rechtlichen Kirchenredaktion, die sich selbst als kompetente Stimme in Glaubensfragen präsentiert und von Millionen Bürgern zwangsfinanziert wird, ist es ein Offenbarungseid.

Besonders unerquicklich wirkt der Fehler deshalb, weil der Beitrag den Fall Gaillot historisch einordnet und dabei offensichtlich den Eindruck vermitteln will, Johannes Paul II. habe gegen einen besonders fortschrittlichen Bischof durchgegriffen. Wer eine solche kirchengeschichtliche Bewertung vornimmt, sollte wenigstens den Namen des betreffenden Papstes kennen. Die Ironie ist kaum zu überbieten: Dieselben Redaktionen belehren regelmäßig Christen, was katholische Lehre angeblich bedeutet, erklären dem Papst seine Aufgaben, kommentieren Bischofsernennungen, moralisieren über Reformen und geben sich als kirchliche Deutungsinstanz. Doch an einer elementaren historischen Tatsache scheitern sie.

Ein Tippfehler? Wo waren da Redaktion, Schlussredaktion und Korrektorat?

Natürlich kann jedem einmal ein Tippfehler unterlaufen. Entscheidend ist jedoch die Frage, warum ein solcher Fehler sämtliche Kontrollinstanzen passiert. Wo waren Autor, Redaktion, Schlussredaktion und Korrektorat? Offenbar hat niemand den Text gelesen, der über ausreichende kirchengeschichtliche Grundkenntnisse verfügt, um zu bemerken, dass es niemals einen „Johannes Paul XII.“ gegeben hat. Das eigentliche Ärgernis reicht jedoch über diesen Einzelfall hinaus. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk verfügt über Milliardenbudgets und beschäftigt Heerscharen von Redakteuren, Referenten und Verantwortlichen. All das wird von den Bürgern finanziert – unabhängig davon, ob sie das Programm überhaupt nutzen oder nicht. Da darf man erwarten, dass wenigstens die historischen Grundlagen stimmen.

Gerade die Kirchenredaktionen beanspruchen für sich regelmäßig besondere Kompetenz in theologischen und kirchengeschichtlichen Fragen. Wer diesen Anspruch erhebt, muss sich auch daran messen lassen. Wer nicht einmal den Namen des Papstes korrekt wiedergibt, über den er berichtet, verspielt ein Stück jener Glaubwürdigkeit, die er für seine Kommentare und Einordnungen dringend benötigt. Vielleicht wäre es an der Zeit, weniger ideologische Deutungen zu produzieren und stattdessen wieder mehr Wert auf das zu legen, was früher einmal als journalistische Tugend galt: sorgfältige Recherche, solides Fachwissen und eine gewissenhafte Schlussredaktion. Denn bevor man die Kirche erklärt, sollte man wenigstens wissen, wie ihre Päpste heißen.

Geimpfter Priester

Der Autor des Artikels ist kein Unbekannter: Thomas Steiger ist katholischer Priester der Diözese Rottenburg-Stuttgart und seit Jahren einer der prägenden Autoren der katholischen Rundfunkarbeit beim SWR. Er ist zudem inhaltlich Verantwortlicher für die katholische Rundfunkarbeit am SWR und damit nicht nur Autor, sondern auch in leitender redaktioneller Funktion tätig. Auf seinem Facebookprofil macht er vor allem Werbung für die mRNA-Impfung und gegen „Desinformation zum Thema“ und lobt sich selbst als geimpft. Auch die Segnung homosexueller Paare scheint ihm ein wichtiges Anliegen zu sein.

Der Vorfall ist kein Einzelfall: Vor einigen Jahren verwechselte die Kirchenredaktion des ZDF Fronleichnam mit dem Totengedenken an Allerseelen.

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David Berger
David Bergerhttps://philosophia-perennis.com/
David Berger (Jg. 1968) war nach Promotion (Dr. phil.) und Habilitation (Dr. theol.) viele Jahre Professor im Vatikan. Zahlreiche Veröffentlichungen zur Philosophie und Theologie des Mittelalters. Seit 2016 Blogger (philosophia-perennis) und freier Journalist (u.a. für die Die Zeit, Junge Freiheit, The European).

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