Altbundespräsident Joachim Gauck hat die politische Führung zu einer entschlosseneren Kommunikation gegenüber der Bevölkerung aufgerufen. Politiker müssten den Bürgern stärker vermitteln, warum sie angesichts der aktuellen Herausforderungen auch unbequeme Entscheidungen und „Zumutungen“ akzeptieren müssten. Zugleich kritisierte Gauck nachlassende Führungsstärke und warb für mehr Entschlossenheit der demokratischen Mitte.
Die ehemalige DDR-Bürgerrechtlerin Angelika Barbe hat dazu passende Worte gefunden. Unser Fundstück der Woche:

„Gauck weiß, wovon er spricht. In der DDR konnte sich der damalige Pfarrer offenbar auch gut mit dem zuständigen Mitarbeiter für Kirchenfragen der SED-Bezirksleitung verständigen. So durften seine Söhne in den Westen übersiedeln, und er konnte sie dennoch besuchen.
Gaucks Rolle in der DDR ist für mich bis heute nicht vollständig durchschaubar, weil ich ihn erst 1990 in der Volkskammer kennenlernte. Nach Berichten von Augenzeugen soll er im Rostocker Revolutionsherbst durchaus auch Oppositionellen geholfen haben. Umso unverständlicher erscheint mir seine Haltung seit seiner Zeit als Bundespräsident, die von einer zunehmenden Geringschätzung kritischer Bürger geprägt gewesen sei.
Die Bevölkerung als Problem
Man denke nur an seine Bezeichnung vieler Ostdeutscher als ‚Dunkeldeutsche‘ oder an seinen Satz: ‚Die Eliten sind nicht das Problem, die Bevölkerungen sind es.‘ Gemeint waren dabei die Bevölkerungen verschiedener Bundesländer.
Wer heute mit der Partei paktiert, die sich selbst als rechtsidentisch mit der SED bezeichnet hat, um politische Macht zu erhalten, legitimiert aus meiner Sicht nachträglich die Verbrechen der SED-Diktatur: die Todesschüsse an der Mauer, das Leid Hunderttausender politischer Gefangener in SED- und Stasi-Gefängnissen, die Sippenhaft ihrer Angehörigen sowie das Schicksal zahlloser Kinder, die in DDR-Kinderheimen drangsaliert wurden. Eine solche Politik verliert jede Akzeptanz bei den Bürgern.“
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