„Die Funktion der Kirche besteht nicht darin, das Christentum an die Welt anzupassen, noch sogar die Welt an das Christentum anzupassen; ihre Funktion besteht darin, eine Gegenwelt innerhalb der Welt aufrechtzuerhalten.“ (Nicolas Gomez Davila)
(David Berger) Der Kölner Erzbischof Rainer Maria Woelki sorgt mit einem ungewöhnlich politischen Vorstoß für Aufsehen: Er ruft Gläubige zur Teilnahme an Demonstrationen für eine beschleunigte Energiewende auf und stellt sich damit offen hinter linken klimapolitischen Aktivismus. Was er vordergründig als Ausdruck kirchlicher „Schöpfungsverantwortung“ gedeutet haben möchte, zeigt sich bei genauerem Hinsehen als gefährlichen Verrat an seinem Hirtenauftrag.
Der Kölner Erzbischof und Kardinal Rainer Maria Woelki hat zur Unterstützung von Demonstrationen für eine beschleunigte Energiewende aufgerufen, die an diesem Wochenende stattfinden. Hintergrund sind bundesweite Proteste eines zivilgesellschaftlichen Bündnisses, das unter dem Motto „Erneuerbare Energien verteidigen“ ein schnelleres Ende fossiler Energieträger fordert.
Wenn ein Kardinal baerbockt
Woelki stellt sich hinter diese Anliegen und betont die Verantwortung der Kirche für die Bewahrung der Schöpfung. Er sieht in der Teilnahme an Demonstrationen eine Möglichkeit, dieses Engagement sichtbar zu machen. Gleichzeitig verweist er auf konkrete Maßnahmen im Erzbistum Köln, etwa den Ausbau von Photovoltaik und Wärmepumpen, die zur Energiewende beitragen sollen. Die Proteste finden zeitgleich in mehreren deutschen Großstädten statt und richten sich auch gegen politische Entscheidungen, die nach Ansicht der Initiatoren den Ausbau erneuerbarer Energien bremsen könnten.
Gerade in ärmeren Regionen der Welt seien die Folgen des Klimawandels bereits deutlich spürbar. Daher müsse die Energiepolitik nicht nur ökologisch, sondern auch sozial gerecht gestaltet werden, so der Kardinal, der hier das intellektuelle Niveau von Annalena Baerbock zu unterbieten versucht.
Bisher war Woelki – sieht man einmal von seiner bizarren Flüchtlingsbootaktion an Fronleichnam ab – weniger für Kompetenzüberschreitungen bekannt, aber hier verwischt er nun die Grenze zwischen kirchlichem Auftrag und parteipolitischer Einflussnahme. Die Kirche mag eine mehr oder weniger große moralische Autorität besitzen, sollte aber nicht direkt zur Teilnahme an konkreten Demonstrationen aufrufen. Solche Statements werden sonst zu einer Parteinahme im politischen Wettbewerb.
Ein völlig überforderter Kirchenmann
Die Energiewende ist ein komplexes politisches Feld (Versorgungssicherheit, Wirtschaft, soziale Kosten), das einen Mann wie Woelki komplett überfordert. Woelki übernimmt hier weitgehend die Perspektive eines bestimmten linksgrünen Aktivismus-Milieus, ohne die Zielkonflikte angemessen zu würdigen. Dass sich Gläubige mit anderen politischen Ansichten (z. B. hinsichtlich Energiepreisen oder Technologieoffenheit) von der Kirche entfremdet fühlen, scheint einen solchen Klimafanatismus nicht zu interessieren. Der Kardinal hat hier seinen Hirtenstab, der die Gläubigen leiten sollte, in die Ecke des Kölner Doms gestellt und mutiert zu einem rotgerockten Nachfolger von „Klaus dem Geiger“ oder eine deutlich gealterte Klimagreta, die auf der Domplatte herumturnen und sich als als politischer Akteure geben
Noch schwerer als solch lächerliche Auftritte wiegt die hier das Hintanstellen des kirchlichen Auftrags: Die zentrale Sendung der Kirche ist die Verkündigung des Evangeliums, die Spendung der Sakramente und das Heil der Seelen. Wenn ein Kardinal öffentlich zu politischen Demonstrationen aufruft, zumal solchen, die der Klimareligion huldigen, entsteht der Eindruck, dass sozial-ökologische Anliegen mit einem götzenhaften Anstrich den Vorrang vor der Evangelisierung erhalten.
Verrat auch an der Schöpfungsethik
Zwar gehört die Bewahrung der Schöpfung zur katholischen Soziallehre. Doch wer sie wie die Klimahysterie ideologisch und gegen den Menschen einsetzt, hat die gesamte Schöpfungsethik verraten. Die starke Identifikation mit bestimmten klimapolitischen Forderungen wirkt wie eine Anpassung an Zeitgeistströmungen statt an die gesamte kirchliche Tradition. Wenn kirchliche Autorität für konkrete politische Programme genutzt wird, droht eine Instrumentalisierung der Religion. In diesem Fall zugunsten einer Pseudoreligion, was das ganze noch schlimmer macht: Es ist erschütternd mit anzuschauen, wie der Kardinal zum Tanz um das goldene Kalb der Klimareligion aufruft: Kyrie eleison!
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