Warum die Angst vor der „zweiten Welle“ so wichtig ist, und was Jens Spahn und AKK besser wissen. Ein Gastbeitrag von Hans Heckel

Einerseits beunruhigt uns Nebel, weil man so wenig sehen kann. Andererseits regt so eine Wand aus weißem Dunst auch unsere Phantasie an: Jeder darf sich seine eigene Vorstellung davon machen, was sich hinter dem Schleier verbergen mag. Das kann überaus reizvoll sein.

Derzeit stehen die Deutschen vor einer Nebelwand aus Corona-Gerüchten, die sich als Experten-Informationen ausgeben. Dass es sich um Gerüchte handelt, konnten wir am Anfang noch nicht so recht erkennen. Doch die Experten, die beanspruchen, sich auszukennen, haben uns nach und nach selbst verraten, wie nebulös ihr Gebaren in Wahrheit ist. Erst haben sie uns beispielsweise vor dem Tragen einfacher Masken sogar gewarnt. Jetzt soll am besten jeder so ein Ding anlegen, raten dieselben Fachleute, die eben noch das Gegenteil vertreten haben.

An oder bloß mit Corona verstorben?

Auch anderes nimmt sich ziemlich verhangen aus: Warum wissen wir immer noch nicht genau, ob die Toten nun „an“ oder bloß „mit“ Covid-19 gestorben sind? Wo bleiben die Ergebnisse repräsentativer Testreihen, die Auskunft geben über die wahre Ausbreitung der „Pandemie“? Warum versinkt Schweden auch ohne „Lockdown“ nicht zwischen Leichenbergen im Chaos? Was ist mit den Zahlen, die belegen sollen, dass die Ansteckungsrate schon vor dem „Lockdown“ bei unter eins lag und sich seitdem nicht merklich verändert hat? War die Vollbremsung vielleicht ganz umsonst?

Solche Fragen konnten wir uns vor ein paar Wochen gar nicht vorstellen, denn damals war die Krise noch jung und jeder Experte konnte glaubhaft versichern, dass er kaum belastbare Zahlen habe. Etliche Wochen später und zahlreiche Erfahrungen weiter funkt dieses Argument aber immer weniger, weshalb eine wachsende Minderheit misstrauisch wird und eben diese Fragen stellt.

Kanzlerin will keine Nachfragen

Alles Fragen indes, die unsere Kanzlerin nach eigenem Bekunden gar nicht hören will (siehe diesen Kommentar). Womit sie vollkommen recht hat, denn wo kämen wir denn da hin? Die Umfragewerte der Union sind wegen Corona so toll wie seit Jahren nicht mehr, die Opposition ist im Graben gelandet, und sogar der SPD geht es wieder ein bisschen besser. Haben wir alles dem Corona-Alarm zu verdanken. Na ja, klingt ganz schön zynisch, was? Ach nein, „zynisch“ wäre ein allzu hässliches Wort. Nennen wir es lieber „Politik“, das hört sich viel netter an und läuft trotzdem aufs Gleiche hinaus.

Heute von einer weiteren Lockerung der Maßnahmen zu sprechen, ist aus einem zentralen Grund verantwortungslos: Niemand weiß genau, was eine solche Lockerung auslösen könnte. Was, wenn das Schlimmste passiert? Nein, ich meine nicht die „zweite Welle“. Ich meine das Allerallerallerschlimmste, nämlich: überhaupt nichts! Dann könnte so mancher Experte, auch diejenigen mit dem wechselhaften Verhältnis zum Maskentragen, seine Siebensachen packen. Und wie sich die Umfragewerte der Parteien dann entwickeln, wagen wir uns gar nicht vorzustellen.

Hinauszögern, um alles am Ende als Erfolg zu verkaufen

Daher gilt es jetzt vor allem, Zeit zu gewinnen. Je weiter die Verantwortlichen die geforderten Lockerungen hinauszögern können, desto glaubhafter können sie anschließend behaupten, dass das Ausbleiben der zweiten Welle ausschließlich auf die „Maßnahmen“ zurückzuführen ist und nicht auf das natürliche Abklingen einer Infektionswelle, wie wir sie von der alljährlichen Grippe-Epidemie kennen, die 2017/18 mehr als 25 000 Tote gekostet hat.

Um die nötige Zeit herauszuschlagen, muss die unsichtbar im Nebel wabernde zweite Welle so gruselig wie möglich gezeichnet werden. Die Leute müssen fest davon überzeugt werden, dass unmittelbar hinter der Dunstwand der steile Abgrund lauert, in den wir alle hineinstürzen, wenn wir nicht ganz, ganz artig sind und alle neuen Pflichten und Verbote strikt befolgen. Was ja ganz gut funktioniert: Wenn die Umfragen die Wirklichkeit widerspiegeln, kann ein Großteil der Deutschen gar nicht genug bekommen von Pflichten und Verboten.

Dieser bereitwillige Gehorsam macht der Politik begreiflicherweise Appetit auf mehr, mehr Macht über die Bürger. Je länger die Nebelwand der Bedrohung aufrechterhalten werden kann, desto höher wachsen die Chancen, dass die Deutschen sich an ein Ausmaß von Gängelung und Überwachung gewöhnen, das wir uns früher nicht einmal hätten träumen lassen.

Warum nicht Corona als Dauerzustand?

Wäre es da nicht das Beste, man behielte die Corona-Bedrohung auf Dauer bei? Warum abblasen, was sich so wunderbar bewährt? Natürlich benötigt die Politik dafür erneut die Unterstützung der Experten, die beim Verfertigen der gigantischen Drohkulisse den Pinsel schwingen müssen. Die aber stehen schon Staffelei bei Fuß und malen die letzten Ecken aus. Der Vizechef des Robert-Koch-Instituts (das sind die mit der bemerkenswert flexiblen Haltung zum Maskentragen), Lars Schaade, ließ vergangenen Dienstag in Berlin verlauten: „Selbst wenn es keine Fälle in Deutschland mehr gibt, müssen wir uns an die Abstandsregeln halten.“ Denn es sei ja jederzeit möglich, das Virus aus dem Ausland wieder einzuschleppen.

Diese Aussage ist der Jackpot für alle Freunde des immerwährenden Ausnahmezustands. Eine Zauberformel, mit der sich jeder Widerstand plattbügeln lässt. Denn in den fernen Weiten des „Auslands“ wabert eigentlich immer irgendwo eine Infektionskette vor sich hin, von Ebola über die Schweinegrippe bis zu Corona-Krankheiten und was noch alles. Selbstverständlich können diese miesen Erreger auch jederzeit nach Deutschland eingeschleppt werden, weshalb es hierzulande seit Generationen Tropeninstitute gibt, die solche Invasionen abfangen sollen.

Mit Schaades Formel im Gepäck kann ein Politiker Einschränkungen der Freiheit in Deutschland selbst damit begründen, dass am anderen Ende der Welt eine Krankheit grassiert, die – wie theoretisch fast immer möglich – nach Deutschland vordringen könnte. Ein neuer Corona-Fall in einem chilenischen Fischerdorf im Jahre 2022 kann daher ebenso als Grund für allerhand „Maßnahmen“ in Deutschland benutzt werden wie ein 91-jähriger Covid-Toter in der Mongolei drei Jahre später. Selbst wenn es dann schon seit Jahren „keine Fälle in Deutschland mehr gibt“, wie uns RKI-Schaade belehrt.

Neue Normalität

Vizekanzler Olaf Scholz lüftet den Nebel schon mal ein bisschen, damit wir sehen können, was man vorhat: „Was wir jetzt brauchen, ist für lange Zeit eine neue Normalität.“ Und wem die „neue Normalität“ der Überwachung und Gängelung nicht „normal“ erscheinen will, dem stopfen wir mit der erstbesten Epidemie auf den Tonga-Inseln oder im Südsudan das freche Maul: Bedenke die Gefahr einer Einschleppung!

Wer wissen will, wie groß die Gefahr, die uns täglich umschleicht, wirklich ist, kann sich unseren Gesundheitsminister Jens Spahn zum Vorbild nehmen: Der drängelt sich maskenfrei mit einem Dutzend Leuten im Fahrstuhl. Er muss etwas wissen, was wir durch den Nebel hindurch nur ahnen können.

Der Beitrag erschien zuerst bei PREUSSISCHE ALLGEMEINE

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