Der Fußball gilt als des Deutschen liebste Nebensache. Doch auch dieser wird zunehmend politisiert, die „Politische Korrektheit“ greift um sich. Ein Gastbeitrag von Peter Entinger

Clemens Tönnies gilt als ein mit allen Wassern gewaschener Mann. Der Fleischhändler dirigiert ein Milliarden-Imperium, zudem zieht er seit Jahren beim Fußball-Bundesligisten Schalke 04 die Fäden. In seiner westfälischen Heimat ist er ein gefragter Mann. Vor einigen Wochen trat er vor Mittelständlern auf, dort ging es auch um das Zusammenspiel von Klimaschutz und wirtschaftlicher Entwicklung.

Tönnies ist ein Mann fürs Grobe, ein hemdsärmeliger Macher, kein rhetorisches Supertalent. Statt im Kampf gegen den Klimawandel die Steuern zu erhöhen, sagte er, solle man lieber jährlich zwanzig Kraftwerke in Afrika finanzieren. „Dann würden die Afrikaner aufhören, Bäume zu fällen, und sie hören auf, wenn’s dunkel ist, Kinder zu produzieren.“ Anwesend war eine Lokalreporterin, das Unheil nahm seinen Lauf.

In der Sache durchaus richtig

Bundesjustizministerin Christine Lambrecht sprach von „dumpfem Rassismus“, die DFB-Ethikkommission und der eigene Verein berieten über Konsequenzen. Vorerst muss Tönnies seine Ämter „auf Schalke“ drei Monate lang ruhen lassen. Ob die Affäre damit ausgestanden ist, bleibt offen. War die Tonlage seiner Äußerungen vielleicht missverständlich, in der Sache lag er durchaus nicht daneben.

„Die von Tönnies angesprochenen Probleme wie das Verschwinden des Regenwalds und das Bevölkerungswachstum auf dem afrikanischen Kontinent sind real und darüber muss gesprochen und gegebenenfalls kontrovers diskutiert werden“,

…sagte der Afrika-Beauftragte der Bundesregierung, Günter Nooke. „Wir müssen uns alle um eine angemessene Sprache bemühen. Jeder sollte sich mit Respekt behandelt fühlen“, sagte der CDU-Politiker an die Adresse Tönnies’ gerichtet.

Kubicki springt Tönnies bei

„Die ziemlich drastische Aussage von Clemens Tönnies war nicht nur zulässig, sondern vielleicht auch notwendig“

Auch der FDP-Vize Wolfgang Kubicki störte sich allenfalls am Ton, nicht aber am Inhalt: „Die ziemlich drastische Aussage von Clemens Tönnies war nicht nur zulässig, sondern vielleicht auch notwendig, um auf ein Riesendilemma der selbst ernannten Klimaaktivisten hinzuweisen. Wenn es nicht gelingt – und dies geht nur über Bildung und wirtschaftliche Perspektive –, das Bevölkerungswachstum in den Griff zu kriegen, können wir uns alle Überlegungen zum Erreichen der Weltklimaziele in die Haare schmieren“, sagte der Vizepräsident des Deutschen Bundestags.

Doch das mediale Säbelrasseln brachte dies nicht zum Verstummen. „Trotz aller gegenteiliger Beschwerden ist heute vieles wieder sagbar, auch im Fußball. So wurde Mesut Özil wegen der Erdogan-Fotos nicht nur zu Recht kritisiert, sondern auch rassistisch angefeindet. Und in manchen Stadien hört man schon wieder mal ‚Kanake‘ und anderes Herrenrassevokabular. Wie man nun weiß, sitzt das Problem auch in den VIP-Logen“, lamentierte die linksliberale Wochenzeitung „Die Zeit“ in einer Kolumne.

Patrick Owomoyela und die „Itaker“

„Große Schlachten, die hier geschlagen werden.”

Während Tönnies noch darum bemüht war, seine Ämter zu retten, folgten gleich zwei mehr oder minder aufgebauschte Skandale. Borussia Dortmund, Erzrivale und Dauerkonkurrent der Schalker, hatte im italienischen Trainingslager ein Testspiel gegen Udinese Calcio durchgeführt. Am Mikrofon des Fan-TV: Stadion-sprecher Norbert Dickel, ein Ex-Profi, der seit Jahren sein Gesicht für Antidiskriminierungskampagnen des Vereins hinhielt und der frühere Nationalspieler Patrick Owomoyela. Während der Übertragung fiel der Klassiker des antiitalienischen Beschimpfungswortschatzes, „Itaker“, genauso, wie ausgerechnet Owomoyela im Tonfall von Adolf Hitler ins Mikro schnarrte: „Große Schlachten, die hier geschlagen werden.”

Beide, so räumten sie hinterher ein, seien „neben der Spur gewesen“, hatten im Vorfeld des Spiels offenbar regionalen Spezialitäten zugesprochen. Obwohl es geradezu grotesk ist, dem farbigen Owomoyela rassistische Tendenzen zu unterstellen, knickte die Vereinsführung ein und zog die Moderatoren vorübergehend aus dem Verkehr. Wohl auch, weil Vereinschef Reinhard Rauball zuvor seine Empörung im Fall Tönnies nicht verbergen konnte.

Zu viele NS-Boys: Daniel Frahn fristlos gefeuert

Empört waren auch die Verantwortlichen des Chemnitzer FC. Kapitän Daniel Frahn wurde Anfang der Woche fristlos gefeuert. Der Angreifer konnte wegen einer Verletzung nicht spielen und sah sich das Auswärtsspiel seiner Mannschaft gegen Halle im Gästeblock an. Nach Angaben des CFC stand der Spieler dort Seite an Seite mit „führenden Köpfen“ der rechten Gruppierung und der aufgelösten Gruppe NS-Boys und habe seine Sympathie zu diesen „offenkundig zur Schau gestellt“. Dies sei „massiv vereinsschädigend“, heißt es in einer Erklärung des Vereins.

„Hätte er neben einer antifaschistischen Gruppe gestanden, hätten ihn die Medien gefeiert.“

Der Klub hatte sich nach den Ereignissen in Chemnitz im Sommer 2018 nach eigenen Angaben dazu verpflichtet, „ein Bollwerk gegen Rechtsradikalismus zu sein“. Seitdem wird eine Null-Toleranz-Politik gefahren. Verantwortlich hierfür ist der Insolvenzverwalter des maroden Vereins, Rechtsanwalt Klaus Siemon, der in Sozialen Netzwerken schon mal dazu aufruft, auf keinen Fall die AfD zu wählen.

Mehr als 2000 Facebook-Kommentatoren solidarisierten sich mit Frahn. Einer schrieb: „Hätte er neben einer antifaschistischen Gruppe gestanden, hätten ihn die Medien gefeiert.“

Der Beitrag erschien zuerst bei PREUSSISCHE ALLGEMEINE

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