Fundstück aus der Neuen Züricher Zeitung vom Pfingst-Wochenende

Mit einem anspielungsreichen »Es gibt sie noch, die unfehlbaren Leser…«, kommentierte der Manuscriptum-Verlag in einer NZZ-Anzeige am Freitag und Samstag vor Pfingsten den Segen des emeritierten Papstes Benedikt XVI. für »ein mutiges Buch«: für „Im Moralapostolat“ aus der Feder des Philosophen und Essayisten Horst G. Herrmann.

Köstlich, was die Manuscriptum-Anzeige dann im weiteren Verlauf den nicht unfehlbaren potentiellen Lesern zu bedenken gibt:

»Aber auch Agnostiker und Atheisten sollten wissen, wie viel verborgene reformatorische Theologie ihnen das Doppelpontifikat Habermas/Merkel zumutet. Die Suche nach Erbsünden aller Art und der Wunsch nach säkularisierter »Heilsgewißheit«, nach dem notorisch guten Gewissen, sind zur pathogenen Matrix des Westens geworden. Wir alle – gläubig oder ungläubig – sind Menschen mit Reformationshintergrund und teilen dasselbe Schicksal: die postreformatorische Belastungsstörung.«

Rückschlüsse auf ein Pointenfeuerwerk in Herrmanns »Moralapostolat« gehen wohl nicht fehl. Auch die Wahl des Publikationsortes der Anzeige spricht für sich:

Nicht FAZ, nicht „Welt“ oder „Die Zeit“ tragen das Segenswort von allerhöchster Stelle in den Blätterwald: Die „Neue Züricher Zeitung“ plakatierte es in ihrer internationalen Ausgabe am Samstag prominent auf Seite zwei. Sie wird der FAZ über kurz oder lang den Rang abgelaufen haben. Deren Relevanz für Old-school- Konservative tendiert bereits jetzt gen Null.

Da unlängst publik wurde, welche Bücher der emeritierte Papst ausdrücklich  nicht  lesen und beurteilen wollte, nämlich die »elf Heftchen über die Theologie von Papst Franziskus«, ist die Einschätzung Benedikts, „Im Moralapostolat“ sei »ein mutiges Buch«, nicht hoch genug zu hängen.

Möglicherweise ist es eine der letzten Lesetips, die wir von jemandem erhalten, den spätere Generationen als einen Kirchenlehrer verehren werden. 

Eine Nachfrage beim Autor hat ergeben, dass Benedikt XVI. der Veröffentlichung seiner Beurteilung mit feiner Ironie entgegensieht: Herrmann gegenüber gab der Emeritus schriftlich zu bedenken:

»Sie wissen sicher selbst, wo die Mitteilung einer solchen Einschätzung durch mich mehr schaden als nützen würde.«

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Und hier die Anzeige aus der NZZ:

 

22 Kommentare

  1. Ich oute mich gerne als Ratzinger-Fan. Der früher so oft gescholtene Präfekt der Glaubenskongregation war der VERTIKALE PAPST schlechthin, also für mich der mit dem größten Gottesbezug. Aufgrund seines feinsinnigen Intellekts kann er den Glauben auch präzise erklären wie sonst keiner. Unübertroffen!!!

  2. Die »Neue Zürcher Zeitung« wird die neue FAZ. Klar, dass der Manuscriptum-Verlag sie schon gar nicht mehr in Betracht zieht. Das Moralapostolat geht bei Amazon gerade durch die Decke; den grinsenden Dalai Lama hinter sich lassend: Bestseller Nr. 1 in Fachbücher Ethik.

  3. Wach auf, Abendland! Dieser Autor hat‘s kapiert. Sicher der größte Wurf unter den literarischen Weckrufen gegen den Untergang

  4. Da kann ich Katharina nur zustimmen… Der Geist weht, wo er will. Und während in anderen Teilen des Blätterwaldes jetzt Totenstille herrscht, ist weiter südlich viel in Bewegung. Der Geist exiliert – auch personengebunden in Gestalt der Redakteure, die nun für die NZZ aus Deutschland berichten.

  5. Das Buch ist ein Knaller! Theologie, Religionsphilosophie, Mentalitätsgeschichte. Popkulturelle Verweise. Zuspitzungen von aphoristischer Qualität. Benedikt wird seine helle Freude daran gehabt haben. Sollte die NZZ das Buch jetzt auch noch besprechen, wäre die Blamage für die deutschen »Qualitätszeitungen« perfekt. Ihre Ignoranz wäre als Ressentiment enttarnt.

    • Warum soll er der letzte katholische Papst sein ? Im Mittelalter hat es schon mal zwei Päpste gegeben und so ist es doch heute auch und die Welt hat sich trotzdem weiter gedreht. Wir sehen also, das Mittelalter ist zurück gekehrt und man merkt es an allen Ecken und Kanten. Die Liebe ist geduldig, also habt Geduld und vertraut auf Gott und in 500 Jahren sieht die Welt wieder ganz anders aus.

  6. LOL – der gute Ex-Pontifex wußte schon immer Prioritäten zu setzen. Wenn auch oft „versteckt“ wie das Zitat des byzantinischen Kaiser Manuel II.: „Zeig mir doch, was Mohammed Neues gebracht hat und da wirst du nur Schlechtes und Inhumanes finden wie dies, dass er vorgeschrieben hat, den Glauben, den er predigte, durch das Schwert zu verbreiten“. Die islamische Welt stand Kopf.
    Zum Glück…

  7. Die Moral wird doch nur vorgetäuscht. In Wahrheit geht’s knallhart nur um Geld, Macht und auch um Sex. Moral ist für’s Fußvolk, damit es das Maul hält und spurt. Eine echte humanitäre Grundhaltung ist komplett was anderes, solange sie mit Vernunft einhergeht. Unsere Gesellschaft merkelt sich moralisch zu Tode. Das kann weg!

    • Sie haben zu 100% recht, dabei ist es schon ein alter Hut den Sie da schreiben. Schon Jesus nannte die damaligen Merkels und Co. Heuchler und dafür musste Jesus sterben und schickte das Volk vor. Kommt einem das im 21. Jahrhundert nicht bekannt vor und das nicht zum ersten mal ? Wiederholt sich die Bibel immer wieder ?

  8. Ich mag diesen Benedict XVI. Sein feinsinniger, oft unterschwelliger Humor / Sarkasmus hatte immer etwas. ^^
    Wie der Inhalt seiner Gebete aussieht wage ich mir nicht einmal vorzustellen, aber ich glaube kaum das er für das Wohl des jetzigen Bischofs von Rom dabei viele Wünsche vergeudet. ^^
    In meinen Gebeten ist Benedict XVI. jedoch regelmäßig vorhanden.

  9. Wer sich mit dem Buch beschäftigt, dürfte feststellen, weshalb die hier genannten dt. Medien, systemkonform wie immer in den letzten Jahren, eher einen Bogen darum machen. Umso wertvoller die darin geäußerten Gedanken. Wenn ich zudem bedenke, was man selbst einem Ex-Papst alles zur Lektüre vorlegt, spricht es obendrein für Horst G. Herrmann, gewissermaßen von Benedetto „geadelt“ worden zu sein.

  10. Der Philosoph und Domenikaner Bochenski hat schon vor Jahrzehnten ein Büchlein verfasst, in dem er aufzeigte, wie Karl Marx ein denaturiertes Christentum zum Kern seiner Heilslehre machte.
    Auch der Ex-Seminarist Stalin konnte einige unterirdische Prägungen nie loswerden.

  11. Schade, ganz klar! Der Benedikt musste gehen: Zu viel Islamkritik von ihm! Dafür kam der Papstdarsteller Stan Laurel/ Ähhhh Franziskus!

    So offensichtlich! Ich schäme mich als aufrechter Christ für diese momentane katholische Kirche!

    • Ihren Beitrag finde ich sehr gut, den letzten Satz würde ich gerne noch ergänzen: Man darf „die Kirche“ nicht verallgemeinern, denn auch dort gibt es konservative Kräfte, die das anders sehen, und die unter diesem wirren Despoten zur Zeit ebenfalls nichts zu lachen haben. Die RKK halte ich für unterwandert bis hinauf zum höchsten Amt!

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