(David Berger) Wenn Sie einen guten Geschichtslehrer hatten oder Leser von kritischen Büchern über die Kirchengeschichte sind, sagt Ihnen sicher der 27. Februar 380 nach Christus etwas.

Für alle anderen: Durch ein Dekret des oströmischen Kaisers Theodosius I. wurde das Christentum Staatsreligion. Das Abendland trat damit durch Verknüpfung der jüdisch-christlichen Wurzeln des europäischen Kontinents mit der griechisch-römischen Kultur in seine bislang wichtigste Lebensphase ein.

Vorausgegangen waren diesem Schritt fast 300 Jahre der Verfolgung der Christen. Das änderte sich nun innerhalb weniger Jahre.

Das Tragische: Schon kurz nach Beendigung der Christenverfolgung wurden die Christen zu Verfolgern. Die Ungläubigen waren nun nicht mehr sie, sondern die, die nicht an den Gott der Christen glauben wollten.

Die selben Beamten, die früher überprüften, ob Christen bereit waren, vor dem Bildnis römischer Götter Weihrauch zu streuen, wechselten nun nicht die Weihrauchkohlen, sondern die Götterbilder aus.

Der Furor, mit dem man zunächst die Christen verfolgte, dann die Christen das „Heidentum“ auslöschten, kommt einem in Erinnerung wenn man die Geschichte der Homosexuellen der letzten hundert Jahre in Deutschland näher betrachtet.

Der § 175 stellte nicht nur Pädosexualität, sondern auch Homosexualität unter Strafe. Im dritten Reich verschärft, landeten aufgrund dieses Paragraphen schwule Männer in den Konzentrationslagern. Die Kriminalisierung homosexueller Menschen dauerte auch nach 1945 fort. Das änderte sich erst mit der teilweisen Aufhebung des Paragraphen in den 70er Jahren. Komplett dann in den 90er Jahren.

Schwulsein wurde auf einmal „cool“. In Talkshows war es inzwischen leichter sich zu seinem Schwulsein zu „bekennen“, als zum Katholizismus.

Der Begriff „homophob“ wurde erfunden – und damit allen, die Kritik am schwulen Lebenstil übten, unterstellt, dass sie ein wenig verrückt oder einfach selbst schwul seien. Und mit ihrer Kritik an den „Schwulen“ von ihrem eigenen Schwulsein ablenken wollten.

Mit dem Siegeszug der Genderideologie, dem strategischen Gebrauch der diffusen Begriffe Hassrede und Hetze durch Linkspopulisten und schließlich der Einführung der Homoehe wurde eine neue Etappe erklommen:

War früher Homosexualität verboten, ja verpönt, wird nun Heterosexualität zunehmend verdächtigt, den gesellschaftlichen Fortschritt aufzuhalten, Kritik am schwulen Livestyle, an der Homoehe und am Adoptionsrecht zunehmend kriminalisiert und aus dem öffentlichen Diskurs komplett verdrängt. Die Verfolgten sind zu den Verfolgern geworden.

Dafür nur drei Beispiele aus den letzten Tagen:

1.) Facebook hat kurz nach dem Bundestagsbeschluss zur Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare eine Kampagnen-Seite der „JUNGEN FREIHEIT“ wegen einer Karikatur zur „Ehe für alle“ und den Chefredakteur von Deutschlands bekanntester und auflagenstärkster konservativer Wochenzeitung gleich dazu mit mitgesperrt

2.) Das, was da passierte hat längst System: Überdeutlich hat man das auch an den jüngsten Ereignissen rund um einen FAZ-Artikel gesehen:

Alleine der bloße Verdacht, ich könnte der Autor dieses unter einem Pseudonym verfassten Artikel sein, reicht aus, mich auf Twitter als „rechtsradikal“ zubeschimpfen. Woraufhin Twitter statt solche justiziablen Tweets zu löschen, paradoxerweise mir zum Vorwurf machte, auf dem sozialen Netzwerk „Hasskommentare“ zu veröffentlichen.

Da hatte dann nur noch Jakob Augstein gefehlt, der in seiner SPON-Kolumne die Vermutungen schon fast als Fakt hinstellte und als Großinquisitor die Hexenjagd noch einmal richtig befeuerte . Auffällig ist, wie viele Nannymedien-Abhängige sich sofort an der Hetzjagd beteiligten.

Das devotes Heulen der Nanny-Journalisten mit dem Oberwolf lässt einen ganz sicher sein, dass sie genauso energisch zur Jagd auf Schwarzhäutige, Sozialisten, Juden oder Muslime blasen würden, wenn es gerade dem Zeitgeist entsprechen und ihnen ihr Konto füllen würde.

Von einer ähnlichen Bigotterie, tiefen Ängsten vor der offenen Gesellschaft und davor vom Mainstream abzuweichen zeugt auch ein Kommentar, der in der „Welt“ im Zusammenhang mit der Bundestagsabstimmung zur Eheöffnung publiziert wurde. Ronja von Rönne ist die Autorin, ihres Zeichens Redakteurin im Feuilleton der „Welt“. Laut Mitarbeiterprofil ist sie ledig und hat „Kreatives Schreiben“ studiert.

Ihr Kommentar beginnt sogleich mit einem Glaubenssatz, der tief blicken lässt:

„Es gibt keinen Grund, Menschen, die die „Ehe für alle“ ablehnen, noch irgendwie höflich zu behandeln.“

Die Zeit sei nun vorbei, wo man die Homoehe einfach als ein „Diskussionsthema“ aufgefasst hat, „mit verschiedenen Seiten und Blickpunkten und Talkrunden“. Begründung: es gebe „kein einziges logisches Argument gegen die Ehe für alle“. Auf die Gefühle der Menschen, die mit Homoehe und Adoptionsrecht Schwierigkeiten haben, dürfe man ab jetzt keine Rücksicht mehr nehmen. Das sei keine Einschränkung der Meinungsfreiheit, sondern ein Kampf gegen den „Hass“ und für die „Liebe“.

Wer homophob sei und deshalb „das Gefühl hat, definitiv keinen gleichgeschlechtlichen Partner heiraten zu wollen, sollte das auch weiterhin auf gar keinen Fall tun.“ Man beachte wie niedrig die Schwelle inzwischen für den Homophobie-Vorwurf inzwischen liegt.

Solche zu homophob erklärten Kritiker der Homoehe sollen nach Frau von Roenne bitte den Mund halten und sich schamhaft in die Ecke stellen. Und für alle, die jetzt noch ein leises „Ja, aber …“ vor sich hin flüstern, hat die Autorin am Ende ihres Kommentars nur noch zwei, an Bergengruens Großinquisitor erinnernde Ausrufe: „Das ist falsch. Schluss.“

Nein, Frau von Roenne, es ist nicht Schluss. Und gerade ich als schwuler Mann lasse mir nicht von Ihnen das Wort verbieten, wenn es um eine Institution geht, die angeblich nun für mich geöffnet wurde.

Ja noch mehr. Als Demokrat, für den unser Grundgesetz wichtiges Leitmotiv seines Denkens und Handelns ist, und als Freund der offenen Gesellschaft sage ich Ihnen:

Wenn wir eines nicht brauchen, dann sind es neue GesinnungsdiktatorInnen, die Andersdenkende quasi zu Untermenschen erklären. Zu Hasspredigern, die zum Schweigen gebracht und sozial isoliert werden müssen. Sonst mache ich mal etwas, was Sie sonst nur aus Ihren Kreisen kennen: ich rufe Ihnen „Nazi“ zu!

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