Ein offener Brief an den Fußballprofi zu seinen politischen Äußerungen. Von David Berger

Herr Lahm,

in einem Interview mit der „Welt am Sonntag“ haben Sie sich am vergangenen Wochenende zur aktuellen politischen Lage geäußert. Auch wenn das nicht Ihr Fachgebiet ist, ist es doch prinzipiell erfreulich, dass Sie uns auch über die intellektuellen Anforderungen eines Fußballfeldes hinaus etwa sagen möchten.

Sie haben ihrer Befürchtung Ausdruck verliehen, „dass Deutschland nicht rechts werden darf. Dass nicht die Falschen, die Populisten, mehr Macht bekommen dürfen“.

Wenn Sie mit „rechts“ rechtsradikal gemeint haben, bin ich als Liberalkonservativer ganz bei Ihnen. Auch dass Sie sich damit schmücken, dass sie dafür gesorgt haben, „dass Deutschland ein weltoffenes Land geworden ist“, sei Ihnen gegönnt. Ein gutes Selbstbewusstsein kann einem im Feld der Körperertüchtigung und des Leistungssports ja nicht schaden.

Meine Magenschmerzen beginnen allerdings dort, wo Sie sagen: „Wir leben hier in einer gesunden Gesellschaft. Das darf nicht verloren gehen.“

Können sie das aus der Märchenwelt eines Multimillionärs wirklich sachgerecht und glaubwürdig beurteilen?

Ich sehe gerade all die vielen Menschen in diesem Land vor mir, die die derzeitigen Umstände alles andere denn als gesund empfinden. Und das aus guten Gründen.

So jenes junge Paar, das am vergangenen Wochenende in der Siegaue bei Bonn von einem Mann mit großem Messer überfallen wurde, der dann die Freundin des Mannes vor deren Augen brutal vergewaltigt hat. Bitte versetzen Sie sich in die Situation des jungen Mannes im Zelt: Gesunde Gesellschaft?

Ich denke an die Menschen, die sich kurz vor Weihnachten auf dem Berliner Weihnachtsmarkt aufhielten, bis ein LKW innerhalb weniger Sekunden deren Leben auslöschte, Familien zerstörte. Stellen Sie sich vor, Ihre Mutter wäre da mit dabei gewesen und Sie hätten von der Stadt Berlin noch vor irgendeinem Kondolenzschreiben die Rechnung der Charité in Berlin für die „Gerichtsmedizin“ bekommen. Und zu allem Überfluss hätte Sie unser Innenminister belehrt, dass Sie sich an Terroranschläge gewöhnen müssen: Gesunde Gesellschaft?

Ich denke an jene junge Asiatin, die in Ahaus brutal von einem Mann auf offener Straße mit zahllosen Messerstichen ermordet wurde. Und die für die Medien kaum von Interesse war, weil der Täter ein Migrant war: Gesunde Gesellschaft?

Ich denke – gerade auch angesichts Ihres Engagements gegen Homophobie – an die ganzen trans- und homosexuellen Menschen, die immer wieder Opfer eines muslimisch motivierten Homohasses werden: Gesunde Gesellschaft?

Ich denke an die Kinder, deren Leben für immer durch die sexuellen Übergriffe in Schwimmbädern oder anderswo beeinträchtigt sein wird. Sie sind selbst Vater eines Sohnes, wissen, wie sehr man als Vater darauf bedacht ist, sein Kind zu schützen und Unheil von ihm abzuhalten. Daher müssten Sie doch mitfühlen können, was solch ein Übergriff für die ganze Familie bedeutet: Gesunde Gesellschaft?

Alle die genannten Fälle sind nur die Spitze eines Eisbergs. Es sind nur wenige Beispiele für eine Gesellschaft, die zunehmend von barbarischer Gewalt, Gewissenlosigkeit, Verbrechen und Mord geprägt ist: Ist es wirklich angemessen, das mit dem Begriff „Gesunde Gesellschaft“ zu verschleiern?

Kein Weinfest oder Weihnachtsmarkt mehr, die nicht unter dem Schutz von Panzersperren und schwer bewaffneter Sicherheitskräfte stattfinden können, Eltern, die in großer Angst nachts zuhause auf ihre Kinder warten und dabei unter anderem das Bild des brutal zusammengeschlagenen und getöteten 17-jährigen Niklas aus Bad Godesberg vor Augen haben. Frauen jeden Alters, die sich nachts nicht mehr alleine auf die Straßen trauen, weil sie an Maria L. in Freiburg denken müssen. Die Liste ließe sich unendlich fortsetzen.

Aus den vielen „Einzelfällen mit regionaler Bedeutung“ wird ein großes Panorama, das den erdrutschartigen Verfall einer einst hoch zivilisierten Gesellschaft zeigt, in der Sie noch aufwachsen durften und die sie zu dem gemacht hat, was Sie heute sind, Herr Lahm.

Und wissen Sie, unter welchem Etikett dieses Grauen erst möglich wurde? Dem des „weltoffenen Landes“, für das sie so eifrig werben und das uns in den offenen Grenzen Angela Merkels als Karikatur mit bösen Folgen gegenüber tritt. Ihre Rede von einer gesunden Gesellschaft wird vor diesem Hintergrund zu einer schlimmen Verhöhnung der Opfer.

Herr Lahm, indem Sie auf die tatsächlich sehr geringe Gefahr eines Rechtsrutsches in Deutschland hinweisen, gleichzeitig aber über all die Opfer der letzten Jahre seit dem Sommer 2015 desinteressiert hinwegsehen, kommen Sie mir vor, wie eine Frau, deren ganzes Haus brennt, die aber die Feuerwehr nicht ruft, weil ihre größte Sorge darin besteht, dass die Platte ihrer Biedermeier-Kommode etwas staubig ist.

Sie sind ein beeindruckender Fußballspieler, haben auch durch Ihr Engagement gegen Homophobie gezeigt, dass Sie durchaus auch politisch denken können: Machen Sie sich Ihren guten Ruf nicht dadurch kaputt, dass Sie sich nun in solch ideologischer Weise aufs politische Feld wagen.

Wie wird es sein, wenn ihre Kinder und Enkel später einmal nicht nach Ihren Weltmeistertiteln, sondern angesichts der Deutschland dann beherrschenden Scharia fragen: Warum hast Du damals nichts dagegen getan, als es noch möglich war? Ja, hast Du vielleicht sogar durch Deine Äußerungen dazu beigetragen, dass Kinderehen, zwangsverschleierte Frauen usw. zu unserem Alltag gehören?

**

Der Beitrag hat Ihnen gefallen? Dann erfahren Sie hier, wie Sie diesen Blog unterstützen können: ⇒⇒⇒ Mein Beitrag für PP

***

Foto: (c) Football.ua , CC BY-SA 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0), via Wikimedia Commons

34
Hinterlassen Sie einen Kommentar

avatar
400
19 Comment threads
15 Thread replies
0 Followers
 
Most reacted comment
Hottest comment thread
23 Comment authors
hubertschmitzmailOld-Mantruckeropa66bewareWerner Olles Recent comment authors
  Abonnieren (alle Kommentare oder nur meine Kommentare)  
neueste älteste beste Bewertung
Ich möchte benachrichtigt werden zu:
hubertschmitzmail
Gast

Viel zuviel Aufhebens um die Worte eines Menschen, der fast alles in den Beinen hat…

Werner Olles
Gast
Werner Olles

Von einem Fußballer intellektuelle Leistungen zu erwarten ist illusorisch. Er soll gefälligst Tore schießen oder je nach dem verhindern, aber ansonsten möglichst den Mund halten. Im übrigen spielt diese Fremdenlegionärstruppe – genannt „Die Mannschaft“ – nicht für Deutschland sondern für Kohle.

Susanne Hahler
Gast
Susanne Hahler

Herr Lahm hat ja nun eigentlich eher das Image, einer der wenigen Fußballmillionäre zu sein, die bodenständig geblieben sind. Allerdings hat er aufgrund seiner Prominenz wohl kaum die Gelegenheit, außerhalb seiner eigenen Welt mit „normalen“ Mitmenschen in Kontakt zu treten. Dies ist anscheinend das Problem vieler Prominenter, die den Durchschnittsbürger ständig mit viel Getöse über die richtige politische Einstellung belehren. Sie bewegen sich fast ausschliesslich innerhalb eines auserwählten Kreises und haben mit dem realen Leben kaum Berührungspunkte, sind aber trotzdem der Meinung, mehr Urteilsvermögen zu besitzen als der Rest der Bevölkerung. Sie sind aber auch diejenigen, die am wenigsten von… Mehr lesen »

Andrea Ebel
Gast
Andrea Ebel

Chapeau, Herr Berger, wie immer auf den Punkt getroffen! Aber aufgrund des finanziellen und sozialen Status von Herrn Lahm kann ich mir nicht vorstellen, dass er die Empathie besitzt, die Situation und das unvorstellbares Leid der Betroffenen nachzuvollziehen. Die Elite lebt in einer anderen Welt!

trackback

[…] Philipp Lahm, Sie vergessen die Opfer der grenzenlosen „Weltoffenheit“ Deutschlands! […]

Kathrin
Gast
Kathrin

Danke, David Berger, der Brief spricht mir aus dem Herzen. Wenn es Philipp Lahm wirklich um seine Mitmenschen gehen würde, hätte er genau über die von Ihnen angesprochenen Themen gesprochen – und nicht über Parteipolitik, wovon er nichts versteht

Norbert Zöchling
Gast
Norbert Zöchling

Herr Berger, was sagen sie zum Missbrauch von Kindern in der katholischen Kirche durch Kircgenmännern?
Oder kann man diese Kinder vergessen. Es sind jedenfalls mehr als durch Migranten belästigt wurden.

Und werden alle die nicht konform gehen mit ihrer Meinung geblockt und Kommentierfunjtion entzogen. Ist das ihre Ansicht von Meinungsfreiheit oder schon Zensur?

Karl Seegerer
Gast
Karl Seegerer

Man darf annehmen, dass Lahm nicht aus eigenem Antrieb diese undifferenzierte angeblich moralische Stellungnahme abgegeben hat. Zu bedenken ist, dass der FC Bayern eng mit Stoiber verbunden ist, aber auch mit Autofirmen, die von Frau Merkel, was eine saubere Umwelt betrifft, weitgehend von jedem Druck verschont wurden.
Leute, denen die Fußballbundesliga, abgesehen von seltenen Aktionen ganz weniger Spitzenkönner, zu langweilig ist, sollten solche Statements als Missbrauch der Prominenz ansehen, wie zuvor schon beim vorbestraften Hoeneß, und ihre Zeit sinnvoller als z.B. mit Zuschauen auch beiSky-Übertragungen verbringen.

Giselle
Gast

Bravo David gegen Goliath. Ich habe mich über Herrn Lahm auch aufgeregt, er leidet unter der bekannten neuen Krankheit sie heißt Realitätsverlust. Das passiert mit Menschen, die genug Geld haben. Sie können nicht an andere denken, pure Egoismus.

Tom HH
Gast
Tom HH

ich fand Lahm immer toll – aber das Interview und die peinlichen Aussagen am letzten WE waren echt die große Enttäuschung. Philipp, ich hätte Dir mehr Rückgrat zugetraut!

marion hartmannsweier
Gast
marion hartmannsweier

@tornado
4. April 2017 um 20:27

Verehrter tornado: wir, die Kunden, Verbraucher haben die Macht: Konsumboykott dieser Sternchen und Künstler. Kleine CD´s/DVD kaufen, keine Konzerte dieser sogenannten weltoffenen Heinis besuchen (BAP-Naas Niedecken, Grönemeyer, Maffay, Prinzen, die von ihnen genannten, Schweiger und viele mehr) , die selbst in Gated Communities leben und nie mit den von der Regierung reingeholten „gewünschten Neubürgern“ in Berührung kommen werden.

VincentGdG
Gast
VincentGdG

Hat dies auf Was mich bewegt rebloggt.

Eckart Haerter
Gast

Herr Lahm ist schwer in Ordnung. Ein hoch anständiger Mensch, Spitzensportler und Vorbild für die Jugend. Aber Promis wie er, wie Spitzen-Schriftsteller und Spitzen-Schauspieler, leben in einer Parallelgesellschaft. „Ihr wandelt droben im Licht, auf weichem Boden, selige Genien. Glänzende Götterlüfte rühren euch leicht, wie die Finger der Künstlerin heilige Saiten“, wusste schon Hölderlin. „Rechts“ heisst erstmal gar nichts. Und Schubladendenken ist auch grobe Vereinfachung, die nicht weiterbringt. Alle Gutmenschen brüllen AfD = Nazis. Das ist mit Sicherheit nicht wahr und müsste tatsächlich mit Programmpunkten konkret belegt werden. Und das tut keiner. Was Frau Merkel und ihre zahllosen Helfer mit Deutschland… Mehr lesen »

Simone Janas
Gast
Simone Janas

Diesen Brief kann ich ohne weiteres unterschreiben! Vielen Dank, Herr Berger!

Jürgen Fritz
Gast

Philipp Lahm huligt völlig kritiklos und undifferenziert der „Weltoffenheit“ und warnt vor „Rechtspopulismis“. Weil genau das ja auch die große Gefahr unserer Zeit darstellt. (Manchmal frage ich mich wirklich, über wie wenig Geist und Durchblick man verfügen und trotzdem steinreich und höchst populär werden kann. Oder ist dies inzwischen genau die Voraussetzung hierfür?)

Gut, David, daß du dazu Stellung beziehst und Haltung zeigst. Das ist wichtig, daß solche Äußerungen von völlig entrückten Multimillionären, die in ihren Villen residieren, mit Porsche oder Ferrari durch die Gegend rauschen und immer gut beschützt sind, nicht kommentarlos stehen bleiben.

Luther
Gast
Luther

Sich vor den Karren sperren zu lassen ist echt l a h m !Fehlt nur das er auch ein Flüchtlingsheim bauen möchte .Stellt euch vor,es würde ein Fußball Star Wahlwerbung für die AfD machen,

Ede Kowalski
Gast
Ede Kowalski

Inwiefern ein Fussballer, welcher außer einem mittleren Realschulabschluss über keine weitere Ausbildung verfügt und auch noch keiner wirklich wertschöpfenden Tätigkeit (außer Fußball spielen) nachgegangen ist, prädestiniert sein soll über eine Demokratisch legitimierte Partei ein Urteil zu fällen, erschließt sich mir nicht mal ansatzweise. M.E. wurde ihm sein Standpunkt von Systemgünstlingen zwecks populistischer Stimmungsmache, „in den Mund gelegt.“

truckeropa66
Gast

Jetzt auf eine Antwort warten! Wenn er Charakter hat, dann müsste Sie ja kommen. Gewähren wir ihm die zeit des Postwegs! Also sollte spätestens in 3 Tagen eine Antwort vorliegen.

marion hartmannsweier
Gast
marion hartmannsweier

Die rückwärts gewandte Denk- und Handelsweise der „Neubürger“ machen an der deutschen Grenze nicht halt.

Deutschland WIRD sich mit diesen von der christlich und sozialen Regierung gewünschten Neubürger vorwärts in die Vergangenheit bewegen!

Wenn das eine „gesunde Gesellschaft“ sein soll, dann war ihre Aussage ganz schön lahm, Herr Lahm!

PS. Übrigens, die politischen Schädlinge, die Deutschland in ein kriminelles und rückwärtsgewandtes Drecksloch verwandeln, sind ebensolche Populisten!