(IAKSEITE/Jörg Schmidt)  Die Situation scheint immer brenzliger, ja gar regelrecht außer Kontrolle geraten. Aber, ist das wirklich so? Oder, werden da politisch-strategische Interessen verschiedenster Seiten bzw. Regierungen bedient? Hier der Versuch einer Analyse:

Begonnen hat die Geschichte mit Diskrepanzen zwischen deutschen Politikern und der türkischen Regierung wegen der Pläne türkischer Minister zu Wahlkampfauftritten in Deutschland. Hintergrund ist das in der Türkei bevorstehende Referendum zur Änderung der türkischen Verfassung, die die Türkei von einer parlamentarischen in eine präsidiale Republik verändern soll.

Und Tayyip Erdogan will unbedingt der erste türkische Präsident mit diesen dann erweiterten Vollmachten sein. Umfragen in der Türkei sagen inzwischen ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Befürwortern und Gegnern der neuen Präsidialverfassung voraus.

Das bedeutet für Erdogan, dass für die Erfüllung seines ewigen Traumes, allmächtiger Präsident der Türkei zu sein, jede Stimme zählt. Und zwar auch und vor allem jede „türkische“ Stimme außerhalb seiner Republik. Und da er in seinem Verständnis Präsident aller Türken in und außerhalb der Türkei ist, sind für ihn Wahlkämpfe in Europa und auch anderswo, wo auch nur eine einsame türkische Seele leben mag, selbstverständlich, ja geradezu logisch!

Schon in der Vergangenheit hat es die deutsche Regierung ohne großes Murren geschweige denn Widerstand akzeptiert, wenn türkische Minister oder auch Präsident Erdogan höchstselbst für einen Wahlkampfauftritt nach Deutschland kamen und ganze Stadien mit ihren Anhängern füllten. Man könnte diesbzgl. schon von einer jahrelangen Praxis sprechen. Es war einfach Usus!

Doch in diesem Jahr ist alles anders. Die verbale Empörung deutscher Politiker über diverse türkische Minister-Auftritte, flankiert von medialen Aufreger-Schlagzeilen, fiel diesmal recht lautstark und vor allem anhaltend aus. Folglich wurden vollmundig aus allen deutschen politischen Formationen Auftrittsverbote für die türkischen Minister in Deutschland gefordert.

Doch Merkel übte sich gerne wieder in altbekannter deutscher Großmut und erteilte jedem Aussprechen von Auftrittsverboten von Seiten der deutschen Regierung eine Absage.

Dass dann jedoch die ein oder andere Wahlveranstaltung trotzdem ausfiel, und somit auch einige geplante Auftritte der türkischen Minister nicht stattfinden konnten, war dann aber der seitens der deutschen Polizei und anderen Behörden zugrunde liegenden prekären Sicherheitslage an den Veranstaltungsorten geschuldet und eben nicht einem vermeintlichen Widerstand der deutschen Regierung.

Ein schlauer Schachzug? Oder doch Teil eines größeren strategischen Planes?

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4 Kommentare

  1. Was früher schon falsch war, ist, weil es zum „Usus“ wurde, nicht heute richtig. Türkischer Wahlkampf hat in Deutschland und sonst außerhalb der eigenen Grenzen nichts zu suchen. Nicht nur Rutte hat nun ein Machtwort gesprochen, sondern auch in Österreich will man diese türkichsch Form des Kolonialismus nicht mehr. Ebenso hat Dänemark in Solidarität zu den Niederlanden reagiert. Natürlich spielen immer machtpolitische Interessen eine Rolle; deswegen muß man aber nicht jedes politische Geschehen als verschwörerische Inszenierung präsentieren. Die Türkei hat einfgach massive wirtschaftliche Probleme (vgl. den Beitrag F. Schaefflers auf Tichys Einblick); und es sind meist solche Schieflagen, die außenpolitische Pappkameraden aufbauen und umnieten lassen.

  2. Man hat die Türken nicht gebraucht als Gastarbeiter, aber auf Druck der USA reingelassen aus NATO-Gründen damals Ende der 60er.

    Aber wir hatten in 1973 bei Anwerbestop nur 300.000 Türken hier, immerhin Gastarbeiter; wieso konnten die sich auf gesichtet 10 Mio (die offiziösen Zahlen sind doch schon lange Lüge, wo Kohl 1982 bereits 2 Mio. Türken zurückschicken wollte) vermehren??

    Durch den rein humanitär gedachten Familiennachzug aus 1975, der dann von nachfolgend einwandernden Türken, die gar keine Gastarbeiter mehr waren (auf die vielen kleinen Türken-Klitschen, mit oft fragwürdiger Steuer- und Abgabe-Praxis, in Telefon, Obst- Lebensmittel-Branche kann man gerne verzichten), genutzt wurde zur Millionen-Invasion ins Sozialabstauber-Paradies BRD.

    Und obwohl seit Jahrzehnten die Umfragewerte der Deutschen eindeutig gegen Türken, zu viele Ausländer u.ä. ausfallen, kommt das in den Wahlurnen regelmäßig NICHT an, so blöd ist das Volk oder gleichgültig, denn auch genug „rechte“ SPD-Wähler sind keine Türkenfreunde, siehe, was Guido Reihl aus Essen so für eine Entwicklung machte und an Partei-Erfahrungen mitteilte.

    Es nützen eben die besten Umfragen nicht wie auch jetzt (91% gegen Wahl-Auftritte türkischer Politiker), wenn der Wahlpöbel es wieder vermasselt. Die herrschende Politikerkaste kann sich deswegen bei 80% pro Merkel und Co. über die negativen Mechanismen der indirekten Demokratie sicher sein, wietermachen zu können wie bisher.

    Und daß Volksabstimmungen wenig nutzen, wenn bei den Parteiwahlen zu den Parlamenten zu 70% das Gegenteil gewählt wird, zeigt die Schweiz, wo die Zustände kaum anders sind als bei uns.

  3. Wenn man das ganze Geschehen und die vielen Meinungen und Kommentare hört und liest, dann komt man sich ein bisschen vor wie bei einer Wrestling-Show ! (nur viel billiger inszeniert!) Gewaltige Hiebe, viel Getöse, vie Grrrr, viel Auuuu, aber im Grunde nur gut bezahlte Stuntmans/Schauspieler…..Abgesehen davon, das unsere Akteure evtl. nicht die Beherrschung eines Wrestlers haben, dann wirkt das Ganze doch sehr skuriel und eher makaber. Aber es erfüllt seinen Zweck : Schauspiel für’s Volk !

  4. Es sieht doch ganz nach Böhmermann-Taktik aus. Man weiß dass Erdoğan gebraucht wird, um Europa vor seiner Menschenrechtskonvention zu schützen. Also prügelt man auf Erdoğan ein, was das Zeug hält. Medien leben von Skandalen und Unfrieden.

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