Ein Gastbeitrag von Jürgen Fritz

Es ist eine gute alte Tradition, die in modernen Tagen leider viel zu wenig beherzigt wird, dass sich Menschen zum Jahreswechsel a) Gedanken machen über das vergangene Jahr, dieses Revue passieren lassen, was es ihnen gebracht, was sie von dem, was sie erreichen wollten, tatsächlich erreicht haben und was nicht, und b) was sie sich für das neue Jahr vornehmen.

Solche Reflexionen und Antizipationen halte ich für sehr wichtig, weil sie uns helfen, unserem Leben eine Ausrichtung zu geben, es nicht blind dahinzuleben, um dann irgendwann erschrocken festzustellen, dass es fast schon vorüber ist. Wie wir aus der Psychologie wissen, ist es übrigens so, dass Menschen deutlich überschätzen, was in kürzeren Zeiträumen, z.B. einem Jahr möglich ist, aber extrem unterschätzen, was in längeren Zeiträumen, z.B. fünf, zehn oder zwanzig Jahren erreichbar ist, sofern man es schafft, beharrlich an einem Vorhaben zu arbeiten. Mein Motto für 2017 und auch die kommenden Jahre habe ich gefunden:

„Es ist ehrenvoller, an etwas Großem zu scheitern als etwas Kleines zu meistern“

schreibt Jörg Lauster, systematischer Theologe und Religionsphilosoph, in seinem fulminanten Buch Die Verzauberung der Welt – Eine Kulturgeschichte des Christentums. Gemäß diesem Motto werden meine Ziele – abgesehen von wieder mehr Sport treiben – alles andere als kleine sein.

Natürlich muss Merkel weg, natürlich müssen die rot-rot-grünen faschistoiden Spinner marginalisiert werden. Das sind vielleicht große, aber noch nicht ganz große Ziele. Ich finde, wir sollten noch viel mutiger sein und uns noch viel mehr wünschen und auch vornehmen.

Vor einigen Monaten habe ich in meinem Essay Rousseau und Kant statt Mohammed  ein Plädoyer für den Konservatismus gehalten. Heute möchte ich dem Progressivismus huldigen. Denn vielleicht gilt es ja beide zu versöhnen, auf höherer Ebene zusammenzuführen und eine Synthese zu schaffen, sie im dialektischen, im Hegelschen Sinne aufzuheben: 1. aufheben im Sinne von das Gute an beidem zu bewahren, 2. aufheben im Sinne von das Schlechte an beidem zu zerstören und 3. aufheben im Sinne von emporheben.

Lasst uns also das Gute bewahren, insbesondere die Ideen der Aufklärung, die in Europa, in der europäischen Geistes- und Kulturgeschichte entstanden sind und von da die halbe Welt eroberten, wenn nicht mehr.

⇒ Aufklärung heißt im Grunde nichts anderes als denken lernen, selber denken lernen und nicht gedacht zu werden.

⇒ Aufklärung heißt keine Marionette der Mächtigen und Herrschenden zu sein, sondern ein freier, mündiger, selbstbewusster, mitbestimmungsfähiger und –williger Staatsbürger zu sein.

⇒ Aufklärung heißt aber auch, das Licht auf sich selbst zu werfen, sich und all seine Präsuppositionen, seine impliziten, oft nicht bewussten Voraussetzungen, seine Vorurteile kritisch zu reflektieren und die falschen darunter versuchen loszuwerden, sich von ihnen zu befreien, auch wenn man sie oft rein aus Gewohnheit lieb gewonnen hat.

Das ist übrigens der tiefste Sinn von Freiheit und Befreiung überhaupt, den leider bislang nur sehr wenige verstanden haben. Lasst uns das ändern. Lasst uns die Welt, lasst uns die Menschen aufklären und lasst uns damit bei uns selbst anfangen.

Ist das konservativ oder progressiv? Vielleicht beides zugleich. Lasst uns also konservativ und progressiv sein und bei uns selbst prüfen, was es wert ist, bewahrt zu werden – das ist viel, viel mehr als vielen bewusst ist -, und was weiterentwickelt werden muss.

Aus der Aufklärung ist so viel Wertvolles und Wunderbares entsprungen, das wir bewahren sollten: 1. der Liberalismus, das Freiheitsdenken, 2. die Gewaltenteilung, um die Macht in den Händen der Herrschenden zu begrenzen, insbesondere 3. die Trennung von Staat und Religion, 4. ganz besonders die unveräußerlichen, universalen Menschenrechte:

„Die Menschen werden frei und gleich an Rechten geboren und bleiben es. Gesellschaftliche Unterschiede dürfen nur im allgemeinen Nutzen begründet sein“,

heißt es in Artikel 1 der Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte der französischen Nationalversammlung vom 26. August 1789. In der modernen Fassung der Menschenrechtserklärung von 1948 heißt es dann in Artikel 1:

„Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren. Sie sind mit Vernunft und Gewissen begabt und sollen einander im Geist der Brüderlichkeit begegnen.“

Hier taucht der Begriff der Würde auf, der 1789 noch gänzlich fehlt. Das hängt damit zusammen, dass dieser Begriff, den bislang nur die wenigsten verstehen – auch das gilt es zu ändern! -, einer der schwierigsten überhaupt ist. Es bedurfte eines Immanuel Kant, des größten und wohl einzigen Denkers der Moderne, der mit Sokrates, Platon und Aristoteles auf einer Stufe steht, um herauszuarbeiten, was Würde bedeutet und warum nur der Mensch über eine solche verfügt.

Dies hängt damit zusammen, dass nur der Mensch über Selbstbestimmungsfähigkeit verfügt, was wiederum mit der oben beschriebenen Fähigkeit zu tun hat, sich von seinen eigenen Präsuppositionen, seinen impliziten Voraussetzungen und falschen Vorurteilen, seinen Fehlprogrammierungen selbst befreien zu können, was wiederum Reflexionsvermögen voraussetzt. Der Mensch kann sich quasi von seinen inneren Dämonen selbst befreien. Dazu muss er sie zunächst erkennen können und dazu bedarf es des Verstandes, um die Zusammenhänge zu erkennen, und zusätzlich der Vernunft, um beurteilen zu können, was Dämon und was gut ist. Zu den Dämonen gehören bisweilen auch religiöse Vorstellungen. Dazu später mehr.

Die Grund-, Bürger- und Menschenrechte gehören also zum Bewahrenswerten. Sie müssen konserviert, tradiert, erhalten werden. Und dazu gehört noch mehr als a) die persönliche Freiheit, b) die Gleichheit an Würde und an Rechten und c) der Geist der Brüderlichkeit. In Artikel 2 der der Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte von 1789 heißt es:

„Der Zweck jeder politischen Vereinigung ist die Erhaltung der natürlichen und unantastbaren Menschenrechte. Diese sind das Recht auf Freiheit, das Recht auf Eigentum, das Recht auf Sicherheit und das Recht auf Widerstand gegen Unterdrückung.“

Und in Artikel 4 lesen wir dann:

„Die Freiheit besteht darin, alles tun zu dürfen, was einem anderen nicht schadet: Die Ausübung der natürlichen Rechte eines jeden Menschen hat also nur die Grenzen, die den anderen Mitgliedern der Gesellschaft den Genuss ebendieser Rechte sichern. Diese Grenzen können nur durch das Gesetz bestimmt werden.“

Artikel 4 der Erklärung von 1948 verbietet jede Form von Sklaverei und Sklavenhandel, ist diese doch die extremste Form der Unfreiheit und steht im krassesten Widerspruch zu den Menschenrechten. Weltanschauungen und Gesellschaftssysteme, die diese gutheißen oder gar darauf aufbauen, müssen von diesem Planeten verschwinden (progressives Moment) und dürfen dann niemals zurückkehren, das heißt, dieses geistig-moralische Level gilt es nie wieder zu verlieren (konservatives Moment).

Artikel 5 verbietet die Folter, weil diese der Würde, der Selbstbestimmungsfähigkeit des Menschen widerspricht, wenn der Körper gegen seinen Geist eingesetzt wird, um dessen Willen zu brechen, was zu einer inneren Entzweiung führt und damit seine Selbstbestimmungsfähigkeit, seine Würde zerstören soll:

„Niemand darf der Folter oder grausamer, unmenschlicher oder erniedrigender Behandlung oder Strafe unterworfen werden.“

Die Folter muss von diesem Planeten verdammt werden. Kein Mensch soll Angst haben, dass andere, nur weil sie mächtiger sind, ihn foltern dürfen (progressives Moment).

Artikel 11 der Erklärung von 1789 schützt die Gedanken- und Meinungsfreiheit, ein essentielles Grundrecht in demokratisch verfassten Republiken:

„Die freie Äußerung von Gedanken und Meinungen ist eines der kostbarsten Menschenrechte: Jeder Bürger kann also frei reden, schreiben und drucken, vorbehaltlich seiner Verantwortlichkeit für den Missbrauch dieser Freiheit in den durch das Gesetz bestimmten Fällen.“

Die Gedanken- und Meinungsfreiheit gilt in weiten Teilen der Welt nur sehr begrenzt und wird auch bei uns in Deutschland und der westlichen Welt von unserer aktuellen Regierung und ihren Hintermännern immer mehr ausgehöhlt. Dieser Entwicklung gilt es entschieden den Kampf anzusagen!

All diese Errungenschaften gilt es zu bewahren (konservatives Moment) und auch gegen Angriffe und Untergrabungsversuche zu verteidigen. Darüber hinaus müssen wir diese Errungenschaften in die Welt hinaustragen und daran arbeiten, dass diese Rechte allen Menschen zu Teil werden und nicht nur uns, die wir zufälliger- oder glücklicherweise hier in Europa, Nordamerika oder Australien geboren wurden (progressives Moment).

Weitere progressive Vorsätze, die ich mir für 2017 und weit darüber hinaus vorgenommen habe, sind: 1. die Macht des Islam muss sukzessive gebrochen werden, weil er all diesen Errungenschaften der Aufklärung diametral entgegensteht. Langfristiges Ziel muss sein, dass der Islam ganz von diesem Planeten verschwindet. Der ethische Subjektivismus und (kulturelle) Relativismus müssen überwunden werden (progressives Element). Warum?

Andere Menschen zu versklaven, zu unterdrücken, sie zu foltern, ihren Willen zu brechen, ihre Selbstbestimmungsfähigkeit und damit ihre Würde nicht zu achten und viele andere Dinge mehr sind nicht nur aus rein subjektiver Sicht schlecht und verwerflich und auch nicht nur relativ, sondern objektiv und absolut. Das hat nichts mit Standpunkten und Perspektivität zu tun. Sklaverei, Unterdrückung, Folter und Missachtung der Würde des anderen können aus keiner einzigen Perspektive ethisch, das heißt vernünftig gerechtfertigt werden.

Der Subjektivismus und Relativismus schwächen unsere Gesellschaft von innen heraus, weil sie zu einer gewissen Gleichgültigkeit und Beliebigkeit führen, wenn alles irgendwie okay oder nur relativ gut oder schlecht ist und nichts absolut verdammt wird. Damit wird unser gesellschaftliches Immunsystem gelähmt. Deshalb müssen diese metaethischen Positionen gebrochen werden. Dafür will ich die nächsten Jahre kämpfen.

Religiös-politische Weltanschauungen, in denen so viel Dummheit manifestiert ist, dass sie nicht einmal verstehen, was die Menschlichkeit des Menschen ausmacht, die Menschen zu Tieren und Knechten degradieren wollen, die keine Achtung haben vor der Selbstbestimmungsfähigkeit des Menschen und damit vor seiner Würde und Freiheit, müssen transzendiert, müssen überwunden werden (progressives Element). Dabei bedeutet Freiheit in der letzten Stufe immer, sich freiwillig, aus innerer Einsicht – nicht aus äußerem Zwang oder permanentem Angst einjagen! – von seinen egoistischen Interessen zu befreien und sich dem objektiv Guten zu unterwerfen.

Den Menschen, die an solchen menschenfeindlichen Weltanschauungen hängen, weil man sie ihnen von klein auf eingepflanzt hat, müssen wir helfen, sich davon zu befreien, damit aus potentiellen Menschen, also von Natur aus zur Selbstbestimmung fähigen Wesen, auch echte, ganze Menschen werden, das heißt freie Wesen, die um ihre Würde wissen.

Dafür will ich mich 2017 und in den Folgejahren einsetzen. Das ist mein guter Vorsatz. Zu große Ziele? Mag sein, aber

es ist ehrenvoller, an etwas Großem zu scheitern als etwas Kleines zu meistern. Wenn aber viele zusammenwirken und an einem Strang ziehen, kann manchmal auch Großes gemeistert werden. Lasst uns zusammen mutig und anspruchsvoll sein!

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jurgen-fritzZum Autor: Jürgen Fritz  studierte Philosophie (Schwerpunkte: Erkenntnistheorie und Ethik), Erziehungswissenschaft, Mathematik, Physik und Geschichte (Lehramt). Für seine philosophische Abschlussarbeit wurde er mit dem Michael-Raubal-Preis für hervorragende wissenschaftliche Leistungen ausgezeichnet.

Inzwischen ist er als freier Autor tätig. Er gehört mit zu den regelmäßigen Gastautoren von Philosophia perennis.