Schon kurz nach den zwei Sprengstoffanschlägen in Dresden, auf eine Moschee und auf das Kongresszentrum der sächsischen Landeshauptstadt, waren sich Politiker und vor allem Medien einig:

Wir haben es hier mit größter Wahrscheinlichkeit mit einem Anschlag Rechtsradikaler zu tun. Der „Tagesspiegel sprach von einer neuen Qualität rechter Gewalt und erwähnte fast im gleichen Atemzug, dass es in Dresden ja die Demonstrationen der Islamgegner von Pegida gebe. Besonders Politiker der Linkspartei nutzen die Chance, die schlimmen Geschehnisse parteipolitisch zu instrumentalisieren

Doch diese von einigen geradezu herbei gesehnte Zuordnung der Täterschaft ist im Laufe der vergangenen Nacht ganz erheblich ins Wanken geraten. Auf der linken Internetseite „Indymedia“ ist nämlich ein Bekennerschreiben aufgetaucht, das – sollte es tatsächlich von den Tätern oder aus deren Umkreis stammen – eine ganz andere Zuordnung nahe legt. 

Nach diesem Bekennerschreiben stammen die Täter der Sprengstoffanschläge auf eine Moschee und das Kongresszentrum in Dresden aus einer Antifa-Gruppe

Inzwischen wurde das Scheiben von den Seitenbetreibern sehr schnell gelöscht. Ein für Indymedia sehr außergewöhnlicher Vorgang, da die Seite dafür bekannt ist, sogar rechtswidrige Inhalte nicht zu entfernen – selbst dann nicht, wenn sie das Leben von Menschen gefährden. Offensichtlich passte das Bekennerschreiben dem eng mit Linksextremen verbandelten Netzwerk so gar nicht ins Konzept.

Der auf Indymedia veröffentlichte Text stammt angeblich von der Antifa. Man habe mit den Anschlägen gegen das gemeinsame Auftreten von Rassisten, Nazis und „Bullen“ in Dresden und Bautzen – und das gleichzeitige Wegschauen der politisch Verantwortlichen ein Zeichen gegen Rassismus und Deutschtümelei setzen wollen.

Am kommenden Nationalfeiertag sollen in Dresden die Feiern zur Einheit Deutschlands stattfinden und damit auch der Fall der Mauer 1989 gefeiert werden. Indirekt wird damit auch des Zusammenbruch der Sowjetunion und damit des größten geschichtlichen Fiaskos gedacht, das linke Ideologien bislang erlebten.

Inhaltlich wäre also ein linksradikaler Anschlag durchaus denkbar. Zumal die linksradikalen Gewaltverbrechen in den letzen Jahren drastisch angestiegen sind.

Andererseits passen die islamkritischen und pro-israelischen Aussagen in dem Bekennerschreiben nicht zu dem v.a. bei Linkspopulisten und -radikalen stark verbreiteten Antisemitismus.

Die in dieser Frage gut unterrichtete Internetplattform Metropolico bemerkt allerdings: 

„Der Text ist im Duktus von antideutschen Linksextremisten verfasst. Die »Antideutschen« sind eine nach der Wiedervereinigung entstanden Minderheitsströmung der linksextremistischen Szene. Ihre Anhänger glauben, dass von Deutschland und dessen nationalistischen Bewohnern eine besondere Gefahr für den Frieden ausgeht und wollen das Land daher auflösen.

Gleichzeitig unterstützen sie – im Gegensatz zum antiimperialistischen Mainstream der Szene – Israel als Heimatstätte der Juden und die USA als dessen Schutzmacht. »Antideutsche“ sehen die deutsche Gesellschaft gleichzeitig als von Judenfeindlichkeit durchdrungen an und erheben diesen Vorwurf auch gegen die von linken »Antiimperialisten« vorgebrachte Kapitalismuskritik – was regelmäßig zu Konflikten bis hin zu Schlägereien führt.

„Den Islam, dem die »Antideutschen« faschistische Züge bescheinigen, sehen sie als ebenso große Bedrohung für Juden und Israel wie den Rechtsextremismus. Allerdings erschöpfte sich dessen Ablehnung bisher auf Worte. Angriffe auf Moscheen sind bisher nicht dokumentiert.“

Linke Verbände in Dresden distanzieren sich von dem Bekennerschreiben und halten es für ein Fake. Auch die „Dresdner Neuesten Nachrichten“ haben Zweifel an der behaupteten Urheberschaft, da der Text einige Rechtschreibfehler enthalte. Der sächsische Innenminister hat die Existenz des Bekennerschreibens bestätigt, wollte sich aber zu Echtheit und Inhalt nicht äußern.

Foto: (c) on [`solid]36 – sozialistische jugend kreuzberg (http://de.indymedia.org/2005/05/114174.shtml) [CC BY-SA 2.5 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.5)%5D, via Wikimedia Commons