Millionenforderung gegen Hallervorden plötzlich vom Tisch – nur ein Zufall?

(David Berger) Vor nicht allzu langer Zeit drohte Dieter Hallervordens Schlosspark-Theater noch eine Rückforderung von mehr als zwei Millionen Euro – nun ist die Forderung der Investitionsbank Berlin vollständig vom Tisch. Der erstaunliche Sinneswandel wirft Fragen auf. Bemerkenswert ist der Zeitpunkt: Erst kürzlich trat Hallervorden auf Einladung von CDU-Ministerpräsident Sven Schulze mit schroffen Tönen gegen die AfD im Landtagswahlkampf in Sachsen-Anhalt für die CDU auf – nachdem er zuvor mit seiner scharfen Kritik an Cancel Culture und politischer Bevormundung gerade auch unter AfD-Anhängern viel Zustimmung erhalten hatte.

Wer in Deutschland öffentlich vom politisch erwünschten Meinungskorridor abweicht, muss heute mit vielem rechnen: Empörungswellen, Boykottaufrufen, Auftrittsverboten, Kontokündigungen oder dem Verlust von Werbepartnern. Dieter Hallervorden kennt diese Mechanismen inzwischen aus eigener Erfahrung. Weil er sich gegen Wokeness, Cancel Culture und staatliche Bevormundung positioniert und zuletzt auch mit Sympathiebekundungen für CDU und AfD auffiel, geriet der 90-Jährige immer wieder ins Visier linker Aktivisten und eines Teils der Medien.

Vor diesem Hintergrund sorgte eine bereits etwas ältere Nachricht in den letzten Tagen erneut für erhebliches Aufsehen: Die Investitionsbank Berlin (IBB) verlangte von Hallervordens Schlosspark Theater die Rückzahlung von Corona-Hilfen in Höhe von mehr als 2,2 Millionen Euro. Begründet wurde dies zunächst mit einer angeblich unzureichenden Mitwirkung bei der Schlussabrechnung.

Für ein privat finanziertes Theater wäre eine solche Summe existenzbedrohend gewesen. Doch dann geschah etwas Erstaunliches. Nach erneuter Prüfung erklärte die IBB auf einmal sämtliche Rückforderungsansprüche für erledigt. Sämtliche Unterlagen seien geprüft worden, weitere Forderungen bestünden nicht mehr. Aus einer millionenschweren Bedrohung wurde binnen kurzer Zeit ein vollständig erledigter Vorgang. Natürlich ist es möglich, dass alles seine bürokratische Richtigkeit hatte. Die IBB verweist darauf, dass bundesweit Corona-Hilfen überprüft werden und entsprechende Verfahren bis 2027 laufen. Auch Fehler und Missverständnisse kommen in der Verwaltung vor.

Kritik an Cancel Culture – und dann auf einmal eine Millionenforderung

Dennoch drängen sich Fragen auf. Warum wurde überhaupt eine Forderung dieser Größenordnung öffentlich bekannt, wenn sie sich kurze Zeit später vollständig in Luft auflöste? Wurden die Unterlagen zunächst fehlerhaft bewertet? Wurde vorschnell gehandelt? Oder war der Vorgang Ausdruck jener politischen Atmosphäre, in der prominente Regierungskritiker besonders aufmerksam beobachtet werden?

Diese Fragen gewinnen zusätzlich an Brisanz, weil Hallervorden in den Monaten vor der Millionenforderung immer deutlicher Position bezogen hat. Seine Kritik an der Cancel Culture, an ideologischer Bevormundung und an der politischen Entwicklung Deutschlands fand weit über das Kulturmilieu hinaus Beachtung.  Gibt es also einen Zusammenhang zwischen Hallervordens politischen Äußerungen und der zwischenzeitlichen Millionenforderung? Bislang lautet die ehrliche Antwort: Dafür gibt es keine Belege. Niemand kann derzeit seriös behaupten, dass politische Motive hinter dem Vorgehen der IBB standen.

Und dann kam die Nachricht, dass eine erneute Prüfung der IBB sämtliche Rückforderungsansprüche für erledigt erklärt hat. Doch die Geschichte endet hier noch nicht. Nachdem er über längere Zeit mit seinen öffentlichen Äußerungen auch im AfD-nahen Milieu viel Zustimmung bekommen hatte, dann ein komplette Wende bei seinem jüngsten Auftritt im Landtagswahlkampf in Sachsen-Anhalt. Auf Einladung von Ministerpräsident Sven Schulze stellte sich Hallervorden demonstrativ an die Seite der CDU und wandte sich ausdrücklich gegen die AfD. Gerade bei jenen, die ihn zuvor wegen seiner Kritik an der politischen Entwicklung Deutschlands unterstützt hatten, löste dies erhebliches Befremden aus. Was ist mit Didi passiert? fragten nicht wenige sehr enttäuschte ehemalige Fans.

Auf einmal wird die AfD für Hallervorden zum Feind der Meinungsfreiheit

Vor diesem Hintergrund erhält auch der nun beigelegte Millionenstreit eine besondere Aufmerksamkeit. Gibt es einen Zusammenhang zwischen Hallervordens politischer Neuorientierung und dem plötzlichen Ende des Konflikts mit der Investitionsbank Berlin? „Da haben wir doch die Antwort auf Hallervorden’s Kehrtwende Dieter Hallervorden wird die Rückzahlung von Coronahilfen in Millionenhöhe erlassen“, schreibt dessen Kollegin, die geniale Gabi Decker.

Für eine solche Annahme gibt es nach derzeitigem Kenntnisstand keine Belege. Die IBB erklärt die Angelegenheit mit einer abgeschlossenen Prüfung der eingereichten Unterlagen. Damit ist der Fall aus rechtlicher Sicht erledigt. Politisch darf der zeitliche Zusammenhang dennoch Fragen aufwerfen. Denn wenn eine existenzbedrohende Forderung über mehr als zwei Millionen Euro binnen weniger Tage vollständig verschwindet, ist es legitim, nach den Hintergründen zu fragen – zumal der Betroffene danach mit einem politischen Kurswechsel für erhebliche Aufmerksamkeit gesorgt hat. Ob es sich dabei lediglich um einen Zufall handelt oder ob die zeitliche Nähe mehr bedeutet, lässt sich derzeit nicht beantworten.

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David Berger
David Bergerhttps://philosophia-perennis.com/
David Berger (Jg. 1968) war nach Promotion (Dr. phil.) und Habilitation (Dr. theol.) viele Jahre Professor im Vatikan. Zahlreiche Veröffentlichungen zur Philosophie und Theologie des Mittelalters. Seit 2016 Blogger (philosophia-perennis) und freier Journalist (u.a. für die Die Zeit, Junge Freiheit, The European).

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