
Vom 2. bis 4. Oktober trafen sich in Pittsburgh Vertreter des katholischen Traditionalismus zur diesjährigen Catholic Identity Conference (CIC). Die vom Umfeld der traditionsverbundenen US-Zeitung The Remnant organisierte Tagung gehört inzwischen zu den wichtigsten Treffen traditioneller Katholiken in den Vereinigten Staaten. Unter den Referenten waren neben Bischof Athanasius Schneider unter anderem der niederländische Weihbischof Robert Mutsaerts, der Liturgiewissenschaftler Peter Kwasniewski, der Vatikanjournalist Edward Pentin, die Rom-Korrespondentin Diane Montagna und der ehemalige ungarische Botschafter beim Heiligen Stuhl, Eduard Habsburg-Lothringen.
Im Zentrum vieler Beiträge stand die gegenwärtige Krise der katholischen Kirche und die Frage, welche Rolle dabei die überlieferte Liturgie und die Bewahrung der traditionellen Glaubenslehre spielen. Kwasniewski sprach über die traditionelle lateinische Messe als das, „was wirklich alle Lager eint“. Weihbischof Mutsaerts widmete seinen Vortrag der „katholischen Antwort auf eine (synodale) Kirche in der Krise“. Eduard Habsburg-Lothringen erinnerte unter dem Titel „The Traditional Mass and the Last Catholic Emperor“ an den seligen Kaiser Karl. Eine eigene Podiumsdiskussion beschäftigte sich mit dem Vatikan unter Papst Leo XIV. und der Ausbreitung der traditionellen Messe in Afrika.
Schneider: Eine „feindliche Übernahme“ innerhalb der Kirche
Den wohl schärfsten Akzent setzte Bischof Athanasius Schneider, Weihbischof von Astana in Kasachstan. Sein Hauptvortrag am Samstagabend stand unter dem Titel „Der Sieg Christi über die feindliche Übernahme innerhalb der Kirche“. Schneider machte dabei keinen Versuch, seine Diagnose der gegenwärtigen kirchlichen Lage abzuschwächen. Nach seiner Auffassung erleben die Katholiken eine Krise von historisch außergewöhnlichem Ausmaß.
Wörtlich sprach Schneider davon, Gottes unergründliche Vorsehung habe zugelassen, dass die Gläubigen Zeugen einer „beispiellosen Krise der Kirche“ geworden seien. Es handle sich um eine „feindliche Übernahme innerhalb der strategischen Verwaltungsstruktur der katholischen Kirche“. Diese zeige sich nicht nur in der Verbreitung „giftiger lehrmäßiger Zweideutigkeiten“, sondern sogar in „dreisten Häresien“ in den Reihen hoher kirchlicher Amtsträger. Dieses Phänomen komme, so Schneider, „in einigen Fällen der Apostasie nahe“.
Damit beschrieb Schneider die Kirchenkrise ausdrücklich nicht allein als Folge einer allgemeinen Säkularisierung oder eines Glaubensverlustes an der Basis. Das Problem reiche vielmehr bis in die kirchliche Hierarchie und deren Leitungsstrukturen hinein.
„Verrat an Christus“
Zugleich wandte sich Schneider gegen den Versuch, die Kirche durch Anpassung mit der modernen säkularen Kultur zu versöhnen. Christus sei nicht gekommen, um sich der Welt anzupassen, sondern um sie zu bekehren. Unter Berufung auf den Jakobusbrief erinnerte Schneider daran, dass die „Freundschaft mit der Welt“ Feindschaft gegen Gott bedeute. Besonders deutlich wurde er dort, wo eine Kultur die göttliche Offenbarung und die Einzigartigkeit Christi als Erlöser zurückweist. Mit einer solchen Gesellschaft oder Kultur Frieden schließen zu wollen, sei eine „vollständige Täuschung“, ja sogar ein „Verrat an Christus“. Der Titel seines Vortrags enthielt jedoch zugleich die eigentliche Botschaft Schneiders. Die gegenwärtige Krise ist für ihn nicht das letzte Wort. Die Kirche gehört nicht ihren Funktionären und auch nicht einer bestimmten theologischen oder kirchenpolitischen Strömung. Am Ende steht deshalb für Schneider nicht die „feindliche Übernahme“, sondern der Sieg Christi.
Hier dürfte auch die Botschaft liegen, die von der diesjährigen Catholic Identity Conference ausgeht: Angesichts der Krise der Kirche soll die Antwort traditionsverbundener Katholiken nicht Resignation sein, sondern die entschiedene Bindung an den überlieferten Glauben, die katholische Liturgie und den universalen Herrschaftsanspruch Christi.
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