Der Islam fürs Kinderzimmer: Kindliche Volksverdummung oder schon Mission?

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Ein schmales Kinderbuch, entdeckt ausgerechnet im Empfangsraum der Domschatzkammer des Bistums Essen, sorgte bei dem Publizisten Dr. Christoph Heger für eine negative Überraschung. Was als harmlose Einführung in den Islam daherkommt, ist historisch fragwürdig, theologisch verharmlosend und pädagogisch problematisch. Für PP erläutert er seine Kritik.

Hegers Einwand richtet sich nicht nur gegen einzelne Ungenauigkeiten, sondern gegen die Grundanlage: Kindern werde ein Islam präsentiert, der „friedlich, tolerant und dem Christentum erstaunlich ähnlich“ erscheine, während historische Streitfragen und problematische Aspekte der islamischen Lehre weitgehend ausgeblendet würden. Besonders kritisiert Heger das Schweigen über den Dschihad, die traditionelle Mohammed-Biographie und die Darstellung der Entstehung des Korans.

Damit stellt sich eine grundsätzlichere Frage: Was geschieht, wenn aus dem Wunsch nach friedlichem Zusammenleben eine Religionspädagogik wird, die Konflikte und fundamentale Unterschiede ausblendet? Gerade angesichts der Debatten über religiösen Konformitätsdruck an deutschen Schulen erhält diese Frage zusätzliche Aktualität. PP sprach mit Dr. Christoph Heger über Mohammed und den Koran, Scharia und Dschihad, das Verhältnis von Christentum und Islam – und darüber, wie man Kindern den Islam erklären kann, ohne aus Aufklärung Beschönigung zu machen.

  1. Herr Dr. Heger, Sie haben Georg Schwikarts Kinderbuch Der Islam den Kindern erklärt Seite für Seite kritisch kommentiert. Schon bei der Lektüre Ihrer Anmerkungen entsteht der Eindruck, hier werde Kindern weniger der historische und theologische Islam erklärt als vielmehr ein Islam, wie ihn sich westliche Religionspädagogen wünschen: friedlich, tolerant und dem Christentum erstaunlich ähnlich. Ist das auch Ihr Gesamteindruck – und wo beginnt aus Ihrer Sicht die Beschönigung?

Nicht nur theologisch, also im Sinne einer Darstellung des Inhalts der Doktrin des Islams, findet eine eingeschränkte Belehrung im Sinne einer Wunschvorstellung von wegen „friedlich, tolerant und dem Christentum erstaunlich ähnlich“ statt. Auch historisch verzichtet das Büchlein auf jeden Hinweis auf geschichtliche Fragwürdigkeit – offenbar um jeden Ärger zu vermeiden.

  1. Besonders auffällig ist, was in dem Buch nicht vorkommt. Schwikart erklärt ausführlich Glaubensbekenntnis, Gebet, Ramadan, Almosen und Wallfahrt, schweigt aber über den Dschihad. Sie nennen das eine „unzulässige Auslassung“ und verweisen auf dessen Zusammenhang mit Scharia und islamischem Herrschaftsanspruch. Welche Bedeutung besitzt der Dschihad in der klassischen islamischen Lehre tatsächlich – und kann man Kindern den Islam seriös erklären, wenn man diesen Komplex praktisch ausblendet?

Der Dschihad hat in der klassischen islamischen Lehre tatsächlich eine geradezu herrschende Stellung. Denn in der „erstmaligen“ Durchsetzung des göttlichen Gesetzes (Schariah) in erfolgreichen Dschihads sieht die islamische Doktrin den erkennbaren Vorzug des Islams vor anderen Religionen, auch denen, die sich auf frühere Propheten berufen. Eine klare Folgerung ist die Lehre, dass der im Dschihad zu Tode gekommene Muslim als Martyrer – arabisch „schahīd“ (Zeuge), im Plural schuhadā‘ – gilt, der bei Nachlass aller vorherigen Sünden sofort ins Paradies eingeht. Zu beachten ist dabei, dass der Dschihad nach islamischem Recht nicht als der Haager Landkriegsordnung unterworfen gilt mit der Folge, dass Mordaktionen islamisch gerechtfertigt dastehen können.

  1. Noch grundsätzlicher wird Ihre Kritik bei Mohammed. Schwikart erzählt dessen Biographie – Mekka, Offenbarung durch einen Engel, Verfolgung, Hidschra nach Medina und Tod im Jahre 632 – weitgehend wie gesicherte Geschichte. Sie weisen dagegen darauf hin, wie spät die einschlägigen islamischen Überlieferungen entstanden sind, und zitieren Sven Kalisch mit seiner fundamentalen Skepsis gegenüber dem historischen Mohammed. Was können wir historisch überhaupt zuverlässig über Mohammed sagen – und wird hier Kindern eine religiöse Überlieferung als historische Tatsache präsentiert?

Über einen Mohammed in den ersten Jahrzehnten des 7. Jahrhunderts kann nach bisherigen Erkenntnissen nichts historisch Gesichertes oder wenigstens Glaubhaftes berichtet werden – ungeachtet der Masse an späteren, gut hundert Jahre jüngeren „Überlieferungen“. Hinzu kommt: Der Name „Muhammad“, arabisch „der Gepriesene“ ist nicht nur eine unglaubwürdige Namensgebung für ein Kind, von dem keine Besonderheit zu erwarten ist, erst recht nicht, wo arabisch „muhammad“ bzw. (ursprünglich) aramäisch „mahmed“ ein Ehrenname für Jesus Christus war. Diese Verwendung von muhammad/mahmad findet sich selbst noch in den von ersten „islamischen“ Herrschern geprägten Münzen, die den (natürlich nur konsonantischen) arabischen Eintrag „mhmd“ zusammen mit einem Kreuzzeichen zeigen.

Was wird ein Heranwachsender später denken, wenn er die ganze Haltlosigkeit der islamischen Doktrin mit Überraschung erkennt? Wird er womöglich auch den eigenen christlichen Glauben auf einmal für ebenso verdächtig unglaubwürdig ansehen?

  1. Ähnlich verfährt das Buch mit dem Koran: Der Engel Gabriel habe Mohammed Gottes Worte übermittelt, die anschließend getreu niedergeschrieben worden seien. Sie halten dem Handschriftenvarianten, die komplizierte Überlieferungsgeschichte und vor allem christliche und jüdische Vorlagen entgegen. Wie viel Christentum steckt nach Ihrer Auffassung in den Textschichten des späteren Korans – und was bleibt angesichts der historisch-philologischen Forschung vom traditionellen islamischen Anspruch einer unmittelbar Mohammed mitgeteilten Offenbarung übrig?

Da bleibt nichts von übrig. Allein die Erzählung von über ein Jahrzehnt lang in Bruchstücken einem Mohammed irgendwie eingegebenen Texten, die von diesem wieder in Bruchstücken Umstehenden mitgeteilt und von dort mündlich erinnert und später zusammengestellt sein sollen, ist geradezu lächerlich. Dazu passt, dass die oft wenig zusammenhängende Texte des späteren Korans als Texte des in Anspruch genommenen Klassisch-Arabisch zu gut einem Fünftel nicht verständlich sind und bei philologischer Untersuchung Zusammenhang – vielfach auch poetische Form und Reimschema – gewinnen und als christliche (gelegentlich auch talmudische) Texte erkennbar sind.

  1. Schwikart erklärt Kindern außerdem, Muslime glaubten „an denselben Gott wie Juden und Christen“. Sie widersprechen dem ausdrücklich. Ist eine solche Aussage nicht gerade gegenüber christlichen Kindern problematisch? Das Christentum bekennt den dreifaltigen Gott und Jesus Christus als wahren Gott und wahren Menschen; der Islam bestreitet gerade Gottessohnschaft und Trinität. Wird aus dem berechtigten Wunsch nach Verständigung hier eine Theologie der Gemeinsamkeit konstruiert, bei der das spezifisch Christliche beinahe verschwinden muss? Ihre Anmerkungen weisen ausdrücklich darauf hin, dass der gemeinsame Glaube an einen Schöpfer für die behauptete Identität des Gottesverständnisses nicht ausreiche.

In der Tat ist die Lehre von Gott als einem Einzigen, der Himmel und Erde erschaffen hat, ungenügend, um zu sagen, der Gott der Juden und Christen sei derselbe, den der Islam als Allah lehrt. Möglicherweise kann man wohl sagen, dass Juden und Christen, ungeachtet der jüdischen Ablehnung der Trinität, denselben Gott verehren. Da kenne ich mich nicht genügend aus. Aber der islamische Allah ist sicher nicht derselbe wie der christliche Gott. Dazu bedenke man, dass Christen ihren Gott erkennen in der Erkenntnis des göttlichen Willens. Für die islamische Doktrin gibt es diese Erkenntnis des – um mit Immanuel Kant zu sprechen – kategorischen Imperativs nicht; das „göttliche“ Gesetz liegt nur vor in der Mohammed gegebenen Offenbarung.

Aber halten wir fest: Ich weiß natürlich nicht, zu wem Muslime tatsächlich, unabhängig von der Doktrin beten. Womöglich der Gott, der sich auch ihnen in seinem göttlichen Willen zeigt.

  1. Besonders brisant erscheint diese Form der Islamvermittlung, wenn man sie mit der Realität an Berliner Schulen konfrontiert. Das Berliner Konflikt- und Gewaltbarometer von 2026 dokumentiert religiösen Konformitätsdruck; Schüler berichten, dass Mitschüler anderen bei Kleidung, Essen und Beten Vorschriften machen wollen. Bei jüdischen Jugendlichen zeigt die Untersuchung zudem eine besonders hohe – wegen der kleinen Stichprobe vorsichtig zu interpretierende – Betroffenheit von religiös konnotierten Gewalterfahrungen. Bereits die Berliner Schulverwaltung hatte beschrieben, dass nicht fastende Jugendliche im Ramadan unter Druck geraten können; 2025 musste sie sogar einschreiten, nachdem an einer Neuköllner Schule eine verpflichtende Teilnahme an einem Iftar vorgesehen war. Besteht hier nicht ein merkwürdiges Missverhältnis: Nichtmuslimische Kinder sollen immer mehr über islamische Empfindlichkeiten lernen und Rücksicht nehmen – während viel weniger darüber gesprochen wird, welchen Respekt der Islam seinerseits Christen, Juden, Nichtgläubigen und ihren Lebensweisen entgegenbringen muss?

Nicht nur in Berliner Schulen ist es noch schlimmer. Susanne Schröter, emeritierte Professorin an der Universität Frankfurt und Leiterin des Frankfurter Forschungszentrums Globaler Islam, das nun geschlossen wird, berichtet im Interview der Wochenzeitschrift „Die Tagespost“ vom 18.09.2025: „In manchen Schulen werden nichtmuslimische Schüler gemobbt, zur Konversion genötigt und Mädchen so lange bedrängt, bis sie ein Kopftuch anziehen. Lehrerinnen werden respektlos behandelt und sind teilweise sogar Gewalt ausgesetzt. Dort, wo nichtmuslimische Kinder in der Minderheit sind, existiert eine regelrechte Deutschenfeindlichkeit, die jedoch hochgradig tabuisiert ist. 2010 veranstaltete die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft dazu eine Tagung, weil Lehrerinnen das Thema öffentlich gemacht hatten. Ihr Anliegen wurde jedoch mit Unterstützung postkolonialer Wissenschaftlerinnen abgewehrt, die der Meinung waren, dass die Aggressivität muslimischer Jungen nur eine Folge von Diskriminierungs- und Rassismuserfahrungen und damit die Schuld der Gesellschaft sei. Rassismus gegen Weiße gebe es nicht, weshalb auch kein Handlungsbedarf bestünde. Natürlich existiert ein Rassismus gegen Weiße und gegen Deutsche.“  Dieses Totschweigen oder diese Verniedlichung solcher Verhältnisse kann man nur verstehen, als einen Versuch, die massenhaft geduldete oder auch gewollte Invasion – beschönigt „Migration“ genannt – durchzusetzen, und die ausgerechnet aus über Jahrhunderte Europa feindlichen Ländern,.

  1. Am Ende des Buches wird diese Tendenz geradezu programmatisch. Schwikart erklärt Eltern und Erziehern, Unterschiede zwischen Christentum und Islam müssten nicht „als bedrohlich empfunden werden“, sondern könnten eine „Bereicherung für unser Zusammenleben“ darstellen. Sie bezeichnen diese Aussage angesichts des islamischen Geltungsanspruchs ausdrücklich als „unverantwortlich“. Wenn Sie selbst ein Buch mit dem Titel Der Islam den Kindern erklärt schreiben müssten: Was müsste darin über Mohammed und Koran, Scharia und Dschihad, über das Verhältnis zu Juden und Christen, über Religionsfreiheit sowie über die Stellung von Frauen und Andersgläubigen stehen, damit Kinder nicht indoktriniert werden, sondern ein sachlich zutreffendes Bild des Islam erhalten?

Es wird wohl möglich sein, auch Kindern in sachlicher Sprache, ohne abstoßende Verschärfung, den Mangel an historischer Grundlage eines Mohammed und einer Koran-Offenbarung, die realen Gefahren von Dschihad und Schariah für die bürgerliche Freiheit usw. bekannt zu machen. Für ein friedliches Verhältnis zwischen Muslimen, Juden und Christen genügt nicht die phrasenhafte Wiederholung eines Prinzips der Religionsfreiheit. Auch Heranwachsenden darf nicht verhehlt werden, dass nicht nur die Freiheit des Bekenntnisses, sondern auch der Befolgung der Lehren einer Religion (oder auch Weltanschauung) immer wieder Gegenstand von Gerichten ist – bis hinauf zum Bundesverfassungsgericht.


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