Time to go, Doctor No!

8

Ein überparteilicher Ministerpräsident? Gastbeitrag von Frank Steinkron.

Sarah Wagenknecht hat gefordert, die Brandmauer zur AfD niederzureißen und bei sachlicher Übereinstimmung mit der AfD zusammenzuarbeiten. Und doch hat sie das Angebot von Björn Höcke, sich mit Stimmen der AfD zur Ministerpräsidentin von Thüringen wählen zu lassen, als „unseriös“ abgelehnt.

Stattdessen drängt sie auf die Wahl einer „überparteilichen“ Persönlichkeit. Doch wo ließe sich eine solche Persönlichkeit finden? So gut wie alle Politiker gehören irgendeiner Partei an. Guter Rat ist teuer. Oder doch nicht?

Herrschaft durch künstliche Intelligenz

Bereits im Jahre 2011 kursierte ein sehr weitsichtiges Scherzvideo. Erich Mielke und Erich Honecker beschließen nach der Wiedervereinigung, an der BRD Rache zu nehmen. Sie geben die Konstruktion eines humanoiden Roboters in Auftrag, der die Gestalt von Angela Merkel hat. Der Roboter soll die Macht erlangen und Deutschland systematisch ruinieren: durch Aufhebung des Post- und Bankgeheimnisses, eine flächendeckende technische Überwachung ohne Gerichtsbeschlüsse, durch Zerstörung der Marktwirtschaft, Hyperinflation, Abschaffung freier Wahlen und Übertragung der Macht an globale Institutionen sowie durch das Schüren ethnischer Konflikte mittels Massenmigration.

Heute sind wir einen Schritt weiter. Wir brauchen, um Politik zu simulieren, keine Roboter mehr. Es reicht, die Tätigkeit eines Ministerpräsidenten an die künstliche Intelligenz outzusourcen. Das hört sich ungewöhnlich an, ist es aber nicht. Der derzeitige Landesvater hat von der KI schon hinlänglich Gebrauch gemacht, nicht zuletzt in Redemanuskripten. Und eine KI ohne Mario Voigt ist allemal besser als Mario Voigt ohne KI.

Doctor No aus Thüringen

Bliebe die Frage, wie man den künftigen KI-MP nennen soll. Eine Option wäre „Doctor No“. So heißt in einem James-Bond-Thriller ein ominöser Bösewicht, der er – ähnlich wie eine heutige KI – hochintelligent ist, zugleich aber größten Wert darauf legt, unsichtbar zu sein. Lange Zeit ist nicht einmal sicher, ob er als Person überhaupt existiert.

Darüber hinaus gibt es den Spitznamen „Doctor No“ bereits für den noch amtierenden Amtsinhaber: passend für einen No Doctor, dem der Titel wegen geistigen Diebstahls aberkannt wurde. Passend aber auch für einen geltungsbedürftigen Kriminellen, zu dem Bond in besagtem Film sagt, er gleiche den Fischen, die hinter der gewölbten Scheibe eines Aquariums größer scheinen, als sie in Wirklichkeit sind: „Sprotten, die sich als Wale aufspielen, genau wie ihr Herr und Meister.“

Doch Hochmut kommt vor dem Fall.  Am Ende des Films stürzt Bond den Doctor No in das kochende Kühlwasser eines kollabierenden Atomreaktors. Natürlich soll sich der Fall von Mario Voigt humaner gestalten. Und natürlich ist Voigt nicht mit einer Sprotte zu vergleichen. Sprotten sind so klein, dass sie durch die meisten Netze hindurchschlüpfen. Anders verhält es sich mit Menschen. Sie verfangen sich im Netz ihrer eigenen Lügen. Vor allem, wenn sie dieses Netz zuvor sehr fein geknüpft haben.

All das kann einem künstlichen Doktor No nicht passieren. Denn anders als die meisten Politiker ist die KI bereit, aus ihren Fehlern zu lernen. Bleibt also zu hoffen, dass Voigt baldmöglichst abtritt – und aus dem Thüringer „No Doctor“ ein „Go, Doctor!“ wird.


Entdecke mehr von Philosophia Perennis

Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.