(David Berger) Eine WDR-Dokumentation entlarvt das Geschäft mit Leihmutterschaft in der Ukraine: Kinder nach Bestellung, Frauen als Gebärmaschinen.
Ausgerechnet der öffentlich-rechtliche Rundfunk liefert das wohl eindringlichste Gegenargument gegen jene, die Leihmutterschaft als modernen Ausdruck individueller Freiheit verklären. Die WDR-Dokumentation „Babys für die Welt – Das Geschäft mit ukrainischen Leihmüttern“ zeigt schonungslos, was hinter dem milliardenschweren Geschäft mit den sogenannten Wunschkindern steckt: Frauen, deren Körper vermietet werden, und Kinder, die immer häufiger wie ein bestellbares Produkt behandelt werden.
Gleich zu Beginn schildert die Reportage einen Fall, der sprachlos macht. Ein Auftraggeber wollte unbedingt ein Mädchen. Als sich herausstellte, dass das ungeborene Kind ein Junge war, wurde die Leihmutter massiv unter Druck gesetzt, das Kind abzutreiben. Man behauptete, es liege ein Gendefekt vor. Tatsächlich waren sämtliche Untersuchungen unauffällig. Der einzige „Makel“ des Kindes bestand darin, das falsche Geschlecht zu haben.
Mädchen unerwünscht – also abgetrieben
Wer nach solchen Szenen noch behauptet, Leihmutterschaft habe nichts mit Menschenhandel oder einer Kommerzialisierung des Menschen zu tun, muss sich fragen lassen, welche Grenze überhaupt noch existiert. Wenn Kinder nach Geschlecht ausgewählt, reklamiert oder gar aussortiert werden können, wird der Mensch endgültig zur Ware.
Die Ukraine entwickelte sich über Jahre zu einem internationalen Zentrum des kriminellen, aber millionenschweren Menschen- und Organhandels, besonders kommerzieller Leihmutterschaft. Agenturen lockten Kunden aus aller Welt mit Rundum-sorglos-Paketen, Erfolgsgarantien und Preisen, die weit unter denen anderer Länder lagen. Schon für knapp 40.000 Euro wurde das Versprechen eines „eigenen Kindes“ vermarktet – inklusive Geld-zurück-Garantie, falls die Schwangerschaft scheiterte. Dass hinter dieser Sprache ein Menschenbild steht, das Kinder zu Produkten und Frauen zu Dienstleisterinnen degradiert, arbeitet die Dokumentation eindrucksvoll heraus.
Besonders erschütternd ist dabei das Schicksal der Leihmütter selbst. Viele stammen aus wirtschaftlich schwierigen Verhältnissen. Was ihnen als Chance auf finanziellen Aufstieg verkauft wird, endet nicht selten in psychischer Belastung, gesundheitlichen Risiken und völliger rechtlicher Abhängigkeit von Agenturen und Auftraggebern. Über ihren eigenen Körper können sie häufig nur eingeschränkt verfügen. Schwangerschaft, Geburt und medizinische Eingriffe werden weitgehend von den Interessen der zahlenden Kunden bestimmt.
Ukraine-Krieg: Bestellte Babys wurden nicht ausgeliefert oder abgeholt
Hinzu kommen die Kinder, die nicht den Erwartungen entsprechen. Frühgeburten, Behinderungen oder gesundheitliche Komplikationen passen nicht in das Geschäftsmodell einer Branche, die perfekte Wunschkinder verspricht. Die Reportage zeigt eindringlich, dass gerade diese Kinder zu den eigentlichen Verlierern gehören.
Der Ukraine-Konflikt lieferte nicht nur die Beweise für gefährliche Biolabore in Selenskyjs Reich, sondern machte auch die moralischen Abgründe dieses Kinderhandel-Systems schließlich weltweit sichtbar. Plötzlich saßen Säuglinge in Kellern fest, weil ihre Auftraggeber sie nicht mehr abholen konnten oder wollten. Leihmütter mussten ihre Familien verlassen und in vermeintlich sichere Regionen umziehen, damit die Verträge erfüllt werden konnten. Babys warteten auf ihre „Auslieferung“, während über ihnen Bomben einschlugen. Kaum ein Bild verdeutlicht drastischer, wie weit die industrielle Reproduktionsmedizin den Menschen bereits zur Ware gemacht hat.
Vor diesem Hintergrund wirkt die gegenwärtige politische Debatte in Deutschland erstaunlich oberflächlich. Seit bekannt wurde, dass CDU-Fraktionschef Jens Spahn und sein Ehemann durch eine Leihmutter in den USA einen Sohn bekommen haben, diskutieren viele über rechtliche Fragen oder den unerfüllten Kinderwunsch homosexueller Paare. Weit seltener wird gefragt, welche Rechte eigentlich das Kind besitzt oder welche Folgen die Leihmutterschaft für die beteiligten Frauen hat.
Leihmutterschaft ist das Gegenteil von Freiheit
Dabei sollte gerade das Kindeswohl im Mittelpunkt stehen. Ein Kind hat keine Möglichkeit, diesem Arrangement zuzustimmen. Es wird bewusst in eine Situation hineingeboren, in der Schwangerschaft, Geburt und Elternschaft voneinander getrennt und vertraglich geregelt werden. Das widerspricht der Würde des Menschen, wie sie das Menschenbild unseres Grundgesetzes ebenso wie das klassische Naturrecht verstehen.
Die WDR-Dokumentation verdient deshalb Anerkennung. Sie zeigt nicht ideologische Schlagworte, sondern konkrete Schicksale. Gerade weil sie ohne moralische Überhöhung arbeitet, entfaltet sie eine enorme Wirkung. Wer sie unvoreingenommen sieht, wird Mühe haben, Leihmutterschaft weiterhin als bloße Erweiterung individueller Freiheit zu betrachten. Nach dem Ansehen der Dokumentation ist mir auch schlagartig klar geworden, warum nahezu alle X-Accounts die der Legalisierung und Verharmlosung der Leihmutterschaft das Wort reden, eine Ukraineflagge in ihrem Profil haben …
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