Terror, Chaos, Entfremdung: Das sind die vielfach aufblitzenden Grundfarben „bunter“, multi-ethnischer Gesellschaften. Der Tod von George Floyd in den USA wirkt als Brandbeschleuniger. Im Haltungsjournalismus sind die Rollen klar verteilt: Trump böse, „Antifa“ gut. Die eigentliche Problematik hinter identitätspolitischen Bewegungen wie „Black Lives Matter“, ihr immanenter Vernichtungstrieb, kann oder will vom Mainstream nicht erkannt werden. Ein Gastbeitrag von Joshua Salewski

Alarmstufe Orange. Bewohner der vielleicht edelsten Nation auf Erden sehen Rot. Schwarz. George Floyd hatte das Pech, mit der „falschen“ Hautfarbe am falschen Ort zu sein. An jenem Ort, wo der Blauwüter Derek Chauvin law-and-orderte. Dessen Name übrigens erst mit der Endung „-ist“ Sinn ergibt, oder bei entsprechender Aussprache an ein beliebtes Nutztier erinnert.

Die Rache der Aufrechten

Das Nachbeben? Mindestens 8,8 auf der „Anderes hätte ich nicht erwartet“-Skala. „Black Lives Matter“ are back. Trump sei schuld an den seit Jahrzehnten schwelenden interethnischen Unruhen. Aus Gründen. Und die AfD werde noch dafür sorgen, dass hier bald das Gleiche abgeht – so posaunt’s die buntgeheuerliche taz-Fratze der Tugend vom Hochseil der Moralakrobatik. Trump hat „mitgekniet“ oder so. Und dass nicht nur Floyd, sondern auch jeder, der bei den Protesten nun draufgeht, auf sein Konto geht – journalistische Ehrensache. Doch das Orangefarbenste kommt noch! Angesichts der Eskalation auf den Straßen kündigte der Präsident der Twitterherzen an:

„Wenn sich eine Stadt oder ein Staat weigert, die notwendigen Maßnahmen zu ergreifen, um das Leben oder Eigentum ihrer Bewohner zu verteidigen, werde ich das Militär der Vereinigten Staaten einsetzen und das Problem schnell für sie lösen.“ [1]

Gut… Dass da Soja-Sören Schnappatmung kriegt – geschenkt. Ein Staatsoberhaupt, das Maßnahmen zum Schutze des VOLKES und dessen Eigentum erwägt? Von Mama Merkiavelli und den Kindergärtnerinnen hatte er alles gelernt – z. B., sich auch als Junge die Nägel lackieren zu können –, aber nicht DAS! Genauso gut könnten Sie einem beliebigen Spät-Millennial erzählen, dass man früher nicht gleichzeitig telefonieren und im Internet surfen konnte, oder dass „DER SPIEGEL“ mal ein Nachrichtenmagazin war, und nicht die Lese-Wiedereinstiegshilfe für dreifache Schlaganfallpatienten.

In der wehrhaften Demokratie™ darf es jetzt jedenfalls keine zweite Meinung geben: Trump böse. „Antifa“ gut. Und Schwarze sind generell die besten Menschen, wo gibt, vor allem da sie, ähm, schwarz sind. Moment, ist das nicht irgendwie: rassistisch? Schon. Aber davon kriegt uns‘ ISDAP (Internationalsozialistisches Denk-Allergiker-Projekt) nichts mit.

Auch Hollywood, Epizentrum von Anstand und Nächstenliebe, „mattert“ fleißig mit: „Seth Rogen Says Fans Who Don’t Support His Black Lives Matter Post ‚Don’t Deserve My Movies’“ [2]. Unbeantwortet indes die Frage, welcher Mensch seine Filme überhaupt verdient hätte.

Von Hashtag-Jongleuren und Melde-Märtyrern

Die Ironie des Hashtag-Heldentums à la #BlackLivesMatter ist freilich, dass das vorgeblich zu Bekämpfende, Spaltung und Exklusion, fest in seinem Wesen verankert ist – wenn es nicht schon der Name preisgibt. Wer mitunter wahllos weiße Ladenbesitzer oder Passanten attackiert, kann nicht FÜR etwas sein, schon gar nicht für konstruktiven Diskurs. Das Gleiche gilt für die Kantholz schwingenden Spezialdenker der sogenannten „Antifa“, die für ihre „Feinderkennung“ allenfalls andere Marker setzen: Rassische Charakteristika spielen hier eine geringere Rolle als politisch-weltanschauliche; schließlich sind die meisten „Antifas“ selbst (wohlstandsverwahrloste) Weiße, wenn auch des Selbsthasses nicht gänzlich unverdächtige. Hingegen werden die Mainstreammedien als „Cheerleader“ identitätspolitischer Auswüchse nicht müde, uns ebenjene als progressive, einende Kräfte zu verkaufen. Obschon – oder vielleicht gerade weil – Verständigung und Versöhnung mitnichten die Ziele der Permaempörten sind.

Im Beteuern, für Toleranz und Solidarität zu stehen, befeuern die Pseudo-Widerständler letztlich nur die Fragmentierungs-Agenda supranationaler Machteliten. So viel revolutionäre Verve, die sich vornehmlich im Abfackeln von Autos, Zerdeppern von (Geschäfts)existenzen, Facebook-Unfriending sowie Trump- bzw. AfD-Bashing erschöpft, will vom Leviathan väterlich belohnt werden: Mit mehr Überwachung und weniger Freiheit.

Ungeachtet der Tragik von George Floyds Tod und ungeachtet tatsächlicher Missstände MÜSSEN identitätspolitische Akteure beständig neue Unrechtserfahrungen herbeihalluzinieren. Die conditio sine qua non: Tun sie es nicht, erlischt ihre Existenz.

Mehr noch: Weil der hippe Kulturmarxist gelernt hat, sich allein anhand rassischer, sexueller, geschlechtlicher oder polit-ideologischer Merkmale als (Lebe)wesen wahrzunehmen, hat er verlernt zu erkennen, dass er eben nicht bloß die Summe zumeist dichotom angelegter Einzelattribute ist (Schwarz vs. Weiß, Frau vs. Mann etc.), sondern – o weh – ein gesamtheitlicher Mensch mit Stärken und Schwächen, Widersprüchen, Begierden.

Mit der Herausforderung jedoch, dieser unvollendete und biographisch vorbelastete Mensch zu sein, kann sich der kulturmarxistisch knüppelnde Kleber-Nachwuchs nicht befassen. Aus gutem Grunde: Lüftet er die Abdeckplane nie enden wollender Stellvertreterkonflikte, so brüllt ihm der Höllenschlund persönlicher Traumata derart gnadenlos entgegen, dass von der Imago des hehren Hashtag-Jongleurs und mutigen Melde-Märtyrers nur noch ein am Boden kauerndes Häufchen Elend in Embryonalstellung übrig bleibt. Probleme klopfen ein paar Mal höflich an – danach fliegen sie mit ’ner Boeing ins Dach. Your Life Matters.

Quellen:

[1] „Ansprache vor dem Weißen Haus: Trump droht mit Militäreinsatz“ (tagesschau, 02.06.2020)

[2] „Seth Rogen Says Fans Who Don’t Support His Black Lives Matter Post ‚Don’t Deserve My Movies’“ (People Magazine, 02.06.2020)

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Unser Gastautor Joshua Salewski schreibt über sich: Als Jugendlicher war ich sozialistisch unterwegs. Bis ich bemerkte, dass ich mich auch meines Verstandes bedienen kann und sollte. Seitdem reduzieren sich (Facebook-)Freunde wie Beischlafmöglichkeiten stetig. Doch ich halte es da mit Churchill: «Sie haben Feinde? Gut. Das bedeutet, dass Sie für etwas eingestanden sind, irgendwann in Ihrem Leben.» Fun Fact: Aufgrund meiner krypto-linken Optik kriege ich von Antifas entweder gar nicht oder wenigstens als Letzter aufs Maul. Hier geht’s zum Facebookprofil unseres Gastautors