Die Verleihung des Theodor-Herzl-Preises an Dr. Angelika Merkel  – eine Beleidigung für die weltweit bedrängten Juden? Ein Gastbeitrag von Josef Hueber

Dr. Angela Merkel erhielt am 28. Oktober in München den Theodor-Herzl-Preis. Der Jüdische Weltkongress begründet es damit, dass sie sich stets gegen Judenhass eingesetzt habe. Es ist aber nicht zu übersehen, dass mit der Auszeichnung eher eine märchenhafte Phantastik inszeniert wurde, als dass damit eine auf Fakten basierende Würdigung zustande kam.

Antisemitismus – mal so, mal so

Obwohl er ein robuster Antisemit war (und Hitler ihn vielleicht auch deswegen besonders schätzte), hat sie keine Bedenken, sich im Glanz   seiner Kunst zu zeigen und sich so aufzuhellen. Das ist ganz anders motiviert als ihre Entscheidung, das grandiose Bild „Brecher“ des Antisemiten Emil Nolde, aus philosemitischer Überzeugung (?), aus ihrem Amtszimmer entfernen zu lassen.

Bayreuth – das ist ein Muss für sie, Antisemit Wagner hin oder her. Der „Grüne Hügel“ gewährt „das Erleben seiner Werke als ein Fest.“ (Quelle)  Dort sieht man folglich die Kanzlerin auch einmal bemüht feminin gekleidet, wenn auch die ungewohnte Garderobe eine Merkel zeigt, die sich im Hosenanzug sichtlich wohler fühlt.

Jede Mode kommt gerade recht

Ein anderes, symbolisches Festgewand, das man ihr vor kurzem geschneidert hat, mag ihr aus Gründen politischer Aufwertung gefallen, aber es steht ihr nicht zu Gesicht.

Am 28.Oktober erhielt die Bundeskanzlerin in München den Theodor-Herzl-Preis, benannt nach dem Namensgeber, einem österreichisch-ungarischen Schriftsteller, der mit seinem Buch „Der Judenstaat“ als bekanntester Zionist in die Geschichte einging. Die hinter der Auszeichnung zum Ausdruck kommende  Verkennung bzw. Beschönigung  der Wirklichkeit bewirkte bei den Betroffenen verständlicherweise Unverständnis und Empörung.

Märchen erklären die Wirklichkeit

In Christian Andersens Märchen “Des Kaisers neue Kleider” erfahren wir von dem genialen Einfall betrügerischer Gewinnler. Ausgehend von der menschlichen Eitelkeit  gaben  sie einem Kaiser das – von ihm reichlich entlohnte –  Versprechen, sein Ansehen durch ein einmalig schönes Kleid zu steigern. Und das, obwohl sie keine Kenntnisse des Schneiderhandwerks hatten.

Deswegen betonten sie, was sich überall bei Hofe und auch im Volk herumsprach, dass nur Narren das Kleid nicht sehen könnten. Natürlich wollte niemand als Narr gelten. Der Tag der öffentlichen Präsentation des Kleides kam. Die Menge bejubelte den Kaiser, der nackt durch die Menge schritt. Die  Offenlegung des Betrugs kam unvermutet: „ Aber er hat ja gar nichts an!“ rief ein Kind.

Eine Ohrfeige für Juden von Juden?

Der Jüdische Weltkongress (WJC) begründet die Verleihung des Preises so: „Wenige Wochen nach dem Anschlag von Halle […] wird mit der Preisverleihung ein deutliches Zeichen gegen Judenhass gesetzt.“

Der Präsident, Ronald S. Lauder sagt es in die Kamera: „Kanzlerin Merkel war wunderbar zu den jüdischen Menschen in Deutschland, und sie war immer eine starke Unterstützerin des Staates Israel. Und dafür bekommt sie den Theodor Herzl Preis. Das ist einer der wichtigsten Preise in der jüdischen Welt.“

Seine Würdigung setzt sich fort. Merkel sei eine „Hüterin der Zivilisation (…) In ihrer ganzen politischen Karriere habe sie sich moralische Integrität und menschliches Einfühlungsvermögen bewahrt. Der existenziellen Nöte jüdischer Menschen und des jüdischen Staates habe sich Merkel wirklich angenommen.“

„Die Worte hör‘ ich wohl“

Die Reaktionen von anderer jüdischer Seite sind freilich nicht kompatibel mit der dazu unkritischen Berichterstattung der systemfreundlichen Medien. Rafael Korenzecher, Herausgeber der „Jüdischen Rundschau“ und stellvertretender Vorsitzender des  Koordinierungsrats deutscher Nicht-Regierungsorganisationen gegen Antisemitismus, kommentiert sarkastisch:

„ Merkel erhalte den Preis zu Recht. Schließlich sei es ‚ ihr Verdienst ‚, dass die Abwanderung von Juden aus Deutschland endlich wieder zu einer nennenswerten Alija [Rückkehr nach Israel]  geführt habe: ‚ Es besteht große Aussicht, dass Deutschland dank der heutigen Politik doch noch judenrein wird. Wir schaffen das.‘ “ 

Henryk M. Broder, der eine Einladung zur Preisverleihung abgelehnt hat, argumentiert völlig zu Recht: „ Wofür soll ihr der Theodor-Herzl-Preis verliehen werden? Dafür, dass ihr Mann bei den UNO sich bei Anti-Israel-Resolutionen der Stimme enthält, das heißt de facto gegen Israel stimmt? Dafür, dass derselbe Apparatschik ‚den Raketen-Terror der Hamas auf israelische Zivilisten mit dem Abriss von Häusern gleichgesetzt‘ hat? Dafür, dass sie nicht nur die deutsche Botschaft nicht von Tel Aviv nach Jerusalem verlegt hat, wie es die USA getan haben, sondern auch andere Staaten vor einem solchen Schritt gewarnt haben soll? Für all das bekommt sie den Theodor-Herzl-Preis?“

Eine Stimme aus Spanien

Soeren Kern, ständiger Kommentator des „Gatestone Institute“ vermerkt: „Eine Entscheidung des Jüdischen Weltkongresses, die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel mit dem renommierten Theodor-Herzl-Preis für Zionismus zu ehren, hat bei jüdischen Führern in den Vereinigten Staaten und Europa Wut und Verwirrung ausgelöst.“

Ein Kommentar aus Israel

Die konservative „Jerusalem Post“ kommentiert  (Übersetzung vom Autor)  „Candidly Speaking: The World Jewish Congress shames us“ [Offen gesagt: Der Jüdische Weltkongress beschämt uns]: „Im Jahr 2005 verurteilte Merkel nicht nur den Antisemitismus, sondern beharrte auch darauf, dass es Deutschlands Aufgabe sei, für den Holocaust zu büßen, indem sie die Sicherheit Israels gewährleiste und den Judenhass auf allen Ebenen bekämpfe. (…) Leider hat sie sich in den letzten Jahren von dieser Politik abgewandt. Sie verurteilt weiterhin verbal den Antisemitismus, aber in der Praxis hat sich ihre Regierung in die entgegengesetzte Richtung bewegt. Tatsächlich hat sie nicht zuletzt dazu beigetragen, Deutschland und die Welt für die Juden viel gefährlicher zu machen. (…)

Neben der Unterstützung des iranischen Atomabkommens hat sich die Regierung Merkel geweigert, die wiederholten Drohungen des Iran zur Zerstörung des „Krebses“ Israel zu verurteilen. Sie verharmloste  diese wiederholten Drohungen als bloße Rhetorik . Sie hat sich auch geweigert, die Hisbollah als terroristische Organisation zu definieren, und hat deutschlandweite Märsche ermöglicht, in denen die Zerstörung Israels gefordert wurde.“

Angela Merkel hat sich mit dem Theodor-Herzl-Preis das Gewand der Philosemiten anlegen lassen. Es scheint, die Verleihung ist näher am Märchen vom nackten Kaiser als an der Wirklichkeit.