(David Berger) Millionen an Gelbwesten haben Frankreich über Monate in Atem gehalten. Nun sind sie so gut wie verschwunden, die Revolution ist gescheitert. Macron macht weiter wie zuvor. Die Zeit, in der man mit Protesten auf der Straße etwas ausrichten konnte, scheint vorüber. In Deutschland war die Merkel-muss-weg-Bewegung hier chancenlos.

„Was die Gelbwesten gibt es noch?“, fragte mich ein Bekannter, der mich am vergangenen Samstag durch die Altstadt von Nizza begleitete. Das Bild, das der Demonstationszug dort bot, war eher jämmerlich. Fast genauso viele Polizisten wie Demonstranten begleiteten die wenigen Übriggebliebenen über den Gehsteig am Stadtpark. Sie wirkten fast wie aus einer anderen Zeit.

Die Gelbwesten sterben langsam aus

Diese Bilder entsprechen dem Gesamtbild in Frankreich. Die Deutsche Welle meldete just an diesem Wochenende: „Die Gelbwesten sterben langsam aus: Wie das Innenministerium in Paris am Samstagabend mitteilte, gingen landesweit lediglich noch etwa 7000 Menschen auf die Straße, um gegen den Kurs der französischen Regierung zu protestieren. Das waren so wenige „Gelbwesten“ wie noch nie zuvor. Vor einer Woche hatten sich immerhin noch mehr als 10.000 Menschen an Demonstrationen beteiligt.“

Und Macron will nun weitermachen, als wäre nichts gewesen: „Die „Gelbwesten“ haben die französische Regierung mit ihren Massenprotesten über Monate das Fürchten gelehrt. Präsident Emmanuel Macron musste – recht teure – Zugeständnisse machen. Nun, wo die Protestwelle so ziemlich abgeebbt und der Sommer da ist, wagt er sich wieder aus der Deckung. Es soll wieder gekürzt werden.“ so der ORF.

Wir hatten allen Ernstes geglaubt, das System Merkel mit ein paar Demos zu stürzen

Macron hat wider Erwarten die Schlacht gewonnen. Die alten Konzepte, nach denen man mit dem Widerstand auf der Straße eine Regierung stürzen kann, scheinen nicht mehr zu wirken. Die brutale Gewalt, mit der Macron gegen die Bürger vorging, war wirksam. Aber auch die Unterwanderung der Bewegung durch Extremisten von Links wie Rechts, von denen man sich nicht genug distanziert hatte, tat ihr Übriges.

Dass man (und auch ich) tatsächlich im Jahr 2018 geglaubt hatte, man könne das System Merkel mit ein paar Demonstrationen, die lediglich in den neuen Bundesländern gut besucht waren, zum Einsturz bringen, erscheint vor der Erfolglosigkeit der Millionen, die in Frankreich auf die Straßen gingen, geradezu naiv.

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